Ob es so oder so oder anders kommt

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Nur auf Cartoons sitzen Wetterfrösche immer ganz oben – so wie der von der jungen Leipziger Illustratorin Josephine Mark extra für diesen Artikel gezeichnete Weihnachts-Wetterfrosch.
 
Und hier liegt Hamburg. Andrea Riede vom Deutschen Wetterdienst erläutert dem Besucher das aktuelle Wetter. Das macht auch Weihnachten keine Pause. Am Heiligen Abend hat Riede Frühschicht. Foto: Krause

Ein weihnachtlicher Besuch bei den Wetterfröschen am Flughafen

Fuhlsbüttel. Das weiß doch jedes Kind. Wenn der Wetterfrosch ganz oben auf seiner Leiter sitzt, dann sagt er schönes Wetter voraus. Der Deutsche Wetterdienst sitzt am Flughafen im obersten Stockwerk. Ist er da nicht geradezu verpflichtet, immer gutes Wetter vorauszusagen? „Das wäre einfach zu schön, täte uns das Wetter den Gefallen“, erklärt lachend Andrea Riede, eine von den 16 ‚Wetterfröschen‘, die hier im Dreischichtbetrieb tätig sind, „wir würden dann vermutlich schnell wegrationalisiert werden. Doch was ist ‚gutes‘ Wetter? Da gehen die Vorstellungen doch recht weit auseinander!“ Das WochenBlatt hat sich beim Deutschen Wetterdienst (DWD) eingeladen, um ihm für eine kurze Zeit über die Schulter zu sehen. „Kommen Sie zum Schichtwechsel, dann kann ich mich um Sie besser kümmern“, hatte die Meteorologin gesagt. Klar, der Flugverkehr hat hier Vorrang. Fünf Luftfahrtberatungszentralen betreibt der Wetterdienst in Deutschland: In Hamburg, Berlin, Essen, Frankfurt und München. Die Hauptaufgabe des DWD ist es, vor wetterbedingten Gefahren zu warnen sowie das Klima in Deutschland zu überwachen, zu dokumentieren und seine Veränderungen zu bewerten. Der Deutsche Wetterdienst ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Wie kommt man darauf, sich für den Beruf des Meteorologen zu interessieren – hat man da schon als Kind eifrig die Niederschlagsmengen im Garten gemessen?
„Fast – in der Schule fand ich Physik und das Thema Wetter richtig spannend“ berichtet die aus Nordhessen stammende Langenhornerin „ausschlaggebend war der Hinweis meines Vaters auf einen Zeitungsartikel mit der Überschrift ‚Studieren mit festen Bezügen‘ Das fand nicht nur mein Vater gut.“

Schichtbetrieb

Die Ausbildung führte Andrea Riede über Köln, Langen, Fürstenfeldbruck und Offenbach. Hamburg, das war ihr Traumziel – seit 1991 ‚macht‘ sie hier das Wetter. Im Schichtbetrieb. Das heißt im Sommer Dienstantritt morgens um 5.30 Uhr – im Winter eine halbe Stunde später. Apropos Uhr. Beim Wetterdienst gehen am Flughafen die Uhren anders. Hier dreht sich alles um die UTC-Zeit. Diese ‚Weltzeit‘ oder ‚Universal Time Coordinated‘ wurde als Ersatz für die Greenwich Mean Time (GMT) eingeführt. In Deutschland haben wir UTC plus 1 Stunde - wenn es also 13 Uhr UTC ist, dann ist es in Deutschland 14 Uhr. Während der Sommerzeit müssen zwei Stunden zur UTC-Angabe dazuzählt werden. Teilzeit, das war für die Meteorologin und Mutter von 11jährigen Zwillingstöchtern ein wichtiger Aspekt „Ich bin dankbar, dass es möglich ist, beim Wetterdienst sehr flexibel die Arbeitszeit zu gestalten“ berichtet Riede, die inzwischen wieder mit 25 Wochenstunden im mit Männern und Frauen paritätisch besetzten Team des DWDs arbeitet. Die Tätigkeit ist verantwortungsvoll, denn hier werden nicht nur Wetterdaten verwaltet, sondern hier geht es um Sicherheit. Über den Tower erhalten die Piloten der Linienmaschinen aktuelle Informationen – Bundes- und Landespolizei, Rettungs- und Privatflieger sind zwingend auf Daten des DWDs angewiesen. Als das Tief ‚Emma‘ am 1. März 2008 auch über Hamburg tobte, hatte Andrea Riede Dienst. Solche Tage erfordern höchste Konzentration. „Kurzfristige Wettervorhersagen sind heute dank Computerunterstützung sehr präzisere möglich.

Das Wetter zu Weihnachten?

Nach wie vor ist es aber problematisch, Hagel- oder Schneefall genau in Vorwege zu lokalisieren“ ist zu erfahren „das ist besonders für den Schnee- und Eisdienst am Flughafen wichtig. Hier geht es um Kosten und Personal, das rechtzeitig eingesetzt werden muss.“ Entspannung findet Riede in der Musik. Seit ihrem 6. Lebensjahr spielt sie Klavier, in einer Kirche in Langenhorn auch die Orgel. Und musikalisch, da findet sich auch Trost, wenn trotz positiver Prognosen das Wetter wieder einmal zeigt, dass es ein Naturprodukt ist. Denn als Andrea Riede, die Meteorologin vom Hamburger Flughafen, zarte zwei Jahre alt war, da trällerte Lena Valeitis erstmalig ganz unbekümmert:
„Ob es so oder so oder anders kommt, so wie es kommt, so ist es recht. Es kommt sowieso nie so wie man es gerne möcht‘.“
Hier aber, für alle, die es schon heute (fast) ganz genau wissen möchten, die ultimative Schnee-Wettervorhersage für die Weihnachtsfeiertage:
Der Weihnachts-Wetterfrosch tut sich ein Woche vor dem Fest noch sehr schwer mit der Entscheidung, ob er auf der Leiter hoch- oder runterklettern soll. Deshalb muss er sich bei der Frage nach Schnee zu Weihnachten ziemlich herausreden. Immerhin wagt er diese Formulierung: Die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten in Hamburg ist zurzeit mit deutlich unter 40 Prozent anzugeben. Im Osten Deutschlands ist sie tendenziell höher als im Westen des Landes und steigt zum 26. beziehungsweise 27. Dezember an. Es schadet aber nichts, bei Temperaturen leicht über Null eine Mütze zu tragen. Die wärmt nicht nur, sondern putzt ungemein! Das Hamburger WochenBlatt wünscht allen Lesen und
Inserenten ein fröhliches Weihnachtsfest. So schön weiße Weihnachten auch wären – das Wetter ist nicht alles. Einfach wie Lena Valeitis trällern „Ob
es so oder so oder anders kommt, so wie es kommt so ist es recht.“ (fjk)
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