Ostermarsch-Urgestein singt wieder

So sah die Band „College Group“ bei einem ihrer vielen Auftritte 1960 aus. Uwe Levien sitzt am Schlagzeug Foto: sl

Uwe Levien: Am 9. September live auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Langenhorn. Seit 2008 hat Uwe Levien nicht mehr vor Publikum gesungen. Jetzt möchte er es erneut wagen. „René Senenko von der Willy-Bredel-Gesellschaft hat mich gefragt, ob ich nicht auf einer ihrer Veranstaltungen spielen würde. Da habe ich Lust bekommen und zugesagt“, erzählt der 71-jährige Langenhorner. Seit einigen Wochen probt er im „Grünen Saal“ in Ohlsdorf. „Langsam kommt meine Stimme wieder. Ich habe ja lange pausiert.“ Als Kriegsgegner sei es ihm ein Bedürfnis auf Veranstaltungen wie einer Gedenksteineinweihung eines Kriegsopfers zu spielen.
Uwe Levien hat schon in jungen Jahren gegen den Krieg musiziert. Mit seiner Band „Skiffles College Group“, spielte er 1960 als Schlagzeuger und Sänger beim ersten deutschen Ostermarsch, der damals vier Tage lang Richtung Lüneburger Heide ging. Der Marsch richtete sich damals gegen einen drohenden Atomkrieg. Die „College Group“ spielte amerikanische Songs, Gospels, Spirituals und Rock und findet sogar eine Erwähnung in Jörg Berlins Buch „Das andere Hamburg“. Vier Jahre lang trat die Band in verschiedenen Städten auf – und sogar bis 1962 in der damaligen DDR.
„Die haben sich immer sehr gefreut, wenn wir Rockmusik gespielt haben.“ Irgendwann war das jedoch verboten. In Hamburg spielte seine Band auch im „Top Ten“ als Vorgruppe der Beatles. „da waren sie aber noch nicht so berühmt. Hätte ich das damals geahnt, hätte ich mich mit ihnen fotografieren lassen“,sagt er und lacht. Doch die DDR sollte einige Zeit später für 15 Jahre Uwe Leviens Wahlheimat werden. In West-Berlin, während eines Konzerts, lernte er seine erste Frau kennen. Die lebte in Greifswald. „Aus Liebe bin ich zu ihr in den Osten gezogen“, sagt er. Dort arbeitete er hauptberuflich als Musiker. „Das war eine gute Zeit. Ich habe viele interessante Menschen getroffen“, erinnert sich Levien. Irgendwann jedoch habe ihn das Heimweh gepackt.
Sein Neffe wurde in Hamburg geboren und Uwe Levien durfte seine Familie nicht besuchen. Um sich nicht länger eingesperrt zu fühlen, stellte er einen Ausreiseantrag. Im Dezember 1978 ging es für ihn, seine Frau und den Sohn zurück nach Hamburg.
Bei der Volksfürsorge arbeitete Levien 18 Jahre lang als Operator im Rechenzentrum. Sein Sohn starb 1993 an Krebs. Zwei Jahre später heiratete er seine zweite Frau. Musik spielte weiterhin eine wichtige Rolle in seinem Leben, doch nur noch als Hobby. Auf Familien- und Stadtteilfesten sang er und begleitete sich dabei auf der Gitarre. Noch immer hegt er eine große Leidenschaft für die alten amerikanischen Anti-Kriegslieder, wie „Eve of Distruction“ und Folklore. „Ich bin immer auf der Suche nach den deutschen Texten der alten Lieder, weil ich die lieber deutsch singe“, sagt er. Zum Beispiel den Song „Sag mir wo die Blumen sind“, den schon Marlene Dietrich interpretierte. Der Rentner engagiert sich außerdem im Stadtteilbeirat Essener Straße, wo er sich stark macht für Seniorengerechte und barrierefreien Wohnraum, was immer wieder ein Kampf sei. (sl)
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