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Mindestens 18 Familien würden gerne ihre künftigen Fünftklässler an der Stadtteilschule Langenhorn am Grellkamp unterbringen – doch die Behörde will dort keine Klassen mehr einrichten. Foto: Biehl
 
Erfolgreiche Protestaktion: Mit Flugblättern informierten betroffene Eltern und Kinder auf dem Langenhorner Markt über das befürchtete Aus für die Stadtteilschule Langenhorn am Grellkamp – und sammelten gleich rund 300 Unterschriften. Von links: Marcel, Julian und Vater Rene Braune, Petra Reidath, Daniela Diercks, Madlaine Döpner und ihre Mutter Michaela. Foto: Biehl

Eltern protestieren: Stadtteilschule soll keine Fünftklässler mehr aufnehmen

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. „Blauer Brief“ für Hamburgs Schulsenator: Langenhorner Eltern protestieren dagegen, dass die Stadtteilschule (STS) Langenhorn am Grellkamp auslaufen soll und zum neuen Schuljahr 2012/13 keine fünften Klassen mehr einrichten darf. Wer seinen Nachwuchs am Grellkamp angemeldet hatte, wurde Anfang April von dem Bescheid kalt erwischt, dass das Kind nunmehr die weiter entfernt liegende Fritz-Schumacher-Schule (FSS) zu besuchen habe. Doch viele der betroffenen Familien argumentieren, sie seien aus beruflichen Gründen davon abhängig, dass ihre Kinder eine gebundene Ganztagsschule mit verbindlichem Nachmittagsangebot besuchen können. Die FSS sei jedoch „nur“ eine offene Ganztagsschule.
Die Behörde hält Bestimmungen des Schulgesetzes dagegen. Es habe für die Klassenstufe 5 am Grellkamp zu wenig Anmeldungen gegeben - und das zum zweiten Mal in Folge. Doch die Eltern wollen nicht kampflos aufgeben. Denn das Gesetz lässt Ausnahmen zu. Vorerst haben die meisten Eltern Widerspruch gegen die Zuweisung einer anderen Schule eingelegt. Eine Unterschriftensammlung auf dem Langenhorner markierte am vergangenen Sonnabend den Beginn des öffentlichen Protestes. Demnächst sollen die gesammelten Unterschriften an Schulsenator Ties Rabe übergeben werden. Die Eltern sehen einen kleinen Hoffnungsschimmer: Denn die mittelfristige Schließung der Schule muss formell von der Deputation der Schulbehörde abgesegnet werden. Und die tagt erst im Juni. Bis dahin wollen die Betroffenen das Blatt wenden. Wenn Robin Reidath zu Fuß geht, braucht er genau sechs Minuten, um von zu Hause zur Stadtteilschule Langenhorn zu gelangen. Kein Wunder, dass seine Mutter Petra ihn dort zur Klasse fünf anmeldete.

Widerspruch eingelegt

Und noch ein weiterer Grund ist für sie wichtig: Als Alleinerziehende ist sie auf ihren Job angewiesen und somit darauf, dass die STS am Grellkamp ein verbindliches Ganztagsangebot vorhält. Am 2. April bekam sie die schlechte Nachricht: Die Schulbehörde „hat beschlossen, an der Stadtteilschule Langenhorn keine fünften Klassen einzurichten.“ Tags drauf erhielt sie die Zuweisung zur FSS. „Soll ich jetzt meinen Job aufgeben und in die Arbeitslosigkeit rutschen?“, formuliert es die 44-Jährige drastisch. Sie legte Widerspruch gegen die Zuweisung ein. Betroffen von dieser Situation sind mindestens 18 Familien, die in unmittelbarer Umgebung der STS wohnen. „Wir hatten für das Schuljahr 12/13 ursprünglich 24Anmeldungen. Leider sind sechs abgesprungen“, bilanziert Grellkamp-Schulleiter Ronald Bleckwedel. Die Behörde erwartet jedoch die Mindestzahl von 20 Schülern je Klasse. Laut Schulentwicklungsplan (SEPL) ist die STS Langenhorn zweizügig geplant, hätte also 40 Anmeldungen gebraucht. Das hat nun schon zum zweiten Mal in Folge nicht geklappt: „An der Stadtteilschule Langenhorn hat die Zahl der Anmeldungen seit der Gründung nach der Schulstrukturreform nie die ‚20‘ erreicht“, so der zuständige Schulaufsichtsbeamte Bernd Thiemann. Das sei weniger als eine einzelne Klasse und „viel zu wenig, um ein angemessenes Bildungsangebot sicherzustellen.“Mit dieser Erklärung mag sich die Elternratsvorsitzende Daniela Diercks nicht zufrieden geben. Ihre Tochter besucht jetzt die 7. Klasse am Grellkamp: „Die sind damals auch mit 27 Schülern und einer Klasse gestartet. Daraus wurden mittlerweile 49 Schüler in zwei Klassen.“ Denn was niemand vorhersehen kann, ist die Zahl der „Rückläufer“: Wie viele Schüler, die es zunächst auf dem Gymnasium versuchten, werden auf die Stadtteilschulen umgeschult?
Was die Eltern zusätzlich nervt, ist der Schulweg, der zur FSS mehr als doppelt so lang wäre und über stark befahrene Hauptverkehrsstraßen führte. Außerdem wird am Timmerloh zum neuen Schuljahr sechszügig mit vermutlich 130 Schülern gestartet.
Dass die Schülerzahl am Grellkamp geringer wäre, stört weder Eltern noch die Schule: „Das hätte quasi Dorfschulcharakter“, so Leiter Bleckwedel, der für sich in Anspruch nimmt, jeden seiner Lernenden noch namentlich zu kennen.
Würden keine Eingangsklassen mehr eingerichtet, bedeutete das unweigerlich das Aus für den 1954 begründeten Schulstandort. Damit gäbe es westlich der Tangstedter Landstraße keine Stadtteilschule mehr. „Spätestens mit dem Abgang der zehnten Klassen zum Schuljahreswechsel 2014/15 wäre Schluss“, so Bleckwedel. Doch weil die jetzt schon bestehenden Klassen sozusagen vereinsamen würden, befürchten die Eltern, dass die Behörde den Standort schon früher schließt und auch die älteren Schüler auf andere Schulen verteilt. Betroffen von den Behördenplänen fühlen sich daher nicht nur die Eltern der jetzt abgewiesenen baldigen Fünftklässler.
Bei der ersten Flugblatt-Aktion auf dem Langenhorner Markt protestierten am vergangenen Sonnabend bereits rund 300 Bürger mit ihrer Unterschrift. Deshalb glauben sie auch, dass womöglich noch mehr Kinder als bisher bekannt lieber den Grellkamp besuchen würden, aber aufgrund langjähriger, immer mal wiederkehrender Schließungsgerüchte auf andere Schulen ausgewichen sind. Die Elternratsvorsitzende Daniela Diercks befürwortet, die Protest-Aktionen der Eltern noch auszuweiten. Sie ist unter der Mail-Adresse elternrat@schule-langenhorn.de erreichbar. (bcb)
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