Spielwiese statt Kleingärten?

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Ursula Bülow (re.) sammelt Unterschriften für ein Freizeitgelände. Die Mitglieder ihres offenen Nordic-Walking-Treffs unterstützen sie: Ulla Wolkenhaar (v.l.), Ursula Klein, Heidi Nielsen, Andrea Ahrens und Waltraud Nietzke Foto: Biehl
 
Ursula Bülow hat schon mehr als 120 Unterschriften gesammelt. Ihre Forderung: Freizeitgelände statt Schrebergärten Foto: M. Behrmann

Parzellen unbelegt. Unterschriften-Aktion für Umwandlung in Freizeitfläche

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Schon das graffiti-beschmierte Schild verheißt nichts Gutes. „Hier entsteht ein neuer Kleingartenverein“, verkündet es – das aber seit mittlerweile acht Jahren. Das ungepflegte Brachland drum herum spricht Bände. Das 16.500 Quadratmeter große Gelände am Bornbach hätte schon längst besiedelt werden sollen. Doch das ist bisher nicht geschehen.
Und wenn es nach dem Willen einer wachsenden Gruppe von Langenhornern geht, sollen die Pläne für eine Nutzung durch Kleingärten möglichst rasch wieder zurückgenommen werden. „Wir brauchen nicht noch mehr Kleingärten in Langenhorn“, sagt Ursula Bülow. Sie hat jetzt eine Unterschriften-Aktion gestartet. Schon 120 Langenhorner haben unterzeichnet, viele davon sind Familien mit Kindern.
Ihre Forderung: „Wir wünschen uns hier einen geschützten Raum für Freizeit-Aktivitäten. Wir möchten die Fläche für Bewegungsangebote umgewandelt wissen und damit zur Wohnumfeld-Verbesserung beitragen.“ Bülow nennt Beispiele: Kinder könnten hier auf Sandflächen spielen, Pfosten für den neuen Trendsport Slackline könnten gesetzt werden, wegen des leicht abschüssigen Geländes gäbe es trockene Liegewiesen und es könnte ein Parcours fürs Barfuß-Laufen entstehen, das immer öfter von Medizinern bei Venenleiden oder orthopädischen Beschwerden empfohlen wird.

Kleingärten: Angebot ist größer als Nachfrage

„Geschützt“ heißt für Ursula Bülow: Das Gelände müsste von Hunden frei gehalten werden, damit Kinder und Barfußläufer nicht in Kothaufen treten oder in Scharrlöchern umknicken.
Die 71-Jährige, die seit 46 Jahren in Langenhorn wohnt, sieht viele Argumente auf ihrer Seite. So hatte das Bezirksamt erst kürzlich bei der offiziellen Freigabe des Grünzuges Barmbek mit einigem Stolz darauf hingewiesen, dass erste Pläne für Freizeitflächen in Wohnortnähe schon vor rund 100 Jahren umgesetzt worden waren. „In einem Kleingartengelände müssen wir uns an die Schotterwege halten – das hat mit barfuß-freundlicher Freizeitfläche nichts zu tun“, sagt die rüstige Seniorin, die unter anderem ehrenamtlich in der Neubergerwegschule
Pausensport anbietet.
Es gebe überdies schon genug Kleingärten in Langenhorn, meinen etliche der Unterzeichner des Aufrufes. Da ist was dran: Mit 15 Kleingartenvereinen hat der Stadtteil mit die meisten nördlich der Elbe – Lokstedt zieht gleich, nur Bramfeld hat mit 17 Vereinen noch mehr. In Fuhlsbüttel gibt es dagegen nur acht, in Hummelsbüttel gar nur zwei Vereine. Mehr noch: Das Angebot an freien Parzellen scheint hier am Stadtrand seit langem größer zu sein als die Nachfrage. Das ehemalige Behelfsheim- und Grabeland mit einer Gesamt-
größe von rund 16.500 Quadratmetern zwischen Twisselwisch und
Buurredder war 2005 im Zuge der Bornbach-Renaturierung komplett geräumt und neu überplant worden. Auf 8200 Quadratmetern entstanden 24 Parzellen mit Wasseranschluss, der Rest wurde naturbelassen, ein paar Bäume wurden neu gesetzt. Die Gesamtkosten für den Bau der neuen Grünanlage hatten 260.000 Euro betragen.
Doch Schreber für die Neuanlage sind schwer zu finden. Über diesen Umstand hatte auch das WochenBlatt bereits zwei Mal berichtet. Dirk Sielmann, Geschäftsführer des Landesbundes der Gartenfreunde, räumte noch im Mai auf Nachfrage ein, man habe für die 24 Parzellen „weniger als fünf Interessenten“. Das Problem: In Langenhorn gebe es viele Eigenheime mit Garten, zudem sei die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr nicht so optimal. Allerdings war Sielmann optimistisch, die für eine Vereinsgründung erforderlichen sieben Personen bis Jahresende zusammenzubringen.
Nur: Fast in allen Langenhorner Kleingartenvereinen stehen Parzellen zum Verkauf. So bestätigte Jörn Huch vom benachbarten Verein Twisselwisch: „Mir liegen zum Jahresende 20 Kündigungen vor.“
Die meisten Schreber geben aus Altersgründen auf, etliche aber auch deshalb, weil die Umweltbehörde schärfer illegal eingebaute Toiletten und Waschgelegenheiten kontrollieren will. Der Verlust dieser Bequemlichkeit nervt viele Pächter.
Ursula Bülow will weiter für ihr Anliegen kämpfen. Sie sammelt weiterhin Unterschriften, die sie im Herbst an Bezirks-
amtsleiter Harald Rösler überreichen will.
Ursula Bülow ist
zu erreichen unter
Tel.: 532 37 00 Puttwiese 24
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4 Kommentare
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Elke Noack aus Rahlstedt | 21.07.2013 | 10:48  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 21.07.2013 | 10:54  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 21.07.2013 | 10:54  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 03.08.2013 | 18:48  
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