Nachbarschaft aufleben lassen

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Ein kleiner Teil der Gruppe: (von links) Jutta Kuhlmann, Irene Hoffmann, Leiterin des Hauses „treffpunkt.fuhlsbüttel“, Sylke Schramm, Inge Meister und Ingrid Samson. Fotos: sl
 
Ingrid Samson von der Seniorenbildung Hamburg unterstützt und moderiert die Nachbarschaftsgruppe.

NASE: Bürger gestalten den Stadtteil

Von Sylvana Lublow
Fuhlsbüttel. Gegenseitige Hilfe, Geselligkeit, den Stadtteil neu entdecken, Missstände diskutieren und lösen: Diese Dinge stehen ganz oben auf der Liste der neu gegründeten Nachbarschaftsgruppe in Fuhlsbüttel. Seit dem 28. März treffen sich Fuhlsbüttler Senioren regelmäßig alle zwei Wochen im „treffpunkt.fuhlsbüttel“, Erkampsweg 8.
Der Verein I.K.A.R.U.S., das Seniorenbüro Hamburg und die Seniorenbildung Hamburg haben den Auftrag, Stadtteil-nahe Gruppen zu organisieren, die ihre Belange selbst in die Hand nehmen wollen. Dieses Hamburg-weite Projekt nennt sich NASE (Nachbarschaftlich Selbstorganisiert) und hat zum Ziel, nachbarschaftliches Miteinander im Stadtteil zu fördern. Ingrid Samson von der Seniorenbildung und Sylke Schramm von I.K.A.R.U.S leiten und moderieren die Gruppe in Fuhlsbüttel. „Wir arbeiten darauf hin, irgendwann überflüssig zu sein“, sagt Ingrid Samson. Doch vorerst unterstützen die beiden Frauen die Gruppe in der Themenfindung und Umsetzung. „Viele Menschen hatten aus beruflichen und familiären Gründen nie Zeit für Nachbarschaft“, sagt Samson. Dabei sei es gerade im Alter wichtig, einer Gemeinschaft anzugehören, die sich gegenseitig hilft und mit der man Freizeit verbringen kann.
Etwa 13 Menschen haben sich bereits gefunden und nehmen an den Nachbarschaftstreffen teil. Inge Meister ist erst später dazugestoßen. Die 75-Jährige lebt seit ihrer Geburt in Fuhlsbüttel, im Haus ihrer Großeltern. „Ich bin in die Gruppe gekommen, um etwas aus dem Stadtteil zu erfahren. Man hört ja so wenig und weiß nicht mal, was im Haus nebenan passiert“, erklärt sie. Vor Kurzem noch habe sie sich darüber gefreut, dass eine Familie mit kleinen Kindern in die Straße gezogen ist. „Aber die sieht man ja nie, weil die Mutter arbeitet und die Kinder in die Kita gehen“, bedauert sie. Gerne würde Ingrid Meister auch mal aushelfen bei der Kinderbetreuung. „Früher hatten wir in der Nachbarschaft eine Lieblings-Oma, Oma Lau. Zu der sind alle Kinder gerne gegangen, weil sie so nett war zu uns“, erinnert sich die Seniorin. So etwas gebe es heute leider nicht mehr.
Die ersten Themen der neuen Nachbarschaftsgruppe wurden schon gesammelt. Jeder hatte Vorschläge gemacht: Gemeinsam den Stadtteil entdecken, zum Beispiel unter dem Motto: Ich zeig dir meinen Lieblingsort. „Wir wollen auch Institutionen vor Ort besuchen, uns vorstellen und vielleicht unsere Hilfe anbieten“, sagt Sylke Schramm. Das „Zaubertheater“ in der Rötgenstraße steht auch auf dem Programm. Außerdem möchte die Gruppe etwas mit Kindern machen und gehbehinderten Menschen beim Einkauf behilflich sein.
Aber auch auf der politischen Ebene will sich die Gruppe einbringen. Dazu sammelten sie Punkte, die in ihrem Stadtteil negativ auffallen. Zum Beispiel das Fehlen einer Poststelle, die vielen Schlaglöcher auf den Straßen oder die Bushaltestelle am Erdkampsweg, die keinen unterstand und kaum Platz zum warten bietet. Zum vorletzten Treffen lud die Gruppe deshalb den Leiter des Polizei-Kommissariats 34, Burkhard Rüland ein. „Wir konnten ihm Fragen stellen und sagen, was uns nicht gefällt“, sagt Jutta Kuhlmann, die nicht nur von Anfang dabei ist, sondern die Gruppe mit initiiert hat. Die 68-Jährige schwärmt: „Der Polizeibeamte konnte uns viele Informationen geben und hat unsere Beschwerden ernst genommen. Wenn so alle von der Polizei wären... .“
Die Gruppe möchte wieder mehr Lebendigkeit in die Nachbarschaft bringen. Dazu gehören auch jüngere Anwohner. „Auch wenn die Gruppe eigentlich für Senioren gedacht ist, ist sie für alle offen, die sich für ihren Stadtteil interessieren“, sagt Ingrid Samson.

Das nächste Treffen findet am Mittwoch den 6. Juni von 16 bis 18 Uhr statt
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