„Iloca“ – made in Langenhorn

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Heidger Juschka sammelt Iloca-Kameras und will jetzt die Firmengeschichte aufschreiben
 
Besonders die Stereo-Kamera (Mitte) war ein gefragtes Modell und Exportschlager

Vom Aufstieg und Fall einer Weltmarke. Sammler sucht Zeitzeugen

Von Klaus Schlichtmann
Langenhorn/Norderstedt. Canon, Nicon, Leica sind heute weltberühmte Namen in der Fotobranche. Vielleicht würde eine frühere Kamera-Fabrik aus Hamburg  heute dazu gehören - wäre sie nicht in den Ruin getrieben worden. „Iloca electric“ war Ende der 50er-Jahre das Spitzenmodell der gleichnamigen Firma, die zunächst in der damaligen Hohen Straße (heute Ferdinand-Beit-Straße) in St. Georg und später in in Langenhorn ihre Werkstätten hatte. „Iloca electronic“ für damals stolze 568 D-Mark war ein Verkaufs- und Exportschlager. Besonders in den USA war dieses Modell gefragt wie zuvor schon die legendären Stereo-Kameras von Iloca. 200 Mitarbeiter sorgten zuletzt für präzise Qualitätsarbeit „Made in Langenhorn“. Mit der Firma an der Essener Straße 93 ging es steil bergauf.

Global Player der 50er

„Heute würde man sagen, sie war auf dem besten Weg zum Globel Player“, sagt Heidger Juschka (73) aus Uhlenhorst, der sich seit Jahrzehnten mit der Firmengeschichte beschäftigt und eine umfangreiche „Iloca“-Sammlung besitzt.
Angefangen hatte alles Ende der 40er-Jahre, als der Hamburger Feinmechaniker August Wilhelm Illing gemeinsam mit knapp 40 Mitarbeitern eine kleine Kamera-Manufaktur im Gebäude einer ehemaligen Käserei in St. Georg gründete. Das erste, einfache Modell, von dem gerade mal zirka 100 Stück gebaut wurden, nannte er sinnigerweise „Ilca“, also Illing-Camera. Dieser Name führte aber zu patentrechtlichen Problemen, sodass die folgenden Modelle den Namen „Iloca“ (Illing Orginal Camera) trugen. Kurz nach der Gründung übernahm der Kaufmann Wilhelm Witt die aufstrebende Kamera-Firma, siedelte nach Langenhorn um und baute die Produktpalette stetig aus. Vor allem der Export in die USA ließ Umsatz und Gewinn des Kamera-Werkes schnell wachsen, die Arbeitsplätze dort waren sicher und begehrt. Auch viele Garstedter arbeiteten dort.
Doch dann kam Anfang 1960 das jähe Aus. Die Fotogehäuse der Ilocawerke waren seinerzeit auf sogenannte vollautomatische Compur-Kameraverschlüsse angewiesen, die Belichtungszeit, Blende und Entfernung regelten.

So kam das Ende

Damals gab es nur zwei Unternehmen in Deutschland, die diese Verschlüsse herstellten - die Firma Deckel in München sowie die Firma Gauthier in Calmbach. Doch beide Zulieferer-Betriebe waren Ende der 50er-Jahre von der Zeiss-Gruppe übernommen worden, die mit ihrer Zeiss Ikon-Kamera und Agfa eigene Konkurrenzmodelle auf dem Markt hatten. Obwohl vertraglich die Lieferung von 3.200 Verschlüssen von der Firma Deckel zugesagt und bestätigt wurde, kam trotz wiederholter Mahnungen nicht ein einziger Verschluss in Langenhorn an. Iloca-Experte Kuschka; „Die Produktion mußte schließlich eingestellt, die Firma aufgelöst werden. 200 Mitarbeiter standen trotz bester Auftragslage auf der Straße.“

Späte Genugtuung

Firmenchef Wilhelm Witt schaltete die Staatsanwaltschaft ein, erstattete Anzeige wegen Diskriminierung beim Bundeskartellamt - zunächst vergeblich. Erst Jahre später bekam er Recht und auch Schadenersatz - aber da war der Zug längst abgefahren, die Firma Iloca in Langenhorn gab es schon lange nicht mehr. Zum 65. Gründungsjahr der Firma sucht Heidger Juschka nun nach Zeitzeugen, die bei Iloca beschäftigt waren. Der Foto-Experte hofft so auf weitere „Insider-Informationen“ über diesen Betrieb.

Kontakt: Tel.: 040/2208729 oder E-Mail jutext@web.de
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