Jugendliche brauchen Freiräume

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Es geht um junge Menschen – nicht nur um etwas Geld. Tiefe persönliche Betroffenheit kam nicht nur in den Worten von Annika Corleis und Georg Abschlag zum Ausdruck. Sie kämpfen für ihren Baui und Jugendkeller– sehen die Einrichtungen als Teile der sozialen Gerechtigkeit im Stadtteil. Foto: Krause

Proteste gegen die Mittelkürzung für die offene Kinder- und Jugendarbeit

Langenhorn. Selten sind sich Politiker aller Parteien so einig – Kinder und Jugendliche bedürfen des besonderen Schutzes und einer optimalen Pflege. Dort, wo Eltern und Schule das nicht allein leisten können, muss die Allgemeinheit Hilfestellung leisten. Auch wenn das Geld kostet. Hier beginnt das Problem. Denn der für Kinder und Jugend in Hamburg zuständige Senator will sparen. Zwar nicht überall, sondern bei der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Senator Scheele dazu: „Die Einführung der ganztägigen Betreuung an Grund- und Stadtteilschulen fordert Veränderungsbereitschaft – bei allen Beteiligten. Und die Angebote zur Veränderung liegen auf dem Tisch: Zum einen das Angebot der Schulen zur Kooperation, zum anderen die Möglichkeit für die Träger, auf das zusätzliche Budget für sozialräumliche Angebote zuzugreifen. Hier stellen wir zusätzliche Mittel in Höhe von 12,1 Millionen Euro zur Verfügung.“ Die Jugendhilfeplanung findet derzeit in den Bezirken statt. Seine Behörde wird diesen Prozess konstruktiv begleiten. Senator Scheele räumt aber ein, dass dennoch Teile der Jugendarbeit Mittelkürzungen hinnehmen sollen: „Wir wollen, dass die offene Kinder- und Jugendarbeit auch weiterhin, neben den Ganztagsschulen, eine wichtige Rolle spielt und dass es – gerade für Jugendliche – die nötigen Freiräume gibt. Die Mittel der offenen Kinder- und Jugendarbeit werden einmalig strukturell um 10 Prozent abgesenkt. 90 Prozent der Einrichtungen werden nicht betroffen sein.“ Dieser optimistischen Auffassung konnte sich bei der letzten Sitzung des Jugendhilfeausschusses der Bezirksversammlung Nord kein Abgeordneter anschließen. Die anwesenden gut 20 Bürger – in der Mehrzahl Mitarbeiter von offenen Kinder- und Jugendeinrichtungen – schon gar nicht. Sie nutzten die Gelegenheit, die Angebote ihrer Einrichtungen vorzustellen und immer wieder die Frage an die Abgeordneten und Verwaltungsvertreter zu stellen „Wollen Sie das in Frage stellen – ist das wirklich Ihr politischer Wille?“ Nein, das wollte keiner der Volksvertreter. Die Opposition erklärte zudem kategorisch, auch „keine konstruktive Mithilfe“ bei einer möglichen Amputation leisten zu wollen. Auch die im Rathaus und somit am Geldhahn entscheidende SPD betonte, gegen die Mittelkürzung zu sein. Leider sei aber die Bezirksfraktion nicht maßgeblich.
Da seien die Bürgerschaftsabgeordneten der SPD gefragt. Die wären, so wurde vermutet, hinter den Kulissen unermüdlich tätig – Ergebnis bisher unbekannt. Eine besonders bemerkenswerte Anregung kam von Martin Badel aus der SPD-Fraktion „Ich wundere mich“ so ließ er die anwesenden Mitarbeiter der offenen Kinder- und Jugendarbeit wissen „dass Sie nicht viel mehr demonstrieren. Erhöhen Sie den Druck!“ Ja, auf wen denn – diese Frage stand sofort im Raum. Sind die SPD-Abgeordneten des Bezirks Nord nicht Frau und Mann genug, auf ihre Kollegen in der Bürgerschaft einzuwirken?
Worum geht es überhaupt – wie viel Geld soll eingespart werden? In ganz Hamburg 3,5 Millionen Euro; der Sparanteil im Bezirk Nord liegt bei 260.000 Euro im Jahr 2013. Ist das viel – ist das wenig? Der Bauspielplatz Tweeltenmoor mit seiner tiergestützten Kinderarbeit und seinem Jugendkeller erhält zurzeit 180.000 Euro aus dem Staatssäckel. Er beschäftigt zwei Erzieher, einen Sozialpädagogen und Honorarkräfte. Ausflüge und Ferienaktionen kosten Geld, Energie muss bezahlt werden und auch die Tiere brauchen mehr als nur freundliche Zuwendung. Würden die Mittel hier um 10 Prozent gekürzt werden, dann hätte das dramatische Auswirkung. Denn da die Zuwendungen seit Jahren nicht gestiegen sind, wurden sie durch die ‚normale‘ Inflation bereits deutlich reduziert. (fjk)
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2 Kommentare
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Elke Noack aus Rahlstedt | 13.06.2012 | 10:10  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 13.06.2012 | 10:11  
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