Jenfelds geheimster Park

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Hartmut Hühne (73), der Vorsitzende des Kulturkreises Jenfeld, vor einem der Terrakottareliefs im Tansania-Park. Der Kulturkreis pflegt den Park bis 2014 - aber was ist danach? Foto: Jenssen
 
Das Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg in Afrika gefallenen deutschen Soldaten Foto: je

Tansania-Park nie eröffnet / Ab 2014 Zukunft ungeklärt

Von Martin Jenssen
Jenfeld. Fragt man die angehenden Offiziere, die im Studentenwohnheim an der Wilsonstraße in Jenfeld untergebracht sind, nach dem „Tansania Park“, erntet man meist ein Kopfschütteln. „Wie bitte? Tansania-Park, noch nie gehört!“ Dabei gehen die jungen Soldaten täglich mehrmals an dem „verwunschenen“ Park vorbei, der sich auch „Geschichtspark Tansania-Deutschland“ nennt.
Versteckt liegt der kleine Park am Rande der Wilsonstraße. Ein grüne Oase Jenfelds am Rande es neuen Bebauungsgebiets Jenfelder Au. Der Park mit altem Baumbestand, umgeben von lärmschützenden Büschen, lädt zum Verweilen ein. Für Besucher stehen gemütliche Bänke bereit, auf denen man sich ausruhen könnte. Doch leider, es geht nicht. Der schöne Park hat einen großen Makel. Er ist für die Öffentlichkeit verschlossen.

Reliefs aus der Nazizeit

Riesige Kunstwerke sind es, die die Politiker seit Jahren zögern lässt, den Park der Öffentlichkeit zugänglich zu machen: zwei Askari-Reliefs des Bildhauers Walther von Ruckteschel, die in der Nazi-Zeit entstanden sind. Es sind künstlerische Arbeiten, die sicherlich mit großem Können gefertigt wurden, die den Betrachter von heute allerdings erschaudern lassen. Verherrlicht wird in diesen Kunstwerken das militärische Wirken deutscher Soldaten in Afrika während des Ersten Weltkriegs. Auf einem der Reliefs sind afrikanische Askari-Soldaten abgebildet, die einem deutschen Offizier folgen.
Das andere Relief zeigt afrikanische Träger, die wiederum einem Askari-Soldaten untergeben sind. Scharf und kantig gezeichnete Figuren aus einer Zeit, in der Befehl und Gehorsam größte Bedeutung hatten. Außerdem ist im „Tansania Park“ das Ehrenmal für die Gefallenen im Ersten Weltkrieg aus den ehemaligen afrikanischen Kolonien angesiedelt.
Die Einweihung des Parks war 2003 vorgesehen. Hohe politische Repräsentanten aus Tansania sollten zur Eröffnung kommen. Doch dann gab es in Hamburg Proteste gegen den Park mit „Nazi-Kunst“.
Die Afrikaner stellten ihre Unterstützung für das Projekt ein. So gab es nur eine inoffizielle Eröffnungsfeier. Offiziell ist der Geschichtspark bis heute nicht eingeweiht. Der Streit um das Projekt zieht sich seit Jahren durch die politischen Parteien.
Verwaltet und gepflegt wird der Park seit zehn Jahren vom Kulturkreis Jenfeld. Für die Gartenpflege erhält der Verein jährlich eine finanzielle Unterstützung von rund 3000 Euro von der Kulturbehörde. Interessenten, die eine Führung durch den Park wünschen, können sich unter Tel. 18126555 beim Kulturkreis melden.
Bisher gibt es im Park auf blauen Tafeln in drei Sprachen minimale Erläuterungen zum Ehrenmal und zu den Askari-Reliefs. Ausführlichere Erläuterungen gibt Hartmut Hühne (73), der Vorsitzende des Kulturkreises Jenfeld, wenn er die Führung leitet. In einem Jahr jedoch läuft der Vertrag mit dem Kulturkreis aus. Was wird dann aus dem verwunschenen Park? Klar ist: Es ist an der Zeit, Entscheidungen zu treffen. Das Versteckspiel mit dem Geschichtspark muss aufhören. Ob es dabei ausreicht, die Kunstwerke und das Ehrenmal mit ausführlicheren wissenschaftlichen Erklärungen auszustatten, ist jedoch fraglich.

Wunsch: „Gedenkort“

Der Wunsch des Stadtteilrats Jenfeld ist es, das gesamte Ensemble um die ehemalige Lettow-Vorbeck-Kaserne (Park, Eingangsmauern und Kasernengebäude) zu einem „Gedenkort“ zu erklären. Peter Braasch, Mitglied des Rats: „Das wäre eine wichtige Einrichtung für das multikulturelle Jenfeld, aber auch für die kommenden Bewohner der Jenfelder Au. An diesem Gedenkort könnten sie sich mit der Frage auseinandersetzen: Wo wohne ich eigentlich?“

Geschichte anschaulich machen

So vermessen, ein Museum zu fordern, das sich mit der Zeit der deutschen Kolonialgeschichte befasst, ist der Stadtteilrat Jenfeld nicht. Peter Braasch: „Schön wäre es aber, wenn in einem der alten Kasernengebäude zwei Räume hergerichtet würden, in denen sich die Besucher mit der Geschichte der deutschen
Soldaten in Afrika auseinandersetzen können.
Dort sollte es auch Hinweise geben auf die aus der Nazi-Zeit stammenden Reliefs an den unter Denkmalschutz stehenden Kasernengebäuden. Es sollten Räume sein, die jeder Besucher als „Nachdenkort“ nutzen kann.“ (je)
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