Fußball mit Hans

Anzeige
Hans Kohl hat sich Anfang des Jahrtausends maßgeblich für den Bau des Bolzplatzes eingesetzt. Heute betreut er auch Hortkinder bei den Hausaufgaben. Foto: Lublow

Hans Kohl lebt für die Jugendarbeit im Quartier Essener Straße

Von Sylvana Lublow
Langenhorn. Als „junger Wilder“ kehrt Hans Kohl (66) in den 1960er Jahren seiner Heimat, einer kleinen Stadt nahe Heidelberg, den Rücken um zwei Jahre lang durch Europa zu trampen – als vierfacher Vater engagiert sich der Wahl-Hamburger 30 Jahre später für Jugendliche und Kinder im Stadtteil Langenhorn.
Nach Schule und Maschinenschlosser-Ausbildung fühlte sich Hans Kohl eingeengt von Elternhaus und Heimatort. Mit langen Haaren, Rucksack aber ohne Geld machte sich der Rolling Stones-Fan auf den Weg in die Freiheit. „Ich brauchte nur Essen und einen Schlafplatz. Heute wäre das nicht mehr möglich“, sinniert Kohl. „Es war die schönste Zeit meines Lebens. Niemand hat mir über die Schultern geguckt.“
Nach seinen „Wanderjahren“ landete der junge Mann in Hamburg und arbeite unter anderem bei Bloom und Voss, wohnte in einem WG-Zimmer auf St. Pauli und ging regelmäßig zum Jugendkreis der Freikirche am Holstenwall. Dort lernte er auch seine spätere Ehefrau kennen. Als 1971 das erste Kind auf die Welt kam, zog die kleine Familie nach Barenfeld. Schon dort arbeitete Hans Kohl in der Kirchengemeinde ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen - er unterrichtete Gitarre und spielte Fußball mit ihnen.
Als links-orientierter Alt-68er nahm Kohl regelmäßig an
Demonstrationen teil – was er auch heute noch tut. Ob gegen Rechts, gegen Gewalt jeder Art oder gegen Atomkraft, Kohl ging immer vorne weg. „Ich habe öfter mal einen Gummiknüppel auf den Kopf bekommen“, erzählt er und lacht.
1981 zog die mittlerweile sechsköpfige Familie (drei Söhne, eine Tochter) nach Langenhorn, Am Ochsenzoll. In seiner damaligen Firma spielte er leidenschaftlich Betriebsfußball. „Als meine Kinder älter wurden, hingen sie nur rum. Also bin ich mit den Jungs Sonntagsabends Fußballspielen gegangen auf dem Bolzplatz an der Essener Straße“, erzählt Kohl. Das war 1991 und seine jüngsten Söhne – Zwillinge – waren 13 Jahre alt.
Schon bald schlossen sich dem kleinen Team immer mehr Kinder an. „Die Jungs hatten alle möglichen Nationalitäten“, erzählt der 66-Jährige. Drei Jahre später spielte Hans Kohl regelmäßig jeden Montag- und Donnerstagabend mit den Kindern und Jugendlichen zusammen Fußball. Eine multikulturelle und auch wilde Truppe. „Hinterlistige Fouls und Ausländerfeindlichkeit durfte es nicht geben. Dann spiele ich nicht mehr, hatte ich ihnen gesagt. Das ist nicht mein Niveau.“ Es wurde besser. Die Kinder akzeptierten Hans und liebten den Fußball mit ihm. „Hier gilt, was Hans sagt“, wurde jeder neue Mitspieler von den Kickern begrüßt. „Die Kinder sprachen mich irgendwann auch an, wenn sie Probleme in der Schule oder mit den Eltern hatten“, erzählt der ehrenamtliche Fußballspieler. Jedes Kind im Quartier Essener Straße kannte Hans. „Bei einer Umfrage eines Stadtteil-Magazins wurden die Kinder mal befragt, welche Erwachsenen sie respektieren. Viele antworteten: nur Hans“, erzählt er stolz. Kein Wunder, denn Hans Kohl kennt jugendliche Rebellion aus eigener Erfahrung: „Mir ging es früher auch so. Wenn man unsicher ist, macht man Dinge, die man gar nicht machen will.“ Nicht von oben herab sondern auf Augenhöhe begegnet Kohl den Kids. „Sie
respektieren dich, auch wenn du nicht die Peitsche schwingst.“
Im Jahr 2000 wurde Rixa
Gohde-Ahrens vom Stadtteil-
büro auf den Mann aufmerksam und wollte von ihm wissen, wie der Stadtteil positiv verändert werden könnte. „Wir sind ins Gespräch gekommen und haben dann Modelle für Spielplätze gebaut“, sagt Kohl, der maßgeblich daran beteiligt war, dass der Bolzplatz dann ein Jahr später für 90.000 Euro neu gebaut wurde. Einen Unterstand hat Kohl in Eigenregie gemeinsam mit den Jugendlichen an drei Wochenenden gezimmert. 2002 weihten die Kicker den großen, neuen Fußballplatz mit einem Turnier ein. Acht Mannschaften nahmen teil – auch Erwachsene spielten mit.
Seitdem hat Hans Kohl 15 Fußball-Turniere in acht Jahren organisiert und veranstaltet. 2010 hat er die Verantwortung an einen jüngeren Mann aus Afghanistan abgegeben – der als Kind schon mit Hans Fußball spielte.
Der 66-Jährige spielt nur noch sonntags. Dafür betreut er auch weiterhin Hortkinder bei den Hausaufgaben und singt zusammen mit Vorschulkindern. Denn neben Fußball ist die Musik seine zweite große Leidenschaft. Mit seinen mittlerweile fünf Enkelkindern geht der Rock’n Roller gerne in klassische Konzerte: „Man muss den Kindern etwas anbieten, das ist wichtig.“ Fast alle seine Fußball-Jungs, mit denen Kohl 20 Jahre lang kickte, haben eine Ausbildung abgeschlossen. Weil ihnen etwas angeboten wurde – Respekt und Aufmerksamkeit.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige