P + R bei Wichert nun endgültig vom Tisch?

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Der Wichert-Neubau aus der Luft: Im rot umrandeten Bereich war die P+R-Anlage geplant Foto: Wichert
 
Bernd Glathe ist Geschäftsführer von Auto-Wichert Foto: Biehl

Behörden prüfen Antrag auf Nutzungsänderung. Lärmschutz als Knackpunkt

Von Bert C. Biehl
Langenhorn
Am 18. Februar hätte es als Teil des Auto-Wichert-Neubaukomplexes (Gesamtkosten : 35 Mio. Euro) eröffnen sollen: Das Park-and-Ride-Haus (P+R) auf dem Wichert-Gelände am Stockflethweg hätte Platz für 327 Fahrzeuge geboten. Damit hätte sich für Langenhorn ein jahrzehntelang immer wieder variierter Plan für einen Pendlerparkplatz an der Landesgrenze erfüllt. Doch jetzt stellt sich die Lage anders dar. „Die Firma Wichert hat angekündigt, ein neues Nutzungskonzept für das Gebäude einreichen zu wollen“, sagte Bezirksamtsleiter Harald Rösler am Sonnabend am Rande einer Veranstaltung zum Wochenblatt.

Änderung beantragt


Rösler bestätigte damit die Nachricht, mit der bereits Mitte Dezember der Senat auf Anfrage der Grünen-Bürgerschaftsfraktion geantwortet hatte: „Die Firma Wichert hat sich gegen eine Vermietung an die P+R-Betriebsgesellschaft entschieden und am 29. Oktober 2014 eine Nutzungsänderung beantragt.“
Das klingt einfacher als es ist. „Das P+R-Haus war nie unser Wunschprojekt. Wir wurden dazu ‚überredet‘“, sagt Wichert-Geschäftsführer Bernd Glathe. Denn die Behörden hatten die Chance ergriffen, ein paar eigentlich kommunale Investitionen abzuwälzen, als Wichert den Bauantrag für sein Autohaus gestellt hatte. Außer der lang ersehnten P+R-Anlage (Glathe: „Das wäre deutschlandweit die einzige auf Privatgrund“) war da auch noch ein 720 Meter langer Fußweg, entlang der Bahntrasse, zwischen Langenhorner Chaussee und Foßberger Moor. Den wünschte sich der Bezirk. Wichert muss ihn jetzt anlegen lassen.
„Die Baugenehmigung wurde erteilt unter dem Vorbehalt, dass, bevor mit dem Bau begonnen wird, ein Nutzungsantrag mit der P+R-Gesellschaft geschlossen wird“, erläuterte Rösler. Diese Genehmigung des Bezirksamtes datiert vom 7. Dezember 2012.
Am 21. Oktober 2013 wurde der Grundstein für den Gebäudekomplex gelegt – jedoch ohne, dass der Vertrag mit P+R vorlag. „Der Vorbehalt in der Baugenehmigung wurde dann durch eine Vorlageklausel ersetzt. Demnach hätte der Vertrag binnen einer bestimmten Frist vorgelegt werden müssen“, um die Baugenehmigung nicht zu verwirken, berichtet Rösler weiter. Die Frist sei mehrfach verlängert worden, zuletzt bis zum 31. Dezember 2014. Sowohl die HVV-Schwester P+R Betriebsgesellschaft mbH als auch Wichert hätten signalisiert, sagt Rösler, und es klingt etwas verschnupft, „dass das mit dem Vertrag auf jeden Fall in Ordnung gehe.“

Kernpunkt: Lärm


Ging es aber nicht. Zunächst stoppte das Verwaltungsgericht im vergangenen März die Bauarbeiten. Anwohner hatten erreicht, dass die Lärmemission eines P+R-Hauses noch einmal neu zu begutachten sei. „Dann haben wir verschiedene Bauvarianten geprüft“, sagt Bernd Glathe, „und haben erfahren: Wir kriegen die erforderlichen Grenzwerte nicht hin.“ Dabei ging es vor allem um den Fahrzeuglärm in der Nacht zwischen 22 und 6 Uhr. Die notwendigen Schallschutzmaßnahmen „wurden irgendwann auch unbezahlbar“, so Glathe.
Im vergangenen Oktober zog Wichert die Reißleine und möchte nun auf die für 30 Jahre geplante Verpachtung verzichten. Der Senat erklärte dazu in der Antwort auf die Grünen-Anfrage, der Wichert-Antrag werde geprüft: „Je nach Ergebnis der Prüfung kann der Vertrag (mit P+R, d. Red.) danach abgeschlossen werden.“
Klingt da etwa noch ein wenig Hoffnung mit? Das wesentliche Druckmittel der Behörde ist jedenfalls weg, der Bau steht. „Der Vorlagevorbehalt (der Baugenehmigung, d. Red.) hat sich erledigt“, konstatiert auch Rösler nüchtern.

Bedarf für P+R ist da


Glathe will nun die Parkplätze im ehemaligen P+R-Bau für eigene Fahrzeuge nutzen. Heino Vahldieck, Geschäftsführer der P+R-Betriebsgesellschaft, bedauert die Entwicklung. Der Bedarf für eine Anlage an der Stadtgrenze sei da, aber „konkrete neue Pläne haben wir noch nicht.“ Die „Bürgerinitiative Stockflethweg“, der bereits der fünfgeschossige Wichert-Neubau zu klotzig war, plädiert jetzt
dafür, den bisher unter freiem Himmel befindlichen Busbahnhof Ochsenzoll mit einem Parkhaus zu überbauen – oder alternativ den U-Bahn-Körper. Damit grenzte die P+R-Anlage direkt an die Gärten der Einzelhäuser an der Fibigerstraße. Dort gibt es – zumindest bislang – keine Bürgerinitiative.
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