Jedem sein Kabinett

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Thorsten Schüler, der Leiter des Gymnasiums Hummelsbüttel, steht einer Schule vor, bei der die Mitsprache von Schülern und Eltern Tradition hat. Foto: Krause

Gymnasium Hummelsbüttel auf neuen Wegen

Von Franz-Josef Krause
Hummelsbüttel. Klar,
Angela Merkel hat eines und Schlösser und Klöster haben es fast auch immer. Das Gymnasium Hummelsbüttel hat es nun auch. Die Rede ist vom Kabinett, einem kleinen, abgeschlossenem Raum.

Das Prinzip

Schulleiter Thorsten Schüler erläutert, was es damit auf sich hat. „Wir sind, um es vorweg zu schicken, nicht die Erfinder dieses Systems. Das hat den Vorteil, dass wir die Möglichkeit hatten, vor Einführung von den Erfahrungen anderer Schulen zu profitieren. Wir haben uns unter anderem beim Hamburger Gymnasium Buckhorn kundig gemacht, das mit dem Kabinett-System arbeitet. Selbstverständlich haben wir auch Schüler, Eltern und Lehrer gebeten, ein Votum abzugeben. Nach entsprechenden Informationen waren zwei Drittel für die Einführung des Systems.“
Bei der Neuerung geht es um ein verändertes Nutzungsverhalten der Schulräume. Schulleiter Thorsten Schüler erläutert: „Bisher war es so, dass die Fachlehrer mit nur wenigen Ausnahmen die Schüler in ihren Räumen aufsuchten. Dabei brachten die Lehrer ihre Unterlagen mit. Heute ist es umgekehrt. Jeder Lehrer hat sein ‚Kabinett‘ – sein Fachklassenzimmer, in dem ihm alle notwendigen Unterlagen zur Verfügung stehen. Er ist hier ‚Kabinettschef‘ und die Schüler besuchen ihn dort.“
Eine Veränderung war augenfällig. Die Schüler, nun Gast in den Räumen der Fachlehrer, verhalten sich auch wie Gäste. Sie gehen sorgsamer mit der Einrichtung um, hinterlassen kaum Abfall. Auch die Lehrer, vom lästigen Umziehen innerhalb der Schule befreit, nehmen die Gastgeberrolle ernst, sparen nicht unerheblich Zeit.
Alle profitieren von
der Neuerung
„Das kommt dem Unterricht zugute“, stellt Thorsten Schüler fest, „davon profitieren Schüler und Lehrer.“
Allerdings, das war schon im Kontakt mit dem Gymnasium Buckhorn deutlich geworden, mit dem Wegfall des eigenen Klassenzimmers fehlt ein Rückzugsraum, fehlt Platz für persönliche Sachen der Schüler. Für beides wurde eine Lösung gefunden. Kantine und Bibliothek mit ausreichend Sitzmöglichkeiten laden zum Verweilen ein, und abschließbare Spinde bieten Raum für persönliche Unterlagen und Garderobe.

Praxistest bestanden

Ein anderer Effekt ist eine ‚Durchmischung‘ der Schülerschaft. Durch den Wegfall der Klassenräume ist noch mehr Bewegung in die Schule gekommen. Schüler aller Jahrgangsstufen begegnen sich nun intensiver, nehmen einander mehr wahr als zuvor.
Das neue Nutzungssystem der Schulräume hat nun bereits die ersten 100 Tage im Praxistest hinter sich. Die Resonanz bei den Schülern ist bisher positiv. Auch das Lehrerkollegium erteilt dem Kabinett-System gute Noten. Damit hat es mehr als nur eine Feuertaufe in Hummelsbüttel überstanden.
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