Für die Zukunft gut aufgestellt

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Wolfgang Purvin (63) leitet die Geschicke der größten Friedhöfe der Stadt.
 
Hanseatische Friedhofskultur der Gründerzeit – das Grab der Familie Hansen. Fotos: fjk

Friedhof Ohlsdorf: Schönster Friedhof Deutschlands

Ohlsdorf. Diplomkaufmann Wolfgang Purwin, der die Geschicke der ‚Hamburger Friedhöfe-AöR seit 1999 leitet, hätte für seine Verdienste um die Friedhöfe Öjendorf und Ohlsdorf sicher auch eine Auszeichnung verdient, doch noch hat sich keine Institution gefunden, die derartige Preise vergibt. Dafür haben in diesem Jahr gleich zwei ‚seiner‘ Unternehmen eine Auszeichnung erhalten. Unternehmen – ist das nicht ein etwas ungewöhnlicher Begriff im Zusammenhang mit der Bestattungskultur in einer Großstadt? Das WochenBlatt sprach mit Wolfgang Purwin, der als Geschäftsführer einer Anstalt öffentlichen Rechtes wie ein Unternehmer die Geschicke der beiden großen Hamburger Friedhöfe lenkt und für rund 340 Mitarbeiter Verantwortung trägt. „Wie viele Friedhöfe gibt es eigentlich in Hamburg“ Die Antwort ist verblüffend „Insgesamt sind es 50 Einrichtungen, von denen 35 in kirchlicher Hand sind“ sagt
Purwin, „13 weitere sind in jeweiligen Bezirken zugeordnet. Nur Nord und Eimsbüttel haben keine Bezirksfriedhöfe.“
Bestattungen.de-Award
Der Friedhof Ohlsdorf ist nun in diesem Jahr zum schönsten Friedhof Deutschlands gekürt worden. Die Jury um den Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann wählte Ohlsdorf kürzlich zum Gewinner des Bestattungen.de-Awards. „Unsere Friedhöfe sind nicht nur Bestattungsflächen, sondern in vielfältiger Hinsicht ‚Grüne Lungen“, sagt Purwin. Die Finanzierung der Friedhöfe erfolgt, da sie kaufmännisch geführt werden, über die Erträge der Bestattungen. Tendenziell sinken die Beträge, die Angehörige bereit sind, für eine Beerdigung zu zahlen. Gleichzeitig steigen aber die Kosten. Zwar zahlt die Freie und Hansestadt Hamburg in den Jahren 2012 / 2013 an Purwins Unternehmen für die Pflege des ‚Öffentlichen Grüns‘ wieder mehr Geld als in der Vergangenheit, doch es gilt, sich für die Zukunft wetterfest zu machen. Deshalb werden Friedhofentwicklungspläne erarbeitet, die weit in die Zukunft blicken. Auf die Besucher, die den Friedhof längst für sich entdeckt haben. Mütter mit Kinderwagen, Schulklassen und Liebespärchen fühlen sich hier inzwischen heimisch. „Natürlich sind nach wie vor auch Trauernde hier“, so Purwin, „doch ganz deutlich ist zu erkennen, dass der Friedhof immer mehr eine zentrale Rolle in der Lebenswirklichkeit der Anwohner einnimmt. Dem müssen wir Rechnung tragen.“ Zwar will der Friedhofchef keine Spielplätze mit Sandkisten und Rutschen einbauen lassen – doch wir müssen uns immer wieder etwas einfallen lassen, um die Akzeptanz und Attraktivität des Friedhofs zu steigern.
Bestattungsforum
Womit das Gespräch beim zweiten Preisträger – dem Hamburger Bestattungsforum – angelangt wäre. Auch das ist keineswegs ohne Konkurrenz. Einen Ring gleich mehrerer privater Krematorien – teilweise in Gewerbegebieten angesiedelt – gibt es um Hamburg. Das neue, als ‚Bauwerk des Jahres‘ ausgezeichnete Forum kann sich aber mit seinem Gesamtkonzept deutlich von diesen abheben. „Durch die einzigartige Konzeption können wir Trauerfeier und Urnenbeisetzung vor Ort und an einem Tag anbieten“, berichtet Purwin, „das wird auch sehr gut angenommen, denn damit bleibt häufig die Trauergemeinde zusammen, bis zum letzten Gang zum Grab.“ Auch das Café, das dem Forum angegliedert ist, hat sich als Glücksgriff erwiesen „Hier haben wir Neuland betreten und freuen uns nun über den Erfolg“, so Wolfgang Purwin. Die Kernkompetenz des Friedhofs jedoch bleibt unverändert erhalten – es ist der würdige Umgang mit den Verstorbenen der Stadt. (fjk)

Sonnabend, 24. November von 13 – 16.30 Tag der offenen Tür im Bestattungsforum
und Krematorium.
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