Hamburg lernt U-Bahn von München

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440 Millionen Mal benutzten Hamburger 2013 Bus und U-Bahn (oben), ein leichtes Plus zu 2012. München ist mit sieben Linien besser im Stadtgebiet vernetzt.Kl. Foto: Günter Elste F: Hochbahn/thinkstock
 

Hochbahn-Chef Günter Elste über Ausbaupläne und wer langfristig auf Anbindung hoffen darf

Hamburg. München, Münster oder Nantes in Frankreich: Wenn es um öffentlichen Nahverkehr gibt, guckt sich die Hamburger Hochbahn auch auswärts „sehr intensiv nach Verbesserungsmöglichkeiten um“, wie Vorstandschef Günter Elste dem Wochenblatt sagte. Er hatte kürzlich angekündigt, wegen steigender Passagierzahlen noch 2014 Vorschläge für langfristige U-Bahn-Pläne vorzulegen. Demnach können sich noch nicht angeschlossene Quartiere wie Steilshoop, Bramfeld oder Jenfeld Hoffnungen machen - allerdings erst ab dem Jahr 2020.

WB: Herr Elste, ist diese Ankündigung eine Beruhigungspille, weil viele Hamburger genervt sind von den Baustellen des Busbeschleunigungsprogramms?
Elste: Das Busbeschleunigungsprogramm ist ein notwendiger Schritt, um kurzfristig mehr Kapazitäten auf hoch belasteten Busstrecken zu schaffen. Diese Maßnahmen wären auch erforderlich, wenn wir nicht über eine Ausweitung des Schienenverkehrs sprechen würden. Dass Umbauarbeiten im Straßenraum keinen erfreuen, auch wenn sie später dem Bus- und dem Autoverkehr zu Gute kommen werden, kann ich nachvollziehen. Aber diese Arbeiten sind nun einmal nicht über Nacht zu erledigen.
WB: Konkret: Nach der alten Trassenführung könnte es einen U-Bahn-Halt in Steilshoop, einen am Bramfelder Dorfplatz und am Ende einen am Fahrenkrön geben. Ist diese Trasse noch aktuell oder planen Sie völlig neu?
Elste: Derzeit ist es zu früh, sich mit einzelnen Trassen zu beschäftigen. Zunächst werden wir anhand festgelegter Kriterien die Bedarfe ermitteln. Kriterien für potenzielle Bedarfe sind z.B. Bestandsquartiere ohne Schienenverkehrsanbindung, Flächen für potenzielle Wohnungsneubauten größeren Umfangs, vorhandene oder potenzielle Standorte mit hohem Arbeitsplatzangebot, Entlastungswirkungen auf hochbelasteten Straßenabschnitten sowie stark ausgelasteten Buslinien. Sicherlich werden wir auch auf die alten Planungen schauen. Eine Festlegung fällt aber erst, wenn man alle Varianten überprüft hat.
WB: Was sagen Sie den Menschen, die die Hoffnung auf eine Stadtbahn nicht aufgeben?
Elste: Letztlich muss es das Ziel für Hamburg sein, den Bürgern einen attraktiven Nahverkehr anzubieten. Langfristig gesehen ist die sicherlich teurere U-Bahn die richtige, weil nachhaltigere Entscheidung. Denn die U-Bahn ist deutlich leistungsfähiger als ein Stadtbahn-System. Bei dem Verkehrsaufkommen, das wir auf vielen Verbindungen haben, planen andere Städte wie z.B. München in der Regel den Bau von U-Bahnen. Dahinter sollte auch Hamburg nicht zurückstehen. Es bleibt das leistungsfähigste System, das auch die künftig wachsenden Fahrgastzahlen aufnehmen kann
WB: Wo gucken Sie sich um, wenn Sie für den Nahverkehr in Hamburg Anregungen suchen?
Elste: Auch wenn wir Hamburger in vielen Bereichen Vorreiter in Sachen Nahverkehr sind, schauen wir sehr intensiv weiter nach Verbesserungsmöglichkeiten. In München gibt es ein sehr gut ausgebautes Nahverkehrssystem, Nantes in Frankreich hat ein sehr effektives Bussystem. Münster beispielsweise tut viel für die Verknüpfung Nahverkehr und Fahrrad. Von diesen Erfahrungen können wir nur profitieren – und damit auch Hamburg. (sta)
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2 Kommentare
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C. Maibaum aus Hamm | 16.01.2014 | 10:40  
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J M aus Ahrensburg | 20.01.2014 | 11:43  
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