Hamburg: Der Sprung nach Nordosten

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Hamburgs Quartiere nördlich der Elbe sollen noch attraktiver werden Visualisierung: moka/Luftbild: M. Friedel/wb
 
Bezirksamtsleiter Andy Grote in Hammerbrook

„Stromaufwärts an Elbe und Bille“ soll Hamburg neue Wohnungen und Arbeitsplätze bekommen

Hamburg. Nach der HafenCity, dem „Sprung über die Elbe“ und der Neuen Mitte in Altona ist es das nächste große Stadtentwicklungsprojekt in Hamburg: Unter dem Titel „Stromaufwärts an Elbe und Bille“ sollen „Wohnen und urbane Produktion in Hamburg Ost“ vorangetrieben werden. Aber was verbirgt sich genau dahinter?
Vor der ersten großen Diskussionsveranstaltung am 7. November (siehe Info) erklärt das Wochenblatt die wichtigsten Eckpunkte. Andy Grote (SPD). Bezirksamtsleiter in Hamburg-Mitte, erläuterte bei einem Spaziergang einige Pläne vor Ort.

Schöne Horner Geest

„Hamburg ist auch an Elbe und Bille gegründet worden, wir nehmen durchaus historische Bezüge auf“, sagt Andy Grote an diesem Oktobertag, als er sich mit der Wochenblatt-Reporterin trifft. Beide hätte die Idee gereizt, „Stromaufwärts...“-Ecken per Sportboot zu besuchen: Grote hat Mitte Oktober seinen Sportbootführerschein gemacht. Mangels Fahrpraxis und Ebbe geht es dann doch zu Fuß und per Auto von Hammerbrook über Rothenburgsort nach Hamm-Süd. Es sind drei von elf „Fokus-Räumen“ (siehe rechts), in denen schon jetzt viele Projekte laufen. Unter dem Titel „Stromaufwärts...“ werde Bestehendes „mit neuem Schwung, Qualität und Ideen“ vorangetrieben, skizziert Grote.
Der Hintergrund: Derzeit leben rund 165.000 Menschen in Hamburgs Nordosten. Es könnten jedoch noch viel mehr sein, glaubt der SPD-geführte Senat. Bis zu 20.000 neue Wohnungen könnten langfristig zwischen Hauptbahnhof und Mümmelmannsberg entstehen. Auch neue Arbeitsplätze - sogar industrielle, wenn es die Auflagen erlauben - sind das Ziel. Attraktive Wasser- und Grün-Lagen sollen besser genutzt und vernetzt werden. Die Landschaftsachse Horner Geest sei schließlich so lange „wie eine Runde um die Außenalster“ (die misst 7,8 Kilometer). Auch an eine „fahrradtaugliche Anbindung an die Innenstadt und an die Elbe“ ist gedacht.
Plan für Hammerbrook: Derzeit vor allem Arbeitsquartier, soll die citynahe Ecke verstärkt fürs Wohnen genutzt werden. Dafür verschwinden marode Bürohäuser, neue Pojekte wie zum Beispiel „Hammerleev“ (331 Miet- und Eigentumswohnungen) entstehen. Zwei weitere Baufelder sind definiert. „Auch zwei Kitas sind geplant“, sagt Grote. Klar ist: Nur mit der nötigen Infrastruktur fürs tägliche Leben, fürs Einkaufen kann neues citynahes Wohnen gelingen.
Plan für Rothenburgsort: Einen Steinwurf von den Elbbrücken entfernt, soll ein neues Wohnquartier direkt an der Wasserlinie entstehen.
„Die Golflounge wird verlegt, die Bundesbranntweinmonopolverwaltung kommt weg, da ist Platz für 300 Wohnungen“, kündigt Andy Grote an. Ein Bebauungsplan sei in Vorbereitung, in drei bis vier Jahren könnten hier die ersten Rothenburgsorter mit Blick auf den Entenwerder Elbpark einziehen. Der Park soll als Freizeitfläche, auch für die HafenCity, aufgewertet werden. Seit wenigen Wochen führt von dort bis nach Rothenburgsort ein durchgehender Radweg. Grote: „Wir fügen bestehende Mosaiksteine zusammen“.
Plan für Hamm-Süd: Neben Kleingärten, dort wo sich Mittel- und Rückertkanal treffen, sind die neuen „„Hansaterrassen“ fast fertig, 131 Miet- und Eigentumswohnungen. „Der Freizeit- und Erholungswert ist enorm“, sagt Grote, während der Blick über die Bille-Boote schweift.
Fazit: Verwunderlich, dass diese und andere spannenden Quartiere erst jetzt weiterentwickelt werden. Dazu Grote: „Jetzt haben wir den Druck.“ Der St. Paulianer würde sich wünschen, dass auch mehr Hamburger die Viertel im Nordosten entdeckten. „Manchmal sind die Hamburger da ein bisschen unbeweglich.“ Es würden wohl eher Neu-Hamburger sein, die in Stromaufwärts-Ecken zögen.

CDU skeptisch

CDU-Oppositionschef Dietrich Wersich hält die Stromaufwärts-Idee für richtig, „aber man muss das auch richtig umsetzen“. Es gebe kein echtes Gesamtkonzept. Wersich: „Meine größte Befürchtung aber ist, dass das alles ewig dauern wird, weil die SPD den Fehler gemacht hat, die entscheidungsfreudigen Gremien der Bauausstellung abzuschaffen und jetzt wieder der herkömmliche Behördenwirrwarr herrscht.“ (sta)


Große öffentliche Diskussion:
Die Magnus-Hall (Amsinckstraße 70, S-Bahnstation Hammerbrook), ist am Freitag, 7. November, von 17 bis 21 Uhr Ort der Diskussionsveranstaltung über das „Stromaufwärts“-Konzept. Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt will informieren und Chancen diskutieren. Thema ist auch eine mögliche „kooperative Entwicklung mit allen Akteuren“.  hamburg.de stromauf waerts, hamburg.de/stadtwerkstatt (sta)

Elf Fokus-Räume sollt ihr sein...
Unter klangvollen Begriffen sollen elf sogenannte Fokus-Räume im Nordosten weiterentwickelt werden. So trägt Mümmelmannsberg den Titel „das internationale Quartier“. Hammerbrook ist „der Raum für Stadtpioniere“, Hamm-Süd „das innovative Gewerbegebiet am Wasser“, und Rothenburgsort verspricht „Wohnen und Arbeiten am Elbufer“.  Der Billebogen soll „die neue Speicherstadt“ werden, am Tiefstackkanal „der Ort für produktive Welten“ entstehen. In Billbrook hofft der Senat auf „die Industrie von morgen“, das Horner Zentrum gilt als „das Herz der Backsteinstadt“ . Die Horner Geest ist „der Freiraum zum Wachsen“, Billstedt soll „das attraktive Zentrum“ und Öjendorf „die neue Gartenstadt“ sein. (sta)
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