Hamburg: Vorerst kein Gymnasium am Grellkamp

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Erika Woisin aus Langenhorn kämpft seit langem für den Erhalt der Stadtteilschule Langenhorn. Die Vermietung an das private Alsterring-Gymnasium ist vorerst abgewendet

Behörde sagt geplanten Umzug ab. Alsterring-Schule muss in Barmbek bleiben. Doch dort wird der Platz knapp

Langenhorn Wende in Sachen Grellkampschule: Das private Alsterring-Gymnasium wird nicht wie geplant im August in die Räume der auslaufenden Stadtteilschule (STS) einziehen. Das hat Landesschulrat Norbert Rosenboom den STS-Mitarbeitern am 24. Juni auf einer Personalversammlung mitgeteilt.
Nach Informationen des Wochenblattes ließ Rosenboom offen, ob das Gymnasium eventuell ein Jahr später umsiedelt. Die 2008 von türkischen Migranten gegründete Schule nutzt derzeit übergangsweise Räume am Barmbeker Wittenkamp. Die hätten eigentlich im August an die Schulbehörde (BSB) zurückfallen sollen – Eigenbedarf. Doch der habe sich nun anders entwickelt – so zumindest die offizielle Begründung der Behörde. Eigentlich hatte am 30. Juni der Mietvertrag zwischen Alsterring und der Stadt Hamburg unterschrieben werden sollen, sogar einen Plan zur Aufteilung der Räume hatten die Schulleiter schon ausgehandelt.

Massive Proteste

Zufall oder nicht: Der plötzliche Verzicht der BSB auf die Räume am Wittenkamp und die Absage an Alsterring fallen zusammen mit einer Reihe massiver Proteste aus dem Stadtteil Langenhorn. Dort versuchen Bürger, Eltern und einige Kommunalpolitiker seit gut zwei Jahren die Behörde davon zu überzeugen, dass der Standort für eine staatliche Schule am Grellkamp erhalten bleiben müsse, am besten noch mitsamt der Stadtteilschule Langenhorn - die aber laut Schulentwicklungsplan wegen zu geringer Anmeldezahlen ausläuft.
Die geplante Vermietung an die Privatschule hatte zusätzlich Öl ins Feuer gegossen. Sie war bereits mehrfach Gegenstand von Anfragen der Grünen in der Bürgerschaft. Jüngst hatte auch noch die Langenhorner SPD ihrem Schulsenator in dieser Frage die Gefolgschaft verweigert und mit einer Resolution ein Umdenken in der Schulpolitik vor Ort angemahnt. Die aktuelle Entwicklung nimmt hier Druck vom Kessel – sicher günstig in einer Zeit, da auf Bezirksebene Koalitionsverhandlungen mit den Grünen laufen und der Bürgerschafts-Wahlkampf bevorsteht.
Alsterring-Schulleiter Gerd May ist bestürzt: „Landesschulrat Rosenboom hat uns am 23. Juni telefonisch informiert. Wir wurden über Monate hingehalten, und nun soll es plötzlich nicht gehen.“ May machte deutlich, dass es am Wittenkamp zu eng werde: „Wir bekommen im August eine neue 5. Klasse dazu.“ Dann seien es einschließlich der Oberstufe sieben, und es müssten dringend weitere Räume her.
Deutlich erleichtert dagegen ist Svenja Jaeger, Vorsitzende des Elternrates der STS am Grellkamp. Denn die letzten 64 Schüler machen im Sommer 2015 ihren Mittleren Schulabschluss. „Senator Rabe hatte mir in einem persönlichen Gespräch versprochen, dass die Kinder ihre Schulzeit in Ruhe am Grellkamp zu Ende machen können. Das ist jetzt wieder gegeben.“ Der Raumaufteilungsplan zwischen Gymnasium und STS hätte nach ihrer Meinung eine deutliche Einengung der Abschlussklassen zur Folge gehabt.
Der Verzicht der Schulbehörde auf die Räume am Wittenkamp, der jetzt die Wende am Grellkamp brachte, wurde offiziell mit hohen Sanierungskosten begründet. Am Wittenkamp hätte nämlich die Abteilung Krankenhausschule einziehen sollen. Sie unterrichtet Kinder, die aufgrund einer chronischen Krankheit keine reguläre Schule besuchen können. Dafür müsste der Wittenkamp allerdings behindertengerecht ausgebaut werden – und das sei sehr kostspielig, hieß es aus der BSB.
„Das sieht nach einem politischen Beschluss aus“, vermutet Erika Woisin. Die 85-jährige frühere SPD-Bürgerschaftsabgeordnete und Bildungsexpertin hatte im vergangenen Jahr den Freundeskreis der Grellkampschule gegründet. Der kämpft für den Erhalt des Schulstandortes am Grellkamp, weil immer mehr Familien nach Langenhorn ziehen, aber auch immer mehr Flüchtlingskinder dort unterrichtet werden, aktuell rund 100. Woisin hatte sich in der Vergangenheit mehrfach per Brief an Schulsenator Ties Rabe gewandt. „Wir brauchen diese Schule“, sagt die kämpferische Seniorin, „ich freue mich, dass das in der Behörde angekommen ist.“ (bcb)
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