Neues EKZ in Hamburg-Langenhorn wohl ab 2017

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Ein Modell des Einkaufszentrums Langenhorner Markt: Die umrandete Fläche zeigt den geplanten NeubauFotos: Krause
 
Martin E. Schaer ist Geschäftsführer der Matrix, der das EKZ gehört
 
Das Einkaufszentrum Langenhorner Markt wurde im April 1965 eingeweiht. Nachdem 1992 ein Großfeuer die ursprüngliche Ladenzeile links im Bild zerstört hatte, wurde der jetzige verklinkerte Bau errichtet. Die Zeile rechts stammt noch aus der Anfangszeit und soll demnächst abgerissen werden Foto: Krause

Besitzer des Einkaufszentrums stellt erstmals seine Pläne vor

Von Franz-Josef Krause
Hamburg. Das Einkaufszentrum (EKZ) Langenhorner Markt hat mit der Matrix Immobilien GmbH im Frühjahr einen neuen Besitzer bekommen. Wie geht es nun weiter mit dem Geschäftsstandort? Das gut elf Jahre tätige Unternehmen sagt von sich: „Immobilien zu entwickeln ist unsere Leidenschaft. Urbane Räume zu kreieren oder ihnen wieder zu neuem Glanz zu verhelfen, gilt unsere ganze Kraft. Etwas Bleibendes zu erschaffen motiviert uns jeden Tag von neuem.“ Martin E. Schaer, einer von zwei Matrix-Geschäftsführern, stellte jetzt auf dem Quartiersforum und in einem Wochenblatt-Interviev erstmals öffentlich seine Visionen für das 1965 eröffnete Einkaufszentrum vor.

WB: Matrix hat ein ganz offensichtlich notleidendes Objekt gekauft, das mit erheblichen Problemen zu kämpfen hat. Haben Sie Rumpelstilzchen im Team, das aus Stroh Gold weben kann?
Matrix: (lacht) Das ist nicht nötig! Aus unserer Sicht handelt es sich bei dem Objekt um einen Rohdiamanten, der nur richtig geschliffen werden muss.

WB: Matrix ist kein Neuling im Markt – die Gasperi-Passage in Norderstedt und das Saturngebäude an der Mönckebergstraße sind nur einige Ihrer Projekte. Was hat Sie bewogen, am Langenhorner Markt einzusteigen?
Matrix: Die Lage des EKZ ist außergewöhnlich gut. Es ist sowohl mit dem öffentlichen Nahverkehr als auch zu Fuß oder mit dem PKW hervorragend zu erreichen. Zusätzlich ein Wochenmarkt mit einem ganz besonderen Einkaufserlebnis. Der Krohnstieg ist eine der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt, auf der täglich viele tausend Pkw fahren. Fast alle fahren nur vorbei. Um das zu ändern, fehlt dreierlei: Eine Öffnung zur Straße hin mit Signalwirkung, große moderne Verkaufsflächen und ein Parkplatzangebot, das nicht nur von Insidern gefunden werden kann.

WB: Wenn Sie Ihre bisherigen Projekte betrachten – welches ist Ihrem Engagement in Langenhorn am ähnlichsten?
Matrix: Direkte Vergleiche sind schwierig, da wir unsere Projekte maßgeschneidert den örtlichen Gegebenheiten anpassen. In welche Richtung es hier gehen könnte, ist aber zum Beispiel bei der von uns realisierten „Marktplatz Galerie“ in Bramfeld zu sehen.

WB: Sie differenzieren zwischen Einkaufszentrum und Quartierszentrum. Warum ist das „Einkaufszentrum Langenhorn Markt“ für Sie ein Quartierszentrum?
Matrix: In Langenhorn – und da hatte das EKZ eine Vorreiterrolle – gab es von Beginn an neben den Ladenzeilen Ärzte, Büros und andere Dienstleister, die Publikumsverkehr auf die Fläche ziehen. Dafür ist heute die Post ein gutes Beispiel. So entsteht ein Zentrum im Quartier – ein Quartierszentrum.

WB: Sie haben die Schaufenster der leer stehenden Geschäfte nett dekorieren lassen. Da ist zu lesen: „2015 wird’s was geben“. Was konkret wird es 2015 geben?
Matrix: Unser Plan ist es, beide Segmente der nördlichen EKZ-Zeile abzubrechen und durch Neubauten zu ersetzen. Ob das in einem oder zwei Abschnitten erfolgen wird, ist noch offen. Zusätzlich wird das heutige Gebäude mit dem „Netto Markt“ einer großzügigen Tiefgarageneinfahrt und einer einladenden Sichtachse in das neue Quartierszentrum weichen müssen. Die Überdachung der Freifläche bleibt erhalten. Weichen sollen ebenfalls die Parkplätze auf der Rückseite zum Eberhofweg. Hier ist eine Bebauung bis zur zulässigen Grenze geplant. Dabei werden ca. 180 neue Tiefgaragenplätze entstehen.

WB: Wann sollen die Arbeiten beginnen – wann abgeschlossen sein?
Matrix: Das Bauvorbescheid-Verfahren läuft. Daran hängt die weitere Ablauf-Planung. Wir rechnen aus heutiger Sicht mit einem Baubeginn Ende 2015. Sollte ein früherer Start möglich sein, sind wir auch darauf eingestellt. Die Bauzeit dürfte zwischen 18 bis 24 Monaten liegen.

WB: Der Bebauungsplan lässt einige Optionen zu. Planen Sie neben Geschäften auch Büros – Stichwort: Verlagerung des Kundenzentrums Fuhlsbüttel – und Wohnungen? Wenn Wohnungen: Sozialwohnungen oder frei finanziert?
Matrix: Im Augenblick prüfen wir mit Verwaltung und Politik alle Optionen einschließlich des Wohnungsbaus. Die in unserem Modell vorgestellte Variante ist die mit drei auf die zweigeschossige Ladenzeile aufgesetzten „Wohntürmen“. Die Türme selbst sind dreigeschossig mit Staffelgeschoß. Jeder Turm könnte je 40 bis 60 Wohneinheiten mit Wohnraumangeboten von 35m? bis 75 m? haben. Ein Angebot, das besonders die Menschen anspricht, die ein urbanes Wohnumfeld suchen. Verdichtetes Wohnen, wie es etwa die HafenCity bietet. Allerdings, Wohnungsbau hat einen erheblichen Einfluss auf die Kosten des Projekts. Hier müssen noch weitergehende Überlegungen angestellt werden. Eigentumswohnungen sind nicht angedacht.

WB: Welche Ladenmieter haben Sie im Auge oder schon „an der Angel“ – welchen Käuferkreis soll der „neue“ Langenhorner Markt ansprechen? Setzten Sie auf Ketten oder inhabergeführten Einzelhandel?
Matrix: Wir führen in alle Richtungen Gespräche. Unser Ziel ist es, einen attraktiven Branchenmix anbieten zu können. Ob Geschäfte einer Kette oder inhabergeführter Einzelhandel – beides hat seinen Stellenwert. Auch wichtig: das Angebot muss sich an der Kaufkraft und den Bedürfnissen der Kunden orientieren.

WB: Was ist mit den Bestandsmietern der abzubrechenden Gebäude in der Bauphase und danach?
Matrix: Für sie werden individuelle Lösungen erarbeitet. Ziel ist, sie im Quartier zu halten.

WB: Einige bisherige gewerbliche Mieter fühlten sich zwischen Kaufland und Marktkauf „zerrieben“. Welche neuen Impulse erwarten Sie?
Matrix: Mit der gemeinsamen Dachmarke hat es erste Bemühungen gegeben, die Attraktivität auch des Einkaufzentrums zu steigern. Dennoch – dem EKZ hat es bisher an Strahlkraft gefehlt. Kleine Schildchen und eine zur Straße hin abweisende Fassade mit engem Zugang; eher ein Schlupfloch als eine gut erkennbare Tiefgarageneinfahrt. Es gibt, außer zur gezielten Bedarfsdeckung / Dienstleitung, keinen Grund, das EKZ zu besuchen. Unter dem Stichwort „Open Mall“, einer offenen Einkaufs- und Dienstleistungsmeile, wollen wird nicht nur das Gesicht, sondern auch die Ausrichtung des neuen Langenhorner Quartierszentrums ändern. Selbstverständlich gehört Gastronomie mit in unser Konzept. Projekte, die wir erfolgreich abgeschlossen haben, beweisen dass eine Revitalisierung möglich ist.
Und Langenhorn bietet die besten Voraussetzungen dafür. Wir haben uns gründlich mit dem Umfeld beschäftigt. Auch wenn zurzeit noch einige Parameter ungünstig erscheinen – die Entwicklung in angrenzenden Stadtteilen zeigt in eine sehr positive Richtung, von der auch Langenhorn nicht ausgenommen sein wird.

WB: Geld in diesen Tagen „billig“ – stemmt Matrix die Investition allein oder gibt es weitere Partner die genannt werden können?
Matrix: Matrix arbeitet immer mit Partnern zusammen.

WB: Werden Sie das Quartierszentrum selbst betreiben?
Matrix: Wir sind Immobilienentwickler. Wir schleifen den Rohdiamanten und reanimieren erfolgreich Einkaufsimmobilien. (fjk)

Umfeld-Daten des EKZ Langenhorn:
In Langenhorn leben fast 42.000 Einwohner - rund 14,5 Prozent der Bevölkerung des Bezirks Nord. Das einkommensteuerpflichtige Einkommen macht in der Höhe aber nur 9,5 Prozent des Bezirks aus. Mit im Schnitt 28.562 Euro pro Jahr je Veranlagungsfall (2010) liegt Langenhorn 26 Prozent unter dem Durchschnitt des Bezirks und 20 Prozent unter dem Durchschnitt Hamburgs. Der Anteil von 65-Jährigen und älteren ist mit 21,2 Prozent deutlich über dem Schnitt im Bezirk und in Hamburg. Der Anteil der Sozialwohnungen in Langenhorn ist mit 11,9 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im Bezirk Nord. (fjk)
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