Hamburg: Bewegende Geschichte auf Postkarten

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Diese Postkarte von Hamburg nach Schweden datiert vom 6. April 1940 und deutet das Leiden der Familie an. Kl. Foto rechts: das BuchcoverRepro: now

Langenhorner Sütterlin-Stube übersetzte Dokumente von NS-Opfern. Jetzt als Buch erschienen

Von Stefanie Nowatzky
Hamburg. Wenn Torkel S. Wächter im April zu seiner Lesung nach Hamburg kommt, ist es auch ein Stück nach Hause kommen. Der 53-jährige lebt in Stockholm, doch seine Wurzeln und die seiner Familie sind in Hamburg. Minna und Gustav Wächter, seine Großeltern, lebten bis zu ihrer Deportation im Herbst 1941 im Scheideweg in Hoheluft. Von dort schrieben sie an ihre drei Söhne Postkarten und Briefe, die von ihrem Leben im Nazideutschland erzählen. Denn die Söhne der jüdischen Beamten- und Kaufmannsfamilie waren nach ersten Zusammenstößen mit Nazideutschland und KZ-Aufenthalten nach Buenes Aires und Schweden geflohen.
Doch das erfuhr Minnas und Gustavs Enkelsohn Torkel erst als Erwachsener. „Als ich selber Vater geworden bin, 2000, habe ich gedacht, ich wollte meinen Kindern die Geschichte meines Vaters erzählen können“, erzählt der Deutsch-Schwede. Und so holte er die bisher ungeöffneten Kisten mit dem Nachlass seines 1983 verstorbenen Vaters vom Dachboden und fand auch die 32 Postkarten auf Deutsch in einer ihm unbekannten Schreibschrift - Sütterlin. Mit Hilfe der Sütterlin-Stube in Langenhorn gelang es, die Postkarten zu übertragen und so die Geschichte der Familie Wächter nachzuzeichnen. Allerdings waren die jetzt im neuen Buch „32 Postkarten“ veröffentlichten Schreiben nur ein winziger Teil der umfangreichen Familien-Korrespondenz, die durch die Hände der Schreibstube lief. „Insgesamt haben wir weit über 1000 Briefe übertragen“, zählt Dr. Dr. Peter Hohn, seit zwölf Jahren Vorsitzender der Sütterlinstube, auf. Solche Dokumente machen für ihn den Reiz der Übertragung aus. „Das ist Geschichte von unten, die bis in die heutige Zeit reicht“, schwärmt er. Denn in den Briefen hält die Familie Kontakt, erzählt von Alltagsbegebenheiten und verschlüsselt von den Geschehnissen der Nazi-Zeit. „Vor allem ist es eine Geschichte der Liebe, die in den Postkarten und Briefen erzählt wird“, so Torkel Wächter. „Diese Liebe und der Zusammenhalt der Familie haben mich sehr beeindruckt“, so Wächter weiter. Nach „On this day - 80 Years ago“ ist „32 Postkarten - Post aus Nazi-Deutschland“ die zweite Veröffentlichung aus dem Nachlass von Walter Wächter. Sein Sohn hat über viele Jahre stückchenweise die Geschichte rund um die Briefe und Karten zusammengetragen, und so die Karten im gerade erschienenen Buch zu einer zusammenhängenden Geschichte verbunden. Bald kommt Torkel Wächter nach Hamburg kommen und liest aus dem Buch.

Dienstag, 22. April, ab 18 Uhr, Gedenkstätte Fuhls-büttel, Suhrenkamp 98.
Weitere Termine: 23. April, 19 Uhr, Schwedische Seemannskirche; 24. April,19.30 Uhr: Galerie Morgenland/Geschichtswerkstatt Eimsbüttel
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1 Kommentar
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Lutz Heimhalt aus Fuhlsbüttel | 26.03.2014 | 17:37  
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