Hamburg: Sport oder Kriegsspiel?

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Freizeit-Trend Laser-Tag: Unternehmen will nach Langenhorn. Politiker streiten

Von Bert C. Biehl
Hamburg. Erbsenpistole war gestern. Und heute spielt man auch nicht mehr „Räuber und Gendarm“. Die moderne Technik hat auch das alte Kinderspiel revolutioniert - das amerikanische „Laser-Tag“ (Aussprache: „läiser-täck“) ist eine Variante, die auch in Hamburg immer mehr Anhänger findet. Gezielt, getroffen und gepunktet wird mit Infrarot-Signalgebern, die futuristischen Strahlenwaffen nachempfunden sein können - „Raumschiff Enterprise“ lässt grüßen. Jetzt will eine Firma eine solche „Arena“, wie die Laser-Tag-Anhänger ihren Spielplatz nennen, in Langenhorn errichten. Doch darum gibt es kommunalpolitischen Streit.
Konkret geht es um das brach liegende Gelände im Wittekopsweg 41a. Früher, zur Blütezeit der Tennisvereine, hatte der heutige Sportverein SCALA dort eine riesige Tennisanlage. Zehn Felder, zwei heute bau fällige Hallen. Nach dem Sportverein trainierte hier mal drei Jahre lang die Polizei, dann war die Rettungshundestaffel der Johanniter dort untergebracht. Zuletzt wollte eine Gruppe so genannter „Dirt-Biker“ hier ein Trainingszentrum für tollkühne Salti und Sprünge mit Mountainbikes errichten, doch das Projekt scheiterte an Geldmangel.
Und auch die Nachnutzung durch das Laser-Tag-Unternehmen ist keineswegs gesichert. Denn die Bezirksabgeordneten, die die erforderlichen Umbauten genehmigen müssen, haben gleich zwei Probleme.
Nach Informationen des Wochenblattes wird in den nichtöffentlich tagenden Fachausschüssen einerseits darum gerungen, ob es sich bei Laser-Tag um einen Sport oder um eine gewerbliche Nutzung handelt. Andererseits halten einige Abgeordnete Laser-Tag auch für ein Kriegsspiel. Einer der Kritiker einer Laser-Tag-Anlage am Wittekopsweg ist der Bezirksabgeordnete Rachid Messaoudi (Fraktion Die Linke). „Lasertag ist eine kriegsähnliche Weiterentwicklung des Räuber und Gendarmspiels, wie es Soldaten im Training benutzen, wofür es auch entwickelt wurde“, meint der Abgeordnete. Hier solle inmitten eines Wohngebiets eine Häuserkampf-Trainingsanlage errichtet werden, in der verschiedene Teams gegeneinander anträten. Das sei kein Sport, sondern simulierte Menschenjagd.
Das weisen die Betreiber in spe, Sandro Sachs und Sascha Lückenhausen, energisch zurück: „Laser-Tag ist nicht wie Paintball, es gibt keine Schusswaffen mit Projektilen. In Langenhorn wollen wir eigene Vorstellungen von Laser-Tag umsetzen, es geht nicht darum, dass man hier ballernd durch die Gegend läuft. Unser Spiel ist sportlicher, mehr Teamarbeit ist gefordert.“
Noch kein fester Standort
Das vor zwei Jahren gegründete Unternehmen hat bisher keinen festen Standort. Für die Umsetzung von Laser-Tag-Events, zum Beispiel im Auftrag von Firmen, seien bisher Außengelände in Ahrensburg oder Wilhelmsburg angemietet worden, so Sachs. Er und sein Partner rechnen mit Investitionen in Langenhorn von bis zu 300.000 Euro. Vermieter ist die Sprinkenhof AG. Mit ihr sei man sich bereits einig, so Sachs.
Nach Informationen des Wochenblattes hatte der nichtöffentlich tagende Unterausschuss Bau im April Laser-Tag als Gewerbe und nicht als Sport eingestuft und den Antrag der Firma abgelehnt. Der Hauptausschuss wiederum sah das anders und verwies das Projekt an den Bauausschuss zurück. Auch die Mittelstands-Lotsin der Hamburger Wirtschaftsförderungsgesellschaft hatte sich für das Unternehmen stark gemacht. Beratungstermin im Bauausschus war am vergangenen Montag nach Redaktionsschluss. (bcb)
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