Mehr als 500 Stimmen gegen B-Plan

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Anwohner und Politiker tauschten sich über den B-Plan 68 aus. Fotos: Biehl
 
Mit solchen Schildern protestieren Anlieger des Stockflethwegs gegen den Bebauungsplan 68.

Langenhorn-68: Politiker sprachen mit Anliegern

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Wenn Bernd Glathe zur Arbeit fährt, sieht er neuerdings in etlichen Fenstern des Stockflethweges kleine gelbe Schilder mit der Aufschrift „Langenhorn-68“, darüber ein roter Strich wie beim Ortsende-Schild. Eine Protest-Aktion, die dem Geschäftsführer von Auto-Wichert ein Kopfschütteln abnötigt. „Das ist schon komisch“, kommentiert er, „wir planen hier seit 14 Jahren, haben alle Nachbarn immer wieder informiert, aber es hilft nichts.“ Im Dezember hat er die Baugenehmigung bekommen für das Fahrzeugzentrum an der Langenhorner Chaussee. „Wir wollen im April in die Erde“, sagt Glathe. Eigentlich.

Widerspruch

Doch Anwohner haben gegen die erteilte Baugenehmigung Widerspruch eingelegt, einige sogar bei Gericht die aufschiebende Wirkung beantragt. Wenn die Richter zustimmen, kann Bernd Glathe den Baubeginn in den Wind schreiben. „Schade, wir versuchen hier eigentlich nur mit allen Nachbarn in Frieden und Freundschaft zu leben“, sagt der Wichert-Chef. So gesehen müssten sich die Anlieger des Quartiers zwischen Am Ochsenzoll, Stockflethweg und Querpfad mit dem Autohaus gut vertragen. Denn auch sie haben grundsätzlich nichts dagegen, dass Wichert sich erweitert. Nur gegen das, was dort entstehen wird, gegen die möglichen Folgen und gegen die ihrer Meinung nach schlechte Information von Seiten der Politiker, darüber sind sie besorgt. 15 Anlieger haben in der vergangenen Woche den sechs erschienenen Bezirkspolitikern ihre Bedenken vorgetragen. Für die SPD nahmen Bezirksfraktionschef Thomas Domres sowie die Distriktsvorsitzenden Gabi Greguhn und Christian Carstensen teil. Für die Grünen war Carmen Wilckens dabei, für die FDP Axel Kloebe, für die CDU Ortsvereinschef Christian Sowada.

Problem: Bauhöhe

Zentrale Probleme der Anlieger: die vorgesehene Bauhöhe, das integrierte Park&Ride-Haus, die Zunahme von Lärm und Verkehr. Zentraler Vorwurf: „Uns wurde die Möglichkeit genommen, Einfluss zu nehmen“, summierte Lothar Mayring. Die letzte öffentliche Plandiskussion war im Jahr 2000. Seither habe sich der B-Plan 68 noch erheblich verändert. Allerdings: Die Baugenehmigung war Wichert auf der Grundlage des momentan geltenden B-Planes Langenhorn 4 erteilt worden – mit zahlreichen Ausnahmegenehmigungen. Davon fühlen sich die Anlieger überfahren. Plan 4 soll durch Plan 68 abgelöst werden, quasi die Ausnahmen zur Regel machen und außerdem noch anderes regeln, wie zum Beispiel – wie berichtet – die Verbreiterung des „Schleichweges“ Querpfad um drei Meter.
Fast alle haben Anwälte eingeschaltet. „Hier kann man nicht mehr leben“, befürchten Karin und Alfred Spindeldreiher. Die Ein- und Ausfahrt der P&R-Anlage liegt direkt gegenüber ihrem Haus. Jörn Beckmann und Ernst-Georg Kozub sind besonders arg dran: Ihr Haus ist quasi umzingelt von Wichert. Sie wollen gegen die Erteilung der Baugenehmigung klagen, weil sie befürchten, demnächst auf einer Art Verkehrsinsel zu wohnen.

Auflagen

Wichert-Chef Bernd Glathe verweist auf Auflagen zu seiner Baugenehmigung, durch die er sich bei der Verwirklichung seines 30 Millionen-Euro-Projektes eingeschränkt sieht: „Wir müssen bei Bedarf den Betroffenen Schallschutzfenster und Rollläden einbauen. Wir müssen das Parkhaus auf unserem eigenen Gelände bauen, wir müssen einen 720 Meter langen Fußweg vom Ochsenzoll zum Fossberger Moor bauen und beleuchten, die Zuwegung für 40-Tonner-Lkw tauglich machen samt Wendehammer, und im Gebäude müssen Nahversorger untergebracht werden – so etwas gibt es andernorts nicht.“

200 Einwendungen

Dass die Politiker nicht einfach zurückrudern können, machten sie beim Treffen mit den Anwohnern deutlich. Dass aber die bis zum vergangenen Freitag erfolgte B-Plan-Auslegung noch nicht der letzte Stand sei, stellte Carmen Wilckens klar: „Alles, was Sie vorbringen, muss geprüft und bewertet werden. Dann geht der B-Plan wieder in die Ausschüsse.“ Widerreden hat es gegen Langenhorn-68 reichlich gegeben: 433 Unterschriften wurden in der jüngsten Sitzung der Bezirksversammlung übergeben, rund 150 Briefe an die Bezirksabgeordneten geschrieben. Und die Zahl der offiziellen Einwendungen liegt nach Auskunft des Bezirksamtes bei ungefähr 200.
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