Langenhorn ist sauberer

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Katrin Worsch und Torsten Treben leben seit vier Jahren in Langenhorn. Sie brachten mit ihrer Tochter Ronja (9 Monate) die jüngste Teilnehmerin bei ‚Langenhorn räumt auf‘ mitFoto: Krause
 
Antonia, Nele, Svea, Sigi, Luisa und Jasmin (v.li.), die Volleyballspielerinnen von Scala beim Start der Aktion im Franz-Röttel-Park

120 große und kleine Helfer bei Aufräumaktion im Stadtteil

Von Franz-Josef Krause
Langenhorn. Harald Rösler schaute bei seiner kleinen Ansprache im Franz-Röttel-Park besorgt in den dunklen Himmel. Sollte nach dem Schnee im März nun Regen im Juni die Aktion ‚Langenhorn räumt auf‘ erneut behindern? Doch seine Sorge war unbegründet. Standen doch mit Imam Laiq Munier, Pastor Frank-Michael Wessel und Pfarrer Dietmar Wellenbrock gleich drei Männer in der gut 120-köpfigen Müllsammelgemeinde mit besten himmlischen Kontakten vor ihm. Der Regen blieb aus am letzten Sonntag und es wurde sogar fast sonnig. Was ebenfalls ausblieb war eine parteiübergreifende Aktion gegen den Straßenmüll in Langenhorn. Zwar hatte der SPD-Bezirksabgeordnete Gulfam Malik als Initiator versäumt, andere Parteien ausdrücklich einzuladen. Aber dem WochenBlatt und anderen lokalen Medien war klar zu entnehmen, dass es sich nicht um eine Parteiveranstaltung der SPD handelte. Drei Kirchengemeinden, die Ahmadiyya Muslim Gemeinde, Scala und die Freiwillige Feuerwehr – um nur einige zu nennen – hatten das verstanden und waren bereit, an einem Sonntagvormittag sich des Mülls anzunehmen, der „Nicht vom Himmel, sondern aus den Händen von gedankenlosen Mitbürgern gefallen ist“ wie Bezirksamtsleiter Harald Rösler es sehr zurückhaltend formulierte. Doch nicht nur Vereine und Institutionen waren dabei. Ganz ‚normale‘ Bürger hielten es für ihre Bürgerpflicht, in Langenhorn für etwas mehr Sauberkeit zu sorgen. Martin Münch zum Beispiel, der sich um die Einteilung der Gruppen kümmerte. Oder Katrin Worsch und Torsten Trebus, die seit vier Jahren in Langenhorn wohnen.

Sie nutzten die Aktion um ‚ihren‘ Stadtteil zu säubern, den Lebensraum, in dem sich ihre kleine Tochter Ronja (9 Monate) demnächst auf eigenen Beinen wohl fühlen soll. „Es ist nicht zu begreifen“ berichtete das Ehepaar, „was die Menschen alles wegwerfen. Wir waren am Gehlengraben unterwegs. Nicht nur leere große und kleine Schnapsflaschen haben wir gefunden. Sogar Spritzen gehören dort zum Straßenmüll!“ Dennoch fühlen sich die jungen Eltern in Langenhorn sehr wohl Grundsätzlich sei Langenhorn mit seinen Parks und dem Raakmoor ein grüner Stadtteil. Zu den Parks zählt auch der entlang der U-Bahn zwischen Langenhorn Markt und Fuhlsbüttel Nord. Auf dessen Fußballplatz nahe der Tannenwegbrücke kann jedermann spielen – viele tun das auch. Um nicht nur zu berichten, sondern auch praktisch zu helfen, war auch der Wochenblatt-Reporter auf dem idyllisch von Hecken umgebenen Bolzplatz als Müllsammler unterwegs. Erste erstaunliche Erkenntnis – hier müssen sich sehr viele tiefgläubige Christen regelmäßig treffen. Dabei verlieren sie kleine, am Rand leicht gezackte goldene Medaillons mit den christlichen Symbolen Kreuz, Anker und Herz. Auf einem Sportgelände nicht unerwartet, fanden sich die Verpackungen von Energiedrinks und Riegeln. Zwei gewichtige, gut gefüllte Müllsäcke gab der Bolzplatz her – schön, dass nun die Sportler, so lange sie es wollen, müllfrei spielen können.
Was brachte die Premiere von ‚Langenhorn räumt auf‘? Zunächst einmal einen, für die relativ kurze Sammelaktion, beachtlichen Haufen Müll in Säcken. Bei denen, die mitmachten, möglicherweise ein größeres ‚Wir-Gefühl‘. Sie brachte die Erkenntnis, dass an Brennpunkten, wie beispielsweise auf dem Sportplatz, Müllbehälter mit Kippeneinwurf fehlen, die, ganz wichtig, bedarfsflexibel geleert werden. Sie zeigte aber auch, dass die oft beklagte Jugend, junge Menschen wie die Mitglieder der Jugendfeuerwehr oder die Volleyballspielerinnen von Scala, selbstverständlich mit dabei sind, wenn es sinngemäß nach Heinz Erhardt heißt: „Kommt lasset uns eilen, wir wollen dem Müll eine Abfuhr erteilen“... (fjk)
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