Müllberge: Anwohner machen Ärger Luft

Anzeige
Das Gelände der früheren Deponie Foto: dmh
 
Beate Ottini (2.v.l.) ist Sprecherin der Initiative die von der Umweltbehörde eingeladen wurde Foto: dmh

Bürgerinitiative protestiert in Umweltbehörde gegen Deponie-Erweiterung

Hummelsbüttel. Mit einer zeitweilig hitzigen Debatte gingen die Planungen um die Deponieerweiterung an den Hummelsbüttler Müllbergen (das Wochenblatt berichtete) am vergangenen Freitagnachmittag in die nächste Runde. Die Firmengruppe Eggers will auf vier Hektar Fläche über einen Zeitraum von sieben bis elf Jahren insgesamt 300.000 Kubikmeter Bauschutt und Bodenaushub der Deponieklasse I (leicht kontaminierter Bauschutt) einlagern.
Nachdem Eggers alle notwendigen Unterlagen Ende Juli eingereicht hatte, läuft seit dem 1. August das Planfeststellungsverfahren. Am 20. August folgen die öffentliche Bekanntmachung und eine Woche später werden die amtlichen Unterlagen ausgelegt.
Sechs Wochen Frist
Ab diesem Zeitpunkt haben die von den Erweiterungsplänen unmittelbar Betroffenen eine sechswöchige Frist für Einwendungen.
Am vergangenen Freitag hatte die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) die Anlieger, vertreten von der Interessengemeinschaft Grüne Zukunft für die Hummelsbüttler Müllberge (IgHM), zu einem Informationsgespräch eingeladen. Andreas Fink, Leiter des Fachreferats Abfallwirtschaft und Dr. Heribert Dernbach, zuständig für die Genehmigung von Entsorgungsanlagen, hatten bis zum Schluss der rund zweistündigen Veranstaltung ihre liebe Not, die etwa 40 aufgebrachten Anwesenden zu beruhigen.
Gutachten
Aus dem Auditorium kamen Zwischenrufe wie „Seit elf Jahren werden wir verschaukelt“ oder „Klammheimlich sollen vollendete Tatsachen geschaffen werden!“. Sie warfen ein Schlaglicht auf die gereizte Stimmung unter den Beteiligten. Kein Wunder. Den Betroffenen klingt bis heute das amtliche Versprechen von 1986 in den Ohren. Der damaligen Umweltbehörde lag die unmissverständliche Empfehlung eines alarmierenden Umweltgutachtens zu den Hummelsbüttler Müllbergen vor. Nie wieder sollte an dieser mit Giftstoffen belasteten Deponie gerührt werden, hieß es damals als Konsequenz von Behördenseite.
Die Deponie wurde mit Bauschutt verfüllt, zum Landschaftsschutzgebiet (LSG) erklärt und der Natur zurück gegeben. Das Wasser der ersten Grundwasserschicht ist bis heute belastet, was regelmäßige Gewässerproben bestätigen.
Kopfschütteln bei der IgHM und den Betroffenen, als die BSU-Vertreter in ihrer Veranstaltung argumentieren: „ Das 1986er Umweltgutachten muss aus der heutigen Sicht bewertet werden“ und damit das von Eggers vorgelegte Umweltgutachten in den Vordergrund rücken. Von dem nicht veröffentlichen Gutachten gibt es eine Zusammenfassung der BSU, die am Freitag verteilt wurde. Auf die Altdeponie wird darin nicht weiter eingegangen. Ob die BSU im Zuge des Planfeststellungsverfahrens ein Gegengutachten in Auftrag gibt, will Dr. Heribert Dernbach nicht fest zusagen: „Das kann sein, hängt jedoch von unserer Umweltverträglichkeits-Prüfung ab.“
Die IgHM hat inzwischen einen offenen Brief an Jutta Blankau, Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt, verfasst. Hierin kritisiert sie das Vorgehen der Behörde, die bereits nach dem ersten Eggerschen Entwurf zur Deponieerweiterung 2002 die weitere Planungsentwicklung aktiv vorangetrieben habe. Das betreffende Grundstück sei 2004 einfach wieder aus der LSG herausgenommen worden. Die IgHM fordert die Prüfung der Altdeponie auf Sanierungsbedarf, ein umweltverträgliches Sanierungskonzept, Wiederaufnahme der geplanten Deponiefläche als LSG und eine Absage an zukünftige Deponiepläne. BI-Sprecherin Beate Ottini: „Für die Betroffenen ist es nahezu unmöglich, die Unterlagen binnen sechs Wochen zu prüfen. Wir hätten schon vor elf Jahren einbezogen werden müssen.“ (dmh)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige