Kulturen zusammenbringen - mit Konzept

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Integration im Klassenzimmer: An 23 Schulen in Hamburg wurden Maßnahmen zur interkulturellen Öffnung gestartet Foto: thinkstock

Wandsbek folgt einstimmig Hamburger Integrations-Kurs. 68 Prozent Migrationshintergrund bei Jugend in Jenfeld

Von Malte Betz
Hamburg. Soviel Einigkeit herrscht selten in den Reihen der Abgeordneten: Linke, Grüne, SPD, FDP und CDU beschlossen auf der jüngsten Sitzung der Bezirksversammlung Wandsbek einen wichtigen Schritt in der Integrationspolitik der Stadt und des Bezirks. Ohne Gegenstimme wurde die Entwicklung eines „Interkulturellen Gesamtkonzepts“ vereinbart. Mit ihm soll das Integrationskonzept Hamburgs vom Februar 2013 umgesetzt werden. Ziel: Das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zu verbessern. „Der gemeinsame Antrag aller in der Bezirksversammlung vertretenden Fraktionen ist ein wichtiges Signal und zeigt, dass wir interkulturelle Vielfalt in Wandsbek als Bereicherung sehen“, freute sich danach Dennis Paustian-Döscher von den Grünen. Carsten Heeder (SPD) sprach von einem „wichtigen Werkzeug“.
Jeder vierte Bewohner Wandsbeks (24,7 Prozent) hat einen Migrationshintergrund. Damit liegt der Bezirk unterhalb des Hamburger Durchschnitts (29 Prozent). Im Bereich der Jugendlichen unter 18 Jahren liegt der Wert in Wandsbek bei 39 Prozent. Statistische Spitzenreiter sind dabei Steilshoop (62,6) und Jenfeld (68,7 Prozent). In ganz Hamburg stieg der Anteil der Bevölkerung unter 18 Jahren mit Migrationshintergrund auf 44,8 Prozent. „Das Thema ist gesellschaftlich und politisch viel zu lange verdrängt worden“, sagt Michael Edele, stellvertretender Direktor der Hamburger Caritas dem Wochenblatt. „Wir haben erst viel zu spät akzeptiert, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist.“ Umso wichtiger seien daher politische Signale. Edele weiter: „Ein Gesamtkonzept der Stadt, und jetzt die Einstimmigkeit in einer Bezirksversammlung dazu, zeigt die politische Bedeutung, die das Thema mittlerweile hat.“ Die Caritas unterhält im Nordosten Hamburgs drei Integrations-Zentren. Edele ist Mitglied im Integrationsbeirat der Stadt, der am Integrationskonzept Hamburgs entscheidend mitwirkte. Das 60-seitige Papier wurde im Februar 2013 vorgestellt und nimmt sich alle Bereiche des sozialen Lebens von Migranten und deren Kindern vor: Frühkindliche Förderung, bessere Abschlussquoten an den Schulen, politische Bildung, stärkere Einbindung in Sportvereine, Förderung interkultureller Begegnungen oder interkulturelle Zusammensetzung von Behördenpersonal sind nur einige der Maßnahmen. Wie vom Landesrechnungshof gefordert, werden erstmals zu jeder Maßnahme konkrete Indikatoren genannt, anhand derer Erfolg oder Misserfolg der Regelung überprüft werden kann. Wichtige Bereiche dieses Masterplans müssen auf Bezirksebene umgesetzt werden. „Es ist nicht so, dass Integrationsarbeit in Wandsbek mit diesem Konzept neu erfunden wird. Vieles von dem, was darin auftaucht, existiert bereits“, erklärt die stellvertretende CDU-Fraktionschefin im Bezirk, Claudia Folkers. Aber so ein umfassender Plan biete die Chance, effizienter zu arbeiten. Ein wichtiger Baustein des Konzepts werde die Koordinierung bestehender Maßnahmen sein, um die Zusammenarbeit und Informationsaustausch der beteiligten Behörden und Träger zu fördern. Ähnlich sieht es Caritas-Mann Edele und ergänzt: „Ob es darüber hinaus allerdings auch Geld für neue Maßnahmen gibt, bezweifele ich.“
Die erste Hürde vor der Entwicklung eines Interkulturellen Konzepts für Wandsbek steht für CDU-Frau Folkers in der Bezirksverwaltung. „Die verwaltungstechnische Vorarbeit wird angesichts des Personalengpasses das erste große Problem werden“, glaubt sie. Nicht viel besser sehe es mit der Datenlage zum Migrationshintergrund aus einzelnen Wohngebieten aus – Zahlen gebe es oft einfach nicht.
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