Marie Lippert: Eine weltoffene Hanseatin

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‚Briefe aus dem Matabeleland’ Marie Lippert schreibt ihre Briefe – eine Art Reisetagebuch – an ihre Mutter in Hamburg.
 
Das Haus an der Poppenbüttler Hauptstraße, in dem Marie und Eduard Lippert ein Waisenhaus eingerichtet hatten.

Grab der hochherzigen Hamburgerin verfällt. Förderkreis hofft auf Spenden

Von Franz-Josef-Krause
Ohlsdorf. Ihre Briefe aus dem Matabeleland’ prägten in den ‚guten Stuben‘ des gehobenen Deutschlands das Bild Südrhodesiens, dem damals souveränen Matabele-Königreich im heutigen Simbabwe. Damit trug Marie Lippert, geborene Zacharias, zur Romantisierung Afrikas im ausgehenden 19. Jahrhundert bei. Marie Lippert, 1854 geboren, war mit dem zehn Jahre älteren Hamburger Kaufmann, Finanzier und Politiker Eduard Amandus Lippert verheiratet. Das kinderlose Ehepaar siedelte 1884 nach Afrika über und wohnte zunächst in Pretoria. Von dort zog es nach Barberton, wo Lippert an der Finanzierung von Goldminen beteiligt war.
1890 erkrankte Marie Lippert an Krebs. Kaum erholt, begleitete sie ihren Mann auf einer dreimonatigen Reise, um den Matabele König Lobengula zu besuchen. Maries Briefe von dieser Reise an ihre Mutter brachte Eduard Lippert später als Buch heraus. Anschaulich erzählt die junge Hamburgerin über die kleinen und großen Beschwernisse, über Kontakte mit Menschen auf ihrem Weg. Vieles Ungewohnte empfand Marie Lippert mehr spaßig als beschwerlich. So äußert sie sich über das Schlafen in einem Zelt: „...sehr komisch, man kriecht hinein, so niedrig ist es“. Auf der Fahrt musste die kleine Reisegruppe selbst für ihr Essen sorgen und es im Freien zubereiten. „Kochen im Freien ist auch komisch, man hat nie Zeit und man ist Abends müde, Reis spielt eine große Rolle, das geht so rasch“. Oft saß das Ehepaar mit seinen einheimischen Begleitern am Lagerfeuer. „Unsere Matabele-Führer hatten ein großes Feuer gemacht, dazu der schöne Mondschein, es war wirklich gemütlich. Frisches Fleisch, Brot und Milch sind Luxusartikel, frisches Gemüse und Kartoffeln gibt es gar nicht.“ Marie Lippert passte sich den Gegebenheiten an, war aber froh, wenn ihr eine gewisse Annehmlichkeit geboten wurde: „Man war darauf verfallen, ein Klosett zu bauen und das ist ein außerordentlich angenehmer Luxus! In der Wildnis ist es in Ordnung, aber in einem Camp mit einer Menge von Männern ...“ Die ‚höhere Tochter‘ lernte das Leben in der freien Natur schätzen: „Wundern tue ich mich auch darüber, dass schlechtes Wasser und komisches Essen und Anstrengung einem nichts tut. Es zeigt recht, wie viel natürliches Leben ganz im Freien wert ist und wie verkehrt unser zivilisiertes Leben sein muss“, berichtet sie ihrer Mutter.
1896 kaufte das Ehepaar ein Haus an der Fontenay und das Gut Hohenbuchen in Poppenbüttel und kehrte nach Hamburg zurück. Auf Gut Hohenbuchen ließen Lipperts ein Kindergenesungsheim errichten und am Poppenbüttler Marktplatz ein Erholungsheim für weibliche Ladenangestellte und Telefonistinnen bauen. Zudem ein Säuglingsheim in Groß-Borstel sowie ein Waisenhaus an der Poppenbüttler Hauptstraße. Marie Lippert leitete die Einrichtungen, bis sie 1897 mit 43 Jahren ihrem Krebsleiden erlag. Ihr Grabmonument auf dem Friedhof Ohlsdorf kündet in berührenden Bildern vom uneigennützigen Einsatz der Verstorbenen „Lass mich nicht säumen, dass ich die Zeit nicht ungenutzt verstreichen lasse! Denn niemals werde ich dieses Weges wieder ziehen“ ist dort zu lesen. Lippert gab aber auch eine Skulptur in Auftrag, die als ‚Das Schicksal‘ heute als die ‚grausame Gräfin‘ an anderer Stelle auf Ohlsdorf die Blicke auf sich zieht. Eduard Lippert führte das gemeinsam begonnene Werk fort. Das aus weißem Carrara-Marmor von Martin Haller und Hermann Geißler errichtet Grabmal an der Kreuzung Waldstrasse/Nebenallee bietet inzwischen – obwohl Ehrengrab des Senats – einen traurigen Anblick und muss dringend saniert werden. Der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. versucht, die erforderlichen 10.000 Euro einzuwerben: Kto. Nr. 1031246000 Haspa BLZ 200 505 50
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