Langenhorn feiert Villenkolonie

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Gertraude Albertsen inmitten der Siemershöhe-Ausstellung Foto: fjk
 
Die erste Villa der Siedlung Foto: fjk

Edmund Siemers gründete vor über 100 Jahren eine Siedlung und schenkte der Stadt einen Park

Nicht nur heute stellen sich die Superreichen die Frage: „Wohin mit dem Geld?“ Auch Edmund Julius Arnold Siemers (1840-1918), Hamburger Kaufmann, Reeder und Politiker, kannte dieses Problem. Siemers war um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert Großaktionär der Deutsch Amerikanischen Petroleum Gesellschaft geworden. 1904 verkaufte der Hamburger sein Aktienpaket an den Ölmagnaten Rockefeller und dessen Standard Oil Co. Der gewaltige Verkaufserlös musste sicher angelegt werden.

Als Kaufmann mit Weitblick erwarb Siemers riesige Flächen im Norden Hamburgs. Allein in Langenhorn rund 660 Hektar. Als Politiker betrieb Siemers erfolgreich die Anbindung seiner Ländereien an das Netz der Hochbahn, das damals nur bis Ohlsdorf reichte. Angenehmer Nebeneffekt – der Wert seiner günstig erstandenen Ländereien stieg durch die verbesserte Verkehrsanbindung. Der Geschäftsmann, der auch zu den Gründungsvätern des Flughafens gehört, konnte den Baubeginn seiner „Villenkolonie Siemershöhe“ in Langenhorn noch miterleben. Gebaut wurde sie von seiner „Eigenheim-Baugesellschaft Siemershöhe mbH“. Das Unternehmen beschäftigte sich mit „Entwurf, Ausführung und Finanzierung von Landhäusern“, womit im Wesentlichen Typenhäuser gemeint waren. Nicht jedes bis 1936 errichtete Haus entspricht den landläufigen Vorstellungen von einer „Villa“. Deshalb taucht in späteren Beschreibungen der Siedlung häufig das Wort „Gartenstadt“ auf. Auf das erste, 1913 gebaute Haus der Siedlung Ecke Willersweg (damals Heimfelderweg) und Schäferhof, trifft der Begriff „Villa“ durchaus zu. Der Erste Weltkrieg ließ die Bautätigkeit in der Siedlung fast zum Erliegen kommen. Erst 1936 waren die Baulücken im Kerngebiet weitgehend gefüllt. Zielgruppe war der Mittelstand – Lehrer, Beamte und Angestellte.

Arbeiterschaft und Mittelstand


Für die Arbeiterschaft war die Fritz-Schumacher-Siedlung, damals Staatssiedlung genannt, gedacht. Die Arbeiter sollten sich bei Gartenarbeit in frischer Luft erholen. Der Mittelstand dagegen vom Sitzplatz im Garten aus dem „Mädchen“ – denn häufig fanden sich in den Bauplänen „Mädchenzimmer“ - bei der Arbeit zusehen. Mit Heraufziehen der NS-Diktatur und der Machtergreifung der Nazis wurde die unterschiedliche Struktur der beiden großen Siedlungen in Langenhorn überdeutlich. Waren es „Bubenhände“ aus der roten Fritz-Schumacher-Siedlung, so Pastor Tolzien in seiner Predigt am 24. August 1930 zur Einweihung der Ansgarkirche, „die in der Nacht Kirche und Ehrenmal besudelt und auf dem Turm die rote Fahne gesetzt haben,“ so färbte sich die Gartenstadt mit ihren bürgerlichen Bewohnern punktuell braun. Bis zu seinem Tod im Mai 2013 war Peter Schulz, von 1971 bis 1974 Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, der prominenteste Bewohner der Gartenstadt Siemershöhe.

Jubiläumsfeier auf dem Dobenplatz


Weniger prominente, aber wie Schulz von der Wohnlage begeisterte Anwohner der Siemershöhe trafen sich in diesem Jahr, um im Zentrum der Siedlung, auf dem Dobenplatz, eine verspätete Einhundertjahrfeier zu veranstalten. Gertraude Albertsen, die mit weiteren Bewohnern der Gartenstadt Motor des Festes war, konnte sich über gut 200 Besucher freuen. Die frühere Kunsterzieherin lud zusätzlich zu einer Ausstellung über die Siedlung in die Garage ihres Hauses ein.
Ob „Villenkolonie“ oder „Gartenstadt“- die Bewohner lieben ihre Siedlung. Inzwischen macht sich die dritte Generation auf, die schmucken Backsteinhäuser mit den großen Gärten zu erobern. Weit klingende Kinderstimmen sind ein Beleg dafür. Nur die „Mädchen“ zur Betreuung von Nachwuchs und Garten fehlen, obwohl in vielen Wohnzimmern der einstigen „Herrschaft“ noch die Klingelknöpfe für sie erhalten sind. (fjk)
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