Ist die Eiche noch zu retten?

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„Unglaublich, was hier vorgeht“, empört sich Grünen-Bezirksabgeordnete Carmen Wilckens vor der Eiche. Die Drainagerohre wurden offensichtlich zum Schutz um den Baum gewickelt Fotos: dmhuebsch
 
Die historische Wagner-Kate ist derzeit mit einer Plane verhüllt

Bezirksamt stoppt Baggerarbeiten an der Wagner-Kate. Baum-Gutachten gefordert

Von Daniela Maria Hübsch
Klein Borstel. Wird hier ein historisches Ensemble gerettet oder vor allem eine 300 Jahre alte Eiche geopfert? „Wir sind entsetzt über den Umgang mit dem Denkmalensemble Wagner-Kate in Klein Borstel“, kommentiert die Grünen-Bezirksabgeordnete Carmen Wilckens die Bauarbeiten an der Wellingsbütteler Landstraße. Von der Strasse uneinsehbar hat der Grundstückseigentümer und Bauherr, die FCC GmbH, hier eine Grube ausgehoben. Direkt vor der mehr als 250 Jahre alten Wagner- Kate klafft ein riesiges Loch! Die Grube fällt unmittelbar an den Grundmauern der Kate steil ab, Mauersteine liegen verstreut den Abhang entlang herum. Die Baugrube zieht sich von der Kate bis direkt neben die 300 Jahre alte Eiche, von der mehrere dicke Wurzeln freiliegen.

Verfahren eingeleitet

Nachdem beunruhigte Anwohner das Bezirksamt darüber informiert hatten, verfügte dieses am 21. Juni einen Baustopp - wie sich herausstellte, zu Recht: Denn es gibt für die Grubenarbeiten keine Baugenehmigung. Außerdem laufen bereits zwei Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Bauherrn, und „dem Eigentümer wurde die Auflage erteilt, ein Gutachten zum Zustand der Eiche erstellen zu lassen“, erläutert Egbert Willing, Leiter vom Fachbereich Stadtgrün im Bezirksamt Hamburg-Nord, die ersten Maßnahmen seiner Behörde. Haben sich seine Mitarbeiter die Situation vor Ort angesehen? Willing: „Meine Mitarbeiter prüfen vor Ort, wenn es auf dem Weg liegt und sich einrichten lässt. Sobald Unregelmäßigkeiten beobachtet werden, erhalte ich Nachricht. Bisher liegt mir nichts vor.“ Auf die Kleine Anfrage der Grünen Bezirksabgeordneten Carmen Wilckens bestätigt das Bezirksamt Hamburg-Nord, dass es von Amts wegen nicht geplant ist, die Baustelle zur Überprüfung zu besuchen.

Forderung nach Rückbau

Nun fühlen sich viele Anwohner im Stich gelassen. Sie fordern, dass die Grube zugeschüttet und der alte Zustand des Platzes vor der Kate wieder hergestellt wird.
Zu Beginn dieses Jahres hätte keiner diese dramatische Entwicklung vermutet. Im Gegenteil: Im März gab die Kulturbehörde bekannt, dass die Kate, die „durch 100 Jahre bauliche Vernachlässigung und Leerstand schwer geschädigt“ sei, gerettet werden könne. Das reetgedeckte Fachwerkhaus, benannt nach ihrem ehemaligen Besitzer Wagner, gilt als eines der letzten Zeugnisse der Klein Borsteler bäuerlichen Vergangenheit. Sie stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und war Teil einer Milchwirtschaft. Kultursenatorin Barbara Kisseler damals: „Gemeinsam mit dem Eigentümer hat das Denkmalschutzamt eine für beide Seiten gute und denkmalverträgliche Lösung gefunden. Für Klein Borstel kann so ein wichtiges und prägendes Dokument seiner dörflichen Vergangenheit erhalten bleiben. Dem Eigentümer möchte ich für seinen Einsatz zum Erhalt des Denkmals ausdrücklich danken.“

Platten als Schutz

Doch ob nach der aktuellen Entwicklung noch Grund zum Dank besteht, ist fraglich. Laut Grünen-Politikerin Carmen Wilkens riss ein Kettenbagger knapp drei Monate später die Grube auf. Dabei rangierte das Gerät mit seinen geschätzten 15 bis 17 Tonnen Gewicht immer wieder über den ungeschützten Wurzelbereich der alten Eiche. Am 5. Juli war der beauftragte Baumgutachter vor Ort. Eine Woche später führten Baumpfleger spezielle Vitaltests an der Eiche durch und versorgten die bei den Arbeiten verletzten Wurzeln des Baumes fachmännisch. Über die Baumwurzeln wurden zum Schutz Rindenmulch aufgeschüttet und Eisenplatten verlegt. Bleibt zu hoffen, dass es doch noch einen guten Ausgang für das Klein Borsteler Denkmal
Ensemble gibt. Ob allerdings die Termin-Zielsetzung der Kulturbehörde bleibt, ist fraglich: „Voraussichtlich Ende des Jahres wird die Kate wieder an ihrem alten Platz aufgebaut und bis zum Sommer originalgetreu wieder hergestellt sein“, hieß es im Frühjahr.
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