Langenhorn: Neue Thesen angeschlagen

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Pastor Oliver Spies (mit Hammer), Joachim Tröstler und Pastorin Bettina Rutz (v.l.) beim symbolischen Thesenanschlag Foto: Krause

Evangelischer Gottesdienst am 31. Oktober in der Broder Hinrick-Kirche

Von Franz-Josef Krause

Auch wenn Martin Luthers Thesenanschlag an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg am 31. Oktober 1517 historisch nicht belegt ist, hat bis heute einen anhaltenden Nachklang. Selbst kirchenferne Menschen bringen die Anschlagslegende irgendwie mit „Evangelisch“ zusammen. Der Theologieprofessor Luther wandte sich damals mit wissenschaftlicher Akribie gegen Ablasshandel, Bußverständnis- und Praxis der „römischen“ Kirche. Seine erste These lautete: „Als unser Herr und Meister Jesus Christus sagte: ‚Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen‘, wollte er, dass das ganze Leben der Glaubenden Buße sei.“ Viel bekannter als die damals lateinisch abgefassten Thesen ist ein anderer Ausspruch Luthers, der immer wieder dann zitiert wird, wenn es gilt, die eigene Meinung zu verteidigen: „Hier stehe ich und kann nicht anders.“ Obwohl die berühmten Worte Martin Luthers Legende sind, fassen sie doch eindrucksvoll die Standhaftigkeit des Mönchs aus Wittenberg zusammen. Vor dem Reichstag in Worms im Jahr 1521 widerruft er seine Thesen gegen den Ablasshandel trotz der drohenden Reichsacht nicht. Luther flieht auf die Wartburg. Mit dem Luther in den Mund gelegten Zitat wollen die evangelischen Gemeinden Langenhorns in einem Gottesdienst nicht nur an die Reformation erinnern, sondern auch die Gegenwart anfragen: Was sind unsere Standpunkte, hinter die wir nicht zurück wollen? Wofür beziehen wir hartnäckig Stellung in unseren Familien und Freundeskreisen, in unseren Kirchen, in der Gesellschaft? Was sind wir bereit für unsere Meinung in Kauf zu nehmen?

Fragen wie diesen wollen sich Pastorin Bettina Rutz und ihre Kollegen Joachim Tröstler und Oliver Spies am Reformationstag annähern. Im Vorfeld haben auch sie drei „Thesen“, Aufforderungen, formuliert und sie symbolisch an die Tür der Broder Hinrick- Kirche geschlagen – ökumenische „Thesen“, denen in Rom niemand widersprechen wird.

Luther und Halloween


Was Luther wohl dazu sagen würde, dass heute der Reformationstag ausgerechnet mit dem ursprünglich irisch katholischem Brauch Halloween zusammenfällt und ihn in der Wahrnehmung inzwischen weit übertrifft? Von Doktor Martinus ist überliefert, dass er bei aller theologischen Strenge ein Mann mit viel Humor war.

Freitag, 31. Oktober, Gottesdienst um 19 Uhr in der Broder Hinrick-Kirche, Tangstedter Landstraße 220
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