Radweg auf die Chaussee verlegen

Anzeige
Marode Wege erschweren das Radfahren. Foto: Biehl

Teillösung soll Geschwindigkeit auf der Alsterkrugchaussee senken

Von Bert C. Biehl
Fuhlsbüttel/Langenhorn. Was tun, wenn die Radwege marode sind, es kein Geld für Reparaturen gibt und sich gleichzeitig auf der nebenan liegenden Chaussee durch überbreite Fahrstreifen und unvorsichtige Kfz-Fahrer die Unfälle häufen? Im Bezirk Nord schien die Diskussion in Politik und Verwaltung darüber lange festgefahren. Neuerdings kommt der Problemstau nun in Bewegung. Die Verkehrsbehörde hat jetzt dem Bezirksamt quasi Grünes Licht dafür gegeben, den Radweg auf einem Teilabschnitt des Straßenzuges Langenhorner Chaussee/ Alsterkrugchaussee auf die Fahrbahn zu verlegen. Noch in diesem Jahr könnte mit dem Umbau begonnen werden. In der Juni-Sitzung der Bezirksversammlung will der kommissarische Amtsleiter Harald Rösler die Abgeordneten vom Ergebnis seiner Verhandlungen mit dem Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI), Andreas Rieckhof, unterrichten. Mit der Umsetzung des Planes werde erstmals ein Radweg auf eine stark belastete Hauptverkehrsstraße verlagert. Die Behörden sehen darin gleich mehrere Vorteile.
Kurios: Der Plan geht im Kern auf einen Antrag der GAL aus Mai 2011 zurück, der von SPD, FDP und CDU zunächst im Regionalausschuss und im vergangenen September auch in der Bezirksversammlung endgültig abgelehnt wurde. Stattdessen brachte die Koalition ihren Gegenantrag durch, zunächst ein großräumiges Verkehrsgutachten erstellen zu lassen. Auftragsgemäß begannen daraufhin Bezirksamtsleiter Wolfgang Kopitzsch und später sein kommissarischer Nachfolger Harald Rösler die Haltung der BWVI zu einem solchen Gutachten auszuloten. Dabei kam jetzt heraus: Vorerst macht eine solche Expertise keinen Sinn, darin sind sich BWVI, Polizei und Bezirksverwaltung einig. Knackpunkt sind die Bauarbeiten am Knoten Ochsenzoll auf Norderstedter Gebiet, die noch mindestens bis Ende des Jahres dauern. Verkehrsexperten erwarten, dass künftig noch mehr Verkehr nach Hamburg hineinpumpt wird. Bereits heute passieren bereits 25.000 Fahrzeuge täglich den Ochsenzoller Knoten. Planer gegen von einer Zunahme bis zu 11.000 Kfz pro Tag aus. Doch belastbare Zahlen, dürften nicht vor Mitte/Ende 2013 zu ermitteln sein. Erst danach würde mit einem Gutachten begonnen werden, das wegen seines großräumigen Ansatzes allerdings einige Zeit in Anspruch nähme.
So lange möchte Harald Rösler das offenkundige Problem von Radwegen und Fahrspuren aber nicht vertagen. Allerdings fehlt für einen Ausbau auf echte vier Spuren und heutigen Normen gerecht werdende Rad- und Fußwege das Geld und der Platz. Alter Baumbestand wäre im Weg, private Vorgärten müssten aufgekauft werden.
Deshalb brachte Rösler bei BWVI-Staatsrat Rieckhof eine Teillösung als Kompromiss ins Spiel. „Der Straßenzug lässt sich nach der Verkehrsbelastung in drei Abschnitte einteilen. Der geringste belastete ist der Abschnitt der Alsterkrugchaussee zwischen Erdkampsweg und Knoten Sengelmannstraße“, so Rösler. Auf diesem Abschnitt könne durch die beidseitige Abmarkierung von Radwegen eine echte Zweispurigkeit der Chaussee erreicht werden. Das reduziere erstens die Geschwindigkeit der Kfz und damit die Unfallgefahr, zweitens seien die Radfahrer dann nicht mehr auf die maroden Wege angewiesen. Zudem könne man Erfahrungen sammeln, um vielleicht später einmal den Streckenabschnitt der Langenhorner Chaussee zwischen Krohnstieg und Landesgrenze genau so umzubauen. Mit der Machbarkeit könne sich das spätere Gutachten auseinandersetzen. Kleiner Wermutstropfen: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sieht die BWVI keine Möglichkeit, auch die beiden anderen stark befahrenen Abschnitte zwischen Erdkampsweg und Krohnstieg sowie zwischen Krohnstieg und Landesgrenze umzubauen. Staatsrat Rieckhof: „Der gesamte Raum würde hierdurch erheblich belasteter und stauanfälliger werden.“
Amtsleiter Rösler hegt allerdings die Hoffnung auf eine ganz andere Entwicklung: „Vielleicht hat die Abmarkierung von Radwegen auf der Alsterkrugchaussee ja auch den Effekt, dass immer mehr Autofahrer die Ortsumgehung nutzen und so die Stadtteile entlasten.“ (bcb)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige