Leiden in Langenhorn

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Das Hanseatische Kettenwerk war ein (namentlich) getarnter Rüstungsbetrieb an der Essener Straße. Die letzten Gebäudetrakte wurden 1999 abgerissen. Auf der historischen Aufnahme ist der Eingang zu sehen Foto/Repro: Biehl

Notizen und Zeichnungen zeigen, wie norwegische Häftlinge im Kettenwerk für die Nazis schufteten

Von Bert C. Biehl
Langenhorn
Vom Leiden zeugt heute nur noch ein Gedenkstein. Längst sind die Anlagen des „Hanseatischen Kettenwerks“ (HaK) in der Essener Straße einem Ensemble moderner Gewerbebauten gewichen. Zur Woche des Gedenkens wird nun die braune Vergangenheit des zwischen 1935 und 1945 dort ansässigen Rüstungsbetriebs wieder ans Licht geholt. Am Freitag, 30. Januar, präsentieren Herbert Diercks und Michael Gill, Mitarbeiter der Gedenkstätte Neuengamme, Notizen, Briefe und Zeichnungen norwegischer Gefangener. Sie waren als Zwangsarbeiter im HaK eingesetzt worden. Historiker Diercks war zufällig auf diese Aufzeichnungen gestoßen.

Notizen geschmuggelt


Die historischen Dokumente stammen von dem Redakteur Olav Brunvand und dem Verleger Christian Oftedahl. Die beiden Norweger hatten den Widerstand gegen die Besetzung ihres Landes durch die Nazi-Wehrmacht unterstützt. „Dafür waren sie 1943 im Konzentrationslager (KL) Fuhlsbüttel inhaftiert“, erläutert Diecks.
Sie mussten Zwangsarbeit im Ochsenzoller Kettenwerk verrichten. Während ihrer Haft wurden sie von der Norwegischen Seemannskirche betreut, deren Mitarbeiter die illegalen Aufzeichnungen herausschmuggeln konnten. Gleich nach Kriegsende veröffentlichten Oftedahl und Brunvand ein Büchlein über ihre Zeit im HaK in ihrer Heimat. „Es wurde damals nicht ins Deutsche übersetzt und ist hier quasi unbekannt“, so Diercks.
Nachdem er vor einigen Jahren von der Existenz des Buches erfahren hatte, konnte er sich ein Exemplar antiquarisch besorgen und ließ es übersetzen. (bcb)

Freitag, 30. Januar, 15-17 Uhr, Gemeindehaus St. Jürgen, Eichenkamp 10. Eintritt frei

Info über „Kettenwerk“:
Seit 1934 produzierte die Firma Pötz & Sand in Monheim bei Düsseldorf Granathülsen im Auftrag des Heereswaffenamtes. 1935 waren die Aufträge so angestiegen, dass die Monheimer ein Werk in Hamburg-Langenhorn errichteten, und zwar mit Steuergeldern. Der Name „Kettenwerk“ bemäntelte den wahren Zweck im Rahmen der Wiederaufrüstung durch die Regierung Hitler. Im Verlauf des 2. Weltkriegs hatten die steigende Nachfrage nach den Produkten des Hanseatischen Kettenwerks und die steigende Einberufungen deutscher Facharbeiter zur Folge, dass zur Zwangsarbeit Verschleppte aus den eroberten Gebieten, aber auch Strafgefangene aus dem Konzentrationslagers (KL) Fuhlsbüttel an der Essener Straße Geschosshülsen und Zünder fertigen mussten. Ab September 1944 befand sich ein Frauen-Außenlager des KL Neuengamme auf dem Areal. (bcb)
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