Stadtteilschule darf nicht auslaufen

Anzeige
Ronald Bleckwedel leitet die STS Langenhorn seit 2002. Foto: Biehl

Politiker sprechen heute mit den Eltern

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Wie geht es weiter mit der Grellkampschule? Diese Frage bleibt weiter spannend. Aktuell scheint sich ein Konflikt zwischen Schulbehörde und Politikern anzubahnen. Grund: Der Senat hat die Stadtteilschule (STS) Langenhorn, so der offizielle Name, offenbar bereits aufgegeben. Das geht zumindest aus einer Antwort auf die Kleine Anfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Robert Heinemann hervor.
Hingegen haben sich vor
allem Bezirkspolitiker von SPD, CDU, Grünen und Linkspartei mittlerweile für den Erhalt des Schulstandortes ausgesprochen. Etliche von ihnen wollen am heutigen Dienstagabend zu einem kurzfristig einberufenen öffentlichen Elternabend am Grellkamp kommen.
Die Elternratsvorsitzende Daniela Diercks hofft auf zahlreiches Erscheinen nicht nur jener momentan betroffenen Eltern, die ihre Kinder nicht für Klasse 5 anmelden durften: „Wir möchten unsere Position noch einmal darlegen und vermitteln, warum die STS Langenhorn nach unserer Meinung nicht auslaufen darf.“ Beginn der Veranstaltung ist um 20 Uhr im Lehrerzimmer.
Der heutige Abend ist für die Grellkamp-Befürworter umso wichtiger, als am kommenden Donnerstag, 14. Mai, in der Bezirksversammlung Anträge zur STS gestellt werden sollen. Vier Tage später, am Montag, 18. Juni, entscheidet die Deputation der Schulbehörde über die Zukunft der STS. Wenn alle Politiker kommen, die Interesse bekundet haben, ist der Elternabend hochkarätig frequentiert. Diercks hat bereits feste Zusagen der Bezirksabgeordneten Martin Badel, schulpolitischer Sprecher der SPD-Bezirksfraktion, und seines Parteigenossen FoGulfam Malik, sowie von Carmen Wilckens (GAL) und Rachid Messaoudi (Linke). Auch der CDU-Ortsvorsitzende Richard Seelmaecker und Robert Heinemann, der auch schulpolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion ist, wollen trotz Terminschwierigkeiten versuchen teilzunehmen.
Fest zugesagt hat auch Lars Holster, schulpolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion nach Langenhorn. Pikanterie am Rande: Holster war längere Zeit Vize-Schulleiter am Grellkamp. Seine politische Heimat ist der SPD-Kreis Bergedorf – von dort stammt auch Schulsenator Ties Rabe, dessen Behörde den Daumen in puncto STS Langenhorn gerade gesenkt hat.
Wie berichtet, hatte Robert Heinemann kürzlich in einer Kleinen Anfrage an den Senat wissen wollen: „Hält der Senat an dem Ziel fest, am Standort Grellkamp langfristig eine dreizügige Stadtteilschule zu etablieren?“ Die Antwort des Senates kam jetzt ebenso eindeutig wie ernüchternd: „Nein.“ Das hatte im Februar beim Beschluss des Schulentwicklungsplanes noch ganz anders geklungen. Bezeichnend: Auf Heinemanns weitere Frage „Welche Maßnahmen hat der Senat ergriffen, …, um diese Ziel zu erreichen?“ gab es nur schlicht die Antwort „entfällt“ – zu Deutsch: gar nichts wurde getan.
Genau diesen Eindruck haben Eltern und Lehrer schon seit langem. Sie sehen die Stadtteilschule Langenhorn als Opfer fortwährender Umstrukturierungen und damit verbundener Schließungsgerüchte, und sie fühlen sich von der Behörde im Stich gelassen. Das habe natürlich Konsequenzen für die Anmelderunden, folgert Daniela Diercks: „Wer meldet sein Kind schon gerne an einer Schule an, von der es heißt, sie werde ja sowieso bald geschlossen?“
Diese Vermutung hat auch Ronald Bleckwedel. Seit 2002 Schulleiter am Grellkamp, hat er einige Entwicklungsstufen der Institution mitgemacht. Prekär: Etliche „Umfirmierungen“ ließen das Profil der Schule in der Öffentlichkeit verschwimmen.
1954 gegründet, war die Einrichtung zunächst Volks-, später Haupt- und Realschule (HR) mit Orientierungsstufe, quasi einer vorweg genommenen Primarschule. In dieser Zeit arbeitete der Grellkamp mit dem Gymnasium Foorthkamp (2008 geschlossen) zusammen – „damals überstiegen die Anmeldezahlen die Kapazität“, so Bleckwedel. 1991 wurde die Schule durch Konferenzbeschluss zur Gesamtschule, konnte aber die Anmeldezahlen nicht halten. 1997 beschloss die Schulbehörde zum ersten Mal, den Standort auslaufen zu lassen. Eine Elterninitiative setzte damals die Neugründung eine Haupt- und Realschule durch, weil es eine solche in Langenhorn nicht mehr gab. Das erfolgte 2002. Zwei Jahre später übernahm der Grellkamp die Schüler der schließenden HR Sengelmannstraße. 2006 wurde die Grundschule Krohnstieg an den Grellkamp angegliedert, doch schon drei Jahre später wurden die Schulen wieder getrennt. Zum August 2010 wurde die Stadtteilschule eingeführt, die HR lief aus, es gab keine Anmelderunde am Grellkamp. Erneut waren Schließungsgerüchte die Folge. Dieses Hin und Her spiegelte sich auch in der Presse. „Das haben sich die Leute gemerkt“, vermutet Schulleiter Bleckwedel. Offenbar verloren die Eltern das Vertrauen: 2011 gab es nur noch zwölf Anmeldungen für Klasse fünf, 2012 aber immerhin schon wieder 18.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige