Politiker sind gegen Schließung

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Grellkamp-59: Die Tore weit offen, aber wenig Zulauf: Die Stadtteilschule Langenhorn am Grellkamp.

„Die Stadtteilschule Langenhorn ist unverzichtbar“

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. In die Diskussion um den Fortbestand der Stadtteilschule (STS) Langenhorn ist neue Bewegung gekommen. Nachdem das WochenBlatt vor zwei Wochen darüber berichtet hatte, dass die Einrichtung am Grellkamp laut Schulbehörde (BSB) keine fünften Klassen mehr aufnehmen soll, haben sich jetzt Politiker von Bezirksversammlung und Bürgerschaft gegen eine mittelfristige Schließung des Standortes ausgesprochen. Die Situation am Grellkamp wird sogar Teil einer Schriftlichen Kleinen Anfrage in der Bürgerschaft. Zudem sollen zur nächsten Sitzung der Bezirksversammlung am 14. Juni – vier Tage vor der entscheidenden Sitzung der Schuldeputation - Anträge vorliegen, die sich auf den Erhalt der STS richten. Kurios: Die Schließungspläne der BSB sind den Bezirkspolitikern schon länger bekannt, wurden aber zunächst nur zur Kenntnis genommen. Doch bei einer Unterschriften-Aktion betroffener Eltern protestierten jetzt rund 300 Bürger. Kommentar eines Bezirksabgeordneten gegenüber dem WochenBlatt: „Das Thema haben wir schlicht verschlafen.“
Wie berichtet, hat die Zahl der Anmeldungen für die fünften Klassen am Grellkamp zum zweiten Mal in Folge nicht die Wunschzahlen der Schulbehörde erreicht. Die hatte noch im aktuellen Schulentwicklungsplan die STS Langenhorn ab Klasse 5 sogar dreizügig gesehen. „Welche Maßnahmen hat der Senat ergriffen und wird er ergreifen, um dieses Ziel zu erreichen?“ will der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Robert Heinemann deshalb jetzt durch eine Schriftliche Kleine Anfrage wissen. Denn paradox ist, dass es nach internen Zahlen, die dem WochenBlatt vorliegen, 2011 allein acht Erstwunsch-Anmeldungen gab und die Zahl in diesem Jahr sogar anstieg.
Behördensprecher Peter Albrecht spricht von 14 Erstwünschen, räumt aber ein, dass es sich um eine Stichtagsbetrachtung handele. Nach anderer Zählung, die unter anderem Nachmelder einschließt, sind es 18 Interessenten. „Auch das wäre immer noch meilenweit zu wenig für die Einrichtung einer fünften Klasse“, so Albrecht. Die Kinder sollen stattdessen jetzt zur Fritz-Schumacher-Schule (FSS) gehen. Gegen diese Zuweisung haben zahlreiche Eltern Widerspruch eingelegt, einige ziehen sogar eine Klage beim Verwaltungsgericht in Betracht. Nicht ganz aussichtslos, denn der Senat kann per Rechtsverordnung frei bestimmen, dass doch Eingangsklassen eingerichtet werden.
Langenhorns CDU-Ortsvorsitzenden Richard Seelmaecker jedenfalls wurmen Spielereien mit Anmeldezahlen: „Das sollte man nicht starr sehen.“ Er rät dazu, ein mögliches Auslaufen der Schule „nicht übers Knie zu brechen“ und hat die Deputierten seiner Partei, die am 18. Juni über das Schicksal der Grellkampschule mitent-scheiden, „um Sachaufklärung gebeten.“
Selbst in der regierenden SPD bröckelt die Zustimmung für die BSB-Pläne. „Ich halte den Standort am Grellkamp für unverzichtbar“, sagt Langenhorns Bürgerschaftsabgeordnete Andrea Rugbarth, Mitglied des Schulausschusses. Sie räumt aber auch ein, mit ihrer Haltung in der Partei „auf Widerstand zu stoßen“.
Die Fraktion der Linkspartei in der Bezirksversammlung hat sich bereits positioniert. Zur Sitzung am 14. Juni hat sie einen Antrag eingebracht. „Wir wollen, dass die gesetzlich mögliche Ausnahme-regelung angewandt wird, und die Schule nicht ausläuft“, sagt Rachid Messaoudi. Ersatzweise solle die Behörde den Standort über die Zusammenlegung mit einer anderen Schule sichern.
In diese Richtung soll auch ein Antrag zielen, den der SPD-Fraktionsvorstand zurzeit diskutiert. Der schulpolitische Sprecher Martin Badel: „Wir wollen konkret prüfen lassen, ob der Standort Grellkamp als Dependance der FSS weitergeführt werden kann.“ Sein Langenhorner Kollege Gulfam Malik: „Der Stadtteil braucht diese Schule.“
So sehen es auch Carmen Wilckens, GAL-Sprecherin im Regionalausschuss, und ihr Bezirks-Fraktionschef Michael Werner-Boelz. Die STS Langenhorn leiste „beeindruckende pädagogische Arbeit“, so Wilckens. Werner-Boelz: „Wir müssen ein Signal setzen, dass diese Schule weiter bestehen soll.
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