Hamburg: Friedhofsverkehr wird gebremst

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Morgens um 7 Uhr auf dem Ohlsdorfer Friedhof: Eigentlich dürfen zu dieser Zeit nur Mitarbeiter auf das Gelände fahren. Doch die Straßen, auf denen übrigens Tempo 30 gilt, sind als Abkürzung zwischen Bramfelder Chaussee und Fuhlsbüttler Straße beliebt Foto: mt
 
Steinmetz Matthias Glink wünscht sich mehr Polizeikontrollen auf dem Friedhof

Schranken in Ohlsdorf sollen Autos vor 8 Uhr draußen halten

Von Marco Thielcke
Hamburg. Lange Autoschlangen ziehen sich durch die Straßen. Morgens zwischen 7 und 8 Uhr ist der Verkehr hier besonders dicht, es wird gedrängelt, überholt und manchmal auch entnervt gehupt, typischer Hamburger Berufsverkehr könnte man denken. Die Szene spielt aber nicht auf der Bramfelder Chaussee oder einer der anderen Hauptverkehrsachsen in Hamburg, sondern auf dem Ohlsdorfer Friedhof, der für den Durchgangsverkehr eigentlich gesperrt ist.
Den „Abkürzern“ und „Durchfahrern“ hat die Friedhofsverwaltung nun den Kampf angesagt. Kurzfristig sollen die Tore während des Berufsverkehrs bis acht Uhr geschlossen bleiben, langfristig ist laut Friedhofsverwaltung auch ein Schrankensystem im Gespräch. „Der Verkehr auf dem Friedhof ist zum Problem geworden“, sagt Rainer Wirz, Bereichsleiter Hamburger Friedhöfe. Ein Schlagbaum vor den vier Einfahrten des fast 400 Hektar großen Friedhofs ist für Wirz die beste Lösung, aber auch die teuerste.

Ab 2015 Stopp

„Wir kalkulieren gerade die Kosten. Bleiben die im Rahmen könnten im kommenden Jahr schon die Bauarbeiten beginnen“, sagt Wirz. Offenbar kann die Friedhofsverwaltung dabei auf die Unterstützung des Bezirkes bauen, der sich an den Kosten beteiligen will. Laut Bezirksamtsleiter Harald Rösler werden noch in dieser Woche Gespräche mit dem Friedhof geführt, in denen es darum geht, den illegalen Verkehr zu unterbinden. Zu den Gesprächen kam es nach einem Antrag der CDU-Fraktion im Regionalausschuss Langenhorn-Fuhlsbüttel. „Anwohner in Klein Borstel klagen schon länger über den hohen Verkehr in den schmalen Wohnstraßen zum Friedhof. Mit einer Schranke würden nur noch Angestellte auf das Gelände fahren können“, begründet die Klein Borsteler Abgeordnete Martina Lütjens den Antrag. Die Bezirksversammlung beschloss daraufhin, dass Rösler mit der Friedhofsverwaltung sprechen solle.
Bisher öffnet die Friedhofsverwaltung dem unerlaubten Durchgangsverkehr selbst Tür und Tor, wenn ein Mitarbeiter gegen 6 Uhr morgens, zwei Stunden vor der Besuchszeit, die Zugänge öffnet. Der Grund: Steinmetze und Gärtner müssen Bestattungen vorbereiten.

Kolonnen von Pendlern

Doch den Arbeitern folgen jeden Tag Kolonnen von Pendlern, die aus Hamburgs Randbezirken Richtung Innenstadt strömen. Dabei sind die Verkehrsschilder an jeder Einfahrt eindeutig: Zwischen sechs und 8 Uhr dürfen nur Friedhofsmitarbeiter aufs Gelände, ab 8 Uhr auch Besucher. Matthias Glink ist Steinmetz und beobachtet das rege Treiben auf den Friedhofsstraßen schon seit Jahren. Er wünscht sich mehr Kontrollen. „Viele Autofahrer halten sich nicht mal an das Tempolimit von 30 km/h. Damit sich der Weg über den Friedhof lohnt, fahren sie schneller und überholen sogar“, sagt der 55-Jährige. Glink arbeitet seit 37 Jahren auf dem Ohlsdorfer Friedhof.
Doch der Steinmetz sagt auch, dass nach 8 Uhr der Friedhof immer noch unerlaubt als Durchfahrt genutzt werde. Daran würde aber auch eine Schranke nichts ändern: Sie wäre mit Beginn der Besuchszeiten durchgehend geöffnet. Glink wünscht sich vor allem mehr Kontrollen durch die Polizei.
Jüngst hatten auch Anwohner aus Klein Borstel gegen den zunehmenden Verkehr in den frühen Morgenstunden protestiert. Matthias Baerwolff wohnt an der Straße Borstels Ende, eine schmale Verbindungsstraße zwischen der Wellingsbüttler Landstraße und dem Friedhof Ohldorf. „Wenn unsere Kinder morgens auf Fahrrädern zur Schule fahren, rasen hier oft Autos Richtung Friedhof“, sagt der 55-Jährige. Der Arzt fährt selbst jeden Morgen Richtung Altona in seine Praxis, würde selbst aber nicht über den Friedhof fahren. „Man spart doch höchstens fünf Minuten“, schätzt Baerwolff. Auch die Anwohner der Einfamilienhäuser hoffen, dass der Friedhof bald ein Mittel gegen den unerlaubten Verkehr findet. (mt)
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