Stau am Tunnel

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Bauarbeiten am Krohnstiegtunnel: Am Montagmorgen gab es im Berufsverkehr die ersten Staus am Nadelöhr. Foto: Biehl

Neuer Asphalt soll Stickoxide unschädlich machen

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Es ist das Nadelöhr im Stadtteil: der Krohnstiegtunnel. Täglich quälen sich rund 52.000 Autos durch die beiden Röhren. Und wenn dort gebaut wird, sind Verstopfungen programmiert. Aktuell passiert genau das: In Hoch-Zeiten kommt der Verkehr nur zentimeterweise voran, gibt es Stau auf dem Krohnstieg, der bis hinter den Markt reicht, sowie auf der Niendorfer Straße aus Richtung Norderstedt.
Seit dem vergangenen Freitag werden im Krohnstiegtunnel Bauarbeiten durchgeführt. Dafür wird jeweils eine Tunnelröhre gesperrt, der Verkehr wird im Gegenverkehr durch die andere Tunnelröhre geführt. Es besteht dann aus Sicherheitsgründen ein Durchfahrtverbot für Lkw über 3,5 Tonnen.

Busverkehr ist betroffen
Die zugelassene Geschwindigkeit wird auf 30 km/h herabgesetzt. Lkw werden umgeleitet.
Auch die Buslinien 24 und 191 sind betroffen. Entsprechend sind Haltestellen aufgehoben oder verlegt worden.
Der erste Bauabschnitt hatte in der vergangenen Freitagnacht begonnen, um so wenig wie möglich den Verkehr zu behindern. Doch seit dem Einsetzen des Berufsverkehrs am Montag früh gibt es zumindest zeitweise massive Behinderungen. Dieser erste Bauabschnitt dauert noch bis zum 29. September. Der zweite dauert vom 7. Oktober, 22 Uhr, bis zum 19. Oktober, 4 Uhr.

Hintergrund
Die im Jahr 2000 freigegebene Nordröhre (Fahrtrichtung Langenhorn Richtung Niendorf und Schnelsen/ A7) muss sicherheitstechnisch nachgerüstet werden. Sie erhält zusätzliche Notruf-Nischen, eine Videoüberwachung, Hinweisleuchten für die Fluchtwegkennung, Lautsprecher und zusätzliche Detektoren für die Raucherkennung. Parallel dazu wird bis 13. September im westlichen Trogbereich vor dem Tunnel auf einer Länge von etwa 200 Metern im Rahmen eines Forschungsprojektes der Bundesanstalt für Straßenwesen ein neuer Fahrbahnbelag aufgebracht, der Stickoxide absorbieren und umweltfreundlich ableiten soll. Ein neues Verfahren, das erstmals in Hamburg erprobt wird. Im Oktober werden das Siel und die Fahrbahn der 1963 eröffneten Südröhre (Fahrtrichtung Niendorf Richtung Flughafen) erneuert. Die sicherheitstechnische Nachrüstung erfolgt hier bereits seit August.

Der neue Asphalt
Hamburg plant gemeinsam mit der Bundesanstalt für Straßenwesen ein Pilotprojekt für eine innovative Lösung zur Stickoxidreduktion im verkehrsnahen Raum. Das Verfahren beruht auf einer photokatalytischen Reaktion und ist sowohl im Labor als auch auf Straßen in Frankreich erfolgreich erprobt. Dabei oxidieren Stickoxide bei Kontakt mit Titandioxid und unter Einfluss ultravioletter Strahlung zu Nitrat. Das Titandioxid wird dazu in die Deckschicht der Fahrbahn eingebracht. Das Nitrat wird in unschädlichen Mengen mit dem Regenwasser abgespült. Ziel ist es, dieses Verfahren an einem hochbelasteten Abschnitt der achtstreifig erweiterten A 7 im Bereich von Tunnelportalen einzusetzen. Vorab wird geklärt, wie es sich unter den meteorologischen Bedingungen (UV-Strahlung, Regen) in Hamburg bewährt und wie sich die Deckschicht bei so hoher Verkehrsbelastung verhält. Dazu werden zwei Versuchsstrecken eingerichtet. Auf der A 7 wurde bereits südlich des Elbtunnels zwischen den Anschlussstellen HH-Moorburg und HH-Waltershof in Fahrtrichtung Nord ein etwa 100 m langer Abschnitt des Hauptfahrstreifens mit der speziellen Deckschicht versehen. Die Reduktion der Stickoxide selbst soll am nordwestlichen Trog des Krohnstiegtunnels ermittelt werden. Seit einem knappen Jahr wird dort die Stickstoffdioxid-Konzentration als Referenz gemessen. Im September ist das Einbringen des Titandioxids geplant. (bcb)
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