Hamburg: Orgel-Puzzle in St. Jürgen

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Die Orgel in St. Jürgen mit Orgelbauer Christoph Herz, Kirchenvorsteher Wolfgang Trautmann und Orgelbauer Sebastian Markgraf (v.l.) Foto: Krause

Sanierungsarbeiten beendet. Die 909 Pfeifen erklingen ab nächster Woche

Von Franz-Josef Krause
Hamburg. Vor 38 Jahren erklang zum ersten Mal in der St. Jürgen Kirche eine Orgel, um die es im Vorfeld in der Gemeinde ein hefiges Ringen gegeben hatte. Die Kirche wurde 1938/1939 nach einem Entwurf des Architekten Gerhard Langmaack errichtet. Die damalige Orgel lieferte die renommierte Orgelbaufirma Walker, die unter anderem 1936 für den Zweckverband der Reichsparteitage in Nürnberg die damals größte Orgel Europas mit 220 Registern angefertigt hatte. Während die Orgel in Nürnberg den Bomben zum Opfer fiel, überlebte die kleine Orgel in Langenhorn den Krieg. Im Lauf der Jahre wurde ab 1963 aber klar, dass eine neue Orgel her muss. Die verbauten Materialien waren nicht von bester Qualität. Die Orgelbaufirma Hermann Eule aus Bautzen war 1976 bereit, für rund 78.000 DM eine neue Orgel für St. Jürgen zu bauen. „Ich habe an dieser Orgel seither nur Freude erlebt“, berichtet Kantor Walter Gödecke. Er ist der Mann, der seit dem Heiligen Abend 1956 ununterbrochen in St. Jürgen die Orgel spielt. „Als ich mit 63 Jahren in den Ruhestand ging, habe ich für mich entschieden, die Orgel nicht im Stich zu lassen. Das ist nun 17 Jahre her.“ Bedenken, die Orgel aus dem Osten könnte minderer Qualität sein, haben sich nicht bewahrheitet. 2014 war nun erstmalig eine aufwendige Arbeit notwendig. In sorgfältiger Handarbeit musste viel Staub aus den 909 Pfeifen entfernt werden. Zu diesem Zweck haben zwei Fachleute der inzwischen wieder als Familienbetrieb mit 40 Mitarbeitern wirkenden Hermann Eule Orgelbau GmbH jede einzelne Orgelpfeife demontiert, gereinigt, die Intonation geprüft und wieder eingebaut. Gesamtkosten: 14.000 Euro. „Reparaturen waren nicht fällig“, betont Orgelbauer Christoph Herz (58) stolz. „Schon in der nächsten Woche kann der Wind die Orgel wieder zum Leben erwecken.“ Denn, darauf legen die Herren vom Fach wert – Wind, nicht Luft erzeugt die Töne.
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