Große Freiheit auf zehn mal zehn Meter

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Wenn Bettina Tonitaschinski mit ihrer Gitarre zur Musikalischen Früherziehung einlädt, lassen sich Kinder und Eltern nicht zweimal bitten. Foto: Krause

Das Stadtteilhaus Bornbachstieg

Von Franz-Josef Krause
Langenhorn. Am Anfang stand eine Idee. Die Wohnungen der Heidberg Reihenhaus-Siedlung nördlich des Krankenhauses, in der Zeit der Wohnungsnot nach dem 2. Weltkrieg erbaut, boten für die Kinder der Mieter nur sehr wenig Platz. Abhilfe schaffen sollte nach rund 40 Jahren ein Haus – das Stadtteilhaus am Bornbachstieg mit 100 Quadratmetern Nutzfläche. Wohnraum-Erweiterung war das Stichwort. Eröffnet wurde es Anfang 1993. Seither hat sich in seiner Umgebung einiges verändert. Alte Gebäude wichen teilweise geräumigeren Neubauten und das Heidberg-Village entstand. Junge Familien siedelten sich im nördlichen Langenhorn in Neubauten an. Das Stadtteilhaus wandelte sich mit. War in den Gründungsjahren der Gedanke der ‚Wohnraum-Erweiterung‘ für Stunden im Mittelpunkt, so werden heute zusätzliche Schwerpunkte gesetzt. ‚Vernetzung‘ ist nun das Zauberwort.
Hamburg, die wachsende Stadt, hat in den letzten Jahren zunehmend junge Familien aus der ganzen Bundesrepublik angezogen. Junge Eltern, die in Hamburg nur selten Freunde und Bekannte oder gar eigene Eltern haben. Dafür aber Menschen, die weitgehend selbstständig eine Einrichtung wie das Stadtteilhaus nutzen können. Der Tag dort ist der Mittwoch. Dann findet nicht nur die musikalische Früherziehung statt, sondern dann sind Heike Schmoll und Melanie Schleus im Haus. Sie waren einst selbst als Gäste mit ihren Töchtern hier und sorgen nun als Honorarkräfte für die reibungslose Belegung des Hauses. Zehn Eltern & Kind Gruppen nutzen das behaglich eingerichtete Haus. Ebenso eine Gruppe, die in den Abendstunden Volkstänze einübt. Die Skatfreunde kommen hier regelmäßig zusammen. Wöchentlich gibt es das Kinderkino. Bis zu 50 Kinder treffen sich hier, um großes Kino im kleinen Haus zu erleben. An Wochenenden bietet das Haus Platz für familiäre Feiern, in der Vorweihnachtszeit werden unter Adventskränze gebunden. Klar, dass auch das ‚Rollende Sofa‘ hier andockt und dass Flohmärkte und Laternenumzüge das Programm des Stadtteilhauses bereichern. Was unterscheidet das Haus am Bornbachstieg von anderen Angeboten in der Stadt? Hier wird nicht ‚betreut‘ oder ‚animiert‘ – am Bornbachstieg wird eigenverantwortlich selbstgestaltet. Dadurch ergibt sich wie von selbst eine Vernetzung der Nutzer des Hauses, ein Effekt, der in den Stadtteil hinein wirkt. Alles perfekt, besser geht’s nicht? Doch, es ginge noch besser. Die Musikalische Früherziehung ist eindeutig der Renner. Wer miterlebt hat, wie Bettina Tonitaschinski dabei Kinder und Eltern mitreißt, wird wie Ulrike Schliephack, die Leiterin des Hauses, bedauern, dass für mehr als einen Vormittag die finanziellen Mittel fehlen. Leider gibt es nur wenige Eltern, die ein Musikinstrument beherrschen. Somit ist Selbsthilfe hier schwierig. Deshalb wäre es toll, wenn eine ‚gute Fee‘ zusätzliche Gelder für weitere Musikangebote bereitstellen würde. Das könnte, über Sprachgrenzen hinaus, im Wohngebiet weitere Brücken schlagen. Denn wie schreibt E.T.A. Hoffmann (1776 - 1822) „Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an“.
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