Mehr Platz für Flüchtlinge in Hamburg

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Seher Dincer leitet seit Dezember die Unterkunft am Jugendparkweg. Hier leben derzeit 167 Menschen aus 14 Nationen Foto: Biehl
 
Die obere der beiden hellen Flächen zeigt die Lage des Neubau-Gebietes am Jugendpark. Untere Fläche: Dort werden die Bestandsbauten des Jugendparks ersetzt Quelle: BASFI Hamburg

Jugendpark wird ausgebaut. Bald bis zu 350 Asylbewerber in Langenhorn

Von Bert C. Biehl
Hamburg. Der Jugendpark Langenhorn wird in den kommenden Monaten als Flüchtlingsheim massiv ausgebaut. Das geht aus einem behördeninternen Papier hervor, das dem Wochenblatt vorliegt. Auf dem Gelände leben derzeit 167 Menschen aus 14 Nationen. Bereits vor einem Jahr hatte die Bezirksversammlung Nord die Unterbringung von bis zu 220 Flüchtlingen genehmigt. Die neuen Planungen der zuständigen Sozialbehörde (BASFI) gehen aber weiter. Nun sollen bis zu 350 Plätze zur Verfügung gestellt werden. Dafür sind allerdings im großen Umfang Neubauten erforderlich. Hintergrund ist der dramatische Anstieg von Flüchtlingen und Asylbewerbern bundesweit, von denen Hamburg stets ein Kontingent unterbringen muss.

500 Flüchtlinge kommen pro Monat

Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) waren allein im Juli mehr als 16.000 Erst-Anträge auf Asyl eingegangen, rund 75 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Für Hamburg bedeutet das: „Zu Jahresbeginn waren wir noch von 300 Flüchtlingen pro Monat ausgegangen. Mittlerweile liegen wir bei 500“, sagt BASFI-Sprecher Marcel Schweitzer.
Weil die Flüchtlinge schneller kämen als die Behörde feste Unterbringungsmöglichkeiten schaffen könne, würden die meisten zunächst in Zelten einquartiert. Vor diesem Hintergrund sollen auf dem Gelände des Jugendparks insgesamt 16 zweigeschossige Pavillons neu entstehen.

Elf neue Häuser in Holzrahmenbauweise

Im ersten Bauabschnitt werden nördlich der jetzigen Bestandsgebäude elf Häuser in Holzrahmenbauweise errichtet – eines davon für den Sitz der Verwaltung. Sie sollen wie ein „Rundlingsdorf“ um einen Freizeit-Platz herum aufgestellt werden. Um auf das wild bewachsene Naturgelände zu gelangen, wird auch eine Erschließungsstraße angelegt. In einem zweiten Bauabschnitt werden die jetzigen Bestandsgebäude des früheren Jugendparks abgerissen. Dort entstehen dann ebenfalls neue Holzhäuser, fünf an der Zahl.
Grund: „Die viele Jahrzehnte alten Bauten sind ziemlich marode und schlecht ausgestattet“, sagt Unterkunftsleiterin Seher Dincer.
Seher Dincer leitet seit Dezember 2013 für den Heimbetreiber „Fördern und wohnen“ diese Unterkunft. Unter anderem seien die Zimmer – der früheren Nutzung entsprechend – sehr eng und nur mit Etagenbetten ausgestattet, eben alles andere als familiengerecht. Bereits im vergangenen Jahr waren in den Altbauten Umbauarbeiten als notwendig erkannt worden, unter anderem durch Erneuerung von Sanitärbereichen und den Einbau einer Gemeinschaftsküche.
Die Kosten für die Unterbringung werden Hamburgs Haushalt weiter merklich belasten. Am vergangenen Freitag, dem Tag des Sommerfestes im Jugendpark, befasste sich der Haushaltsausschuss der Bürgerschaft mit einer Nachbewilligung in Höhe von rund 300 Millionen Euro – für 2014, wie BASFI-Sprecher Schweitzer erläuterte: „Allein die Investitionskosten pro Platz für einen Flüchtling liegen bei 20.000 Euro.“ Die Baumaßnahme für die neuen Plätze in Langenhorn, die spätestens 2015 zur Verfügung stehen sollen, kostet rund 2,2 Millionen Euro. (bcb)
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