Jugendpark wird Asyl

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Etwas in die Jahre gekommen und am Rande der Start- und Landebahn des Flughafens: der Jugendpark Foto: fjk

„Fördern & Wohnen“ soll übernehmen. Details in dieser Woche

Von Franz-Josef Krause
Langenhorn. Nach 99 Jahren wechselvoller Geschichte könnte in diesem Jahr im Jugendpark Langenhorn ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. Auch wenn sich die Verantwortlichen noch bedeckt halten, steht der Begegnungsstätte und Jugendherberge zwischen Krohnstieg, Wrangelkoppel und Zeppelinstraße offenbar eine neue Nutzung bevor.
Wie das WochenBlatt erfuhr, ist dem derzeitigen Nutzer der Anlage, dem ‚Hamburger Jugendpark Langenhorn e.V. ‘ von der Stadt zum Herbst gekündigt worden. Der dezentralen Lage geschuldet, zieht es immer weniger Gäste an den Rand des Flughafens. Andererseits besteht in Hamburg großer Bedarf an Unterkünften für Flüchtlinge und Asylbewerber. Durch den gestiegenen Zustrom an Asylbewerbern benötigt ‚Fördern und Wohnen‘, die Hamburger Anstalt öffentlichen Rechts, mehr Raum. Diese staatliche Einrichtung betreibt unter anderem Unterkünfte für Asylbewerber, Aussiedler und Flüchtlinge. Auf politischer Ebene und mit Anwohnern hat es erste Gespräche gegeben, den Jugendpark durch ‚Fördern und Wohnen‘ nutzen zu lassen. Ein weiteres Gespräch mit allen Beteiligten sei für diesen Donnerstag angesetzt, bestätigt Bezirksamtsleiter Harald Rösler. Es besteht Konsens, dass die Bürger in den Entscheidungsfindungsprozess eingebunden werden sollen. Die Bürger sollen „mitgenommen“ werden, heißt es.
In unmittelbarer Umgebung am Jugendparkweg, auf dem früheren ‚Rosenhof‘, unterhält der ‚Landesbetrieb Erziehung und Beratung‘ bereits eine Einrichtung für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge, die ‚Erstversorgung 3 Jugendparkweg‘. Dort hatte es 1914 mit der ‚Klempner- Fachschule‘ begonnen, die damals in Langenhorn Land für die ‚Jugendpflege‘ erwarb. Lehrer, Eltern und Schüler errichteten gemeinsam ein Schullandheim. Es waren vor allen Dingen ‚Gewerbelehrer‘, die die Entwicklung vorantrieben. Der ehemalige Langenhorner Otto Hett bündelte die Aktivitäten der sich ansiedelnden Schulen und gewährleistete so Wachstum und Erhalt des Jugendparks. Weitere Häuser entstanden und Jugendliche aus ganz Hamburg besuchten die etwa 20 Hektar große Anlage. In der Nachkriegszeit war es dann ein privater Trägerverein – der ‚Hamburger Jugendpark Langenhorn e.V.‘ – der den Jugendpark zu einer internationalen Beherbergungs- und Begegnungsstätte ausbaute. Hier nächtigten die Wiener Sängerknaben und die Regensburger Domspatzen. Aber auch Treffen von Jugendlichen aus vielen Nationen, die in zusätzlichen Zelten wohnten, gehörten zum Programm.
Heute bietet die ganzjährig geöffnete ‚Jugendherberge‘ Unterkünfte, Verpflegung und individuelle Betreuung für Jugend- und Reisegruppen aus aller Welt. Ein Jugendherbergsausweis ist nicht erforderlich – die Preise ähneln denen der DJH in Hamburg. Zum 50. Jubiläum des Trägervereins 2002 verwies man stolz auf 38.000 Übernachtungen in der damals 250 Betten zählenden Einrichtung. Heute sind es noch 200 Betten in etlichen Mehrbettzimmern. (fjk)
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