Steigen bald Staubwolken hinter der Feldmark auf?

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Laut Ralf Eggers soll sich an diesem Naturschauspiel auch durch die von ihm beantragte Deponie-Erweiterung nicht viel ändern Foto: dmhuebsch

Interview mit dem Entsorgungs-Unternehmer Ralf Eggers über die Sorgen der Anwohner angesichts der Deponie-Erweiterung

Hamburg. Nach Ansicht des Entsorgungs-Unternehmers Ralf Eggers ist die Einlagerung von Bauschutt nicht mit klassischer Müll-Entsorgung gleichsetzbar. Das sagte der Unternehmer im WochenBlatt-Interviev. Wie berichtet, sollen an den Hummelsbüttler Müllbergen über drei bis elf Jahre hinweg rund 300.000 Kubikmeter Bodenaushub und Bauschutt der Deponieklasse I (leicht kontaminierter Bauschutt) eingelagert werden. Dagegen wehren sich Anwohner mit ihrer Interessengemeinschaft „Grüne Zukunft für die Hummelsbüttler Müllberge“ IgHM. Ihnen ist noch der Deponieskandal von 1986 gegenwärtig. Sie befürchten Umweltschäden, die Vernichtung von Baumbestand, Vegetation, geschützten Tierarten und Lärm- sowie Staubbelästigung durch den Deponie-Betrieb. Seine Firmengruppe habe schon in der Vergangenheit die Hummelsbüttler Müllberge als Deponie genutzt - unter Einhaltung von Renaturierungsauflagen, so Eggers. Erweiterungspläne gebe es seit 2002, aber einen Mietvertrag mit der Stadt über das betreffende Areal erst seit Anfang 2012. Vorher hatte die Stadt das Grundstück erworben.

WB: Herr Eggers, seit wann nutzt die Firmengruppe Eggers das Gelände Hummelsbüttler Müllberge, in welchem Umfang und wofür?
Eggers: 1991 bekamen wir die Erstgenehmigung für die Zwischenraumverfüllung mit Boden. Zuerst wurde der Zwischenraum der ursprünglich vorhandenen zwei Hügel mit Boden verfüllt und zum Schluss im Rahmen der Renaturierungsauflagen der BSU begonnen, den Hügel mit bindigem Boden und Oberboden abzudecken und die Oberflächen neu zu bepflanzen. Was wir heute dort planen ist in unserer Wahrnehmung die Fertigstellung dessen, was wir Anfang der Neunziger dort begonnen haben, aber nicht fortführen konnten, weil das betreffende Grundstück noch in Privathand war.

WB: Was bedeutet denn „Boden“ in diesem Zusammenhang?
Eggers: In Hamburg fällt bei Erdarbeiten häufig Lehmboden an, ein stark bindiges Material, das nicht für Neubauten eingesetzt werden kann. Darüber hinaus haben wir hier durch rege Bautätigkeit viel Bodenaushub, der Ziegel, Beton und Steine enthält. Auch hier ist ein Teil nicht wieder verwendbar. Aber und das ist mir an dieser Stelle ein Anliegen: Es handelt sich nicht um Umwelt belastenden Müll. Es handelt sich um Boden!

WB: Sie sagen ja, dass es keine Deponiefläche im Großraum Hamburg gibt. Was heißt Großraum?
Eggers: Das Stadtgebiet zuzüglich circa 10-15 Kilometer um Hamburg herum. Im nördlichen Bereich zieht sich das von Pinneberg über Kaltenkirchen bis nach Ahrensburg. Die nächste gleichwertige Deponie Richtung Norden liegt bei Großenaspe, circa 50-60 Kilometer von den innerstädtischen Baustellen entfernt.

WB: In einer früheren Stellungnahme zur Anwohner-Reaktion äußerten Sie sich „ überrascht von dem Aufschrei“ und dass Ihnen der Umgang mit den Anwohnern sehr wichtig sei. Warum waren Sie so überrascht?
Eggers: Nun, wenn ich bisher von Anwohnern sprach, meinte ich die direkten Nachbarn. Und hier haben wir das Projekt vorgestellt, bevor wir den Antrag gestellt haben. Die Anwohner haben ihre Sorgen geäußert. Wir haben versucht, diese Sorgen -beispielsweise zur möglichen Staubentwicklung, zu berücksichtigen. Was wir falsch eingeschätzt haben, war die Reaktion der nördlichen Anwohner! Es ist uns nicht egal, wie sie über dieses Projekt denken und wir prüfen zurzeit auch unsere Planung im Hinblick auf diese Kritik.

WB: In der Umweltgutachten-Zusammenfassung heißt es: „Zur Vermeidung von Setzung werden die mineralischen Materialien verdichtet eingebaut. Da nur Boden und Bauschutt eingelagert werden, tritt keine relevante Bildung von Deponiegas innerhalb der Deponieerweiterung auf und es werden keine mit organischen Stoffen befrachteten, geruchsbelästigenden Sickerwässer entstehen.“ Was bedeutet das?
Eggers: Bei mineralischen Materialien reden wir hier von einer Bodenablagerung! Das heißt Lehm, der gering bis mäßig schadstoffbelastet ist. Die Bezeichnung Deponieklasse 1 scheint bei vielen Anwohnern in Verbindung mit Müll gebracht zu werden. Bei den von uns beantragten Materialien handelt es sich jedoch größtenteils um einfachen, nicht weiter verwendbaren Lehmboden oder um Bodenaushub mit Steinen und Ziegelanteilen. Und verdichteter Einbau heißt: Der Einbau erfolgt maschinell mit einer Raupe, die auch gleichzeitig für die Verdichtung sorgt.

WB: Und was heißt „keine relevante Bildung von Deponiegas“?
Eggers: Deponiegase entstehen bei der Verrottung von Organik der Altauffüllung wie es zum Beispiel auch beim Kompost ist: Hier entsteht Methangas, das bei Bodeneinlagerungen gar nicht entstehen kann. Mit dem Begriff „nicht relevant“ wollten die Verfasser klarstellen, dass es eine geringe Bildung geben kann, diese jedoch kaum nachweisbar sein wird.

WB: Wie wollen Sie Ihre Versprechungen, Staubbelästigung zu vermeiden, einhalten, wenn Wind und Wetter zu lange Trockenheit bescheren?
Eggers: Ja, das ist eine der großen Sorgen, die mir auch von Anwohnerseite zugetragen wurde. Bei der Gelegenheit: Ich verstehe diese Sorge und wir nehmen dies und auch die übrigen Bedenken der Anwohner sehr ernst! Um dieses Problem zu lösen, planen wir ein geschlossenes Bewässerungssystem, bei dem das Niederschlagswasser zur Befeuchtung des eingebauten Bodens genutzt wird. Das benötigte Wasser wird in zwei Rückhaltebecken gesammelt und für die Bewässerung entnommen. Sollte - was unwahrscheinlich ist, zu wenig Wasser vorhanden sein, dann würden wir Wasser aus den umliegenden Brunnen verwenden.

WB: Was tun Sie, wenn der Niederschlag höher ist als erwartet und Wasser abgefahren werden muss? Ist dort dann Tag und Nacht LKW-Verkehr?
Eggers: Nein, ist es nicht. Im Vorfeld haben wir von Fachplanern Berechnungen zu den erwarteten Niederschlagsmengen anstellen lassen. Hierbei wurden auch Extremniederschläge berücksichtigt. Und auf diese Mengen sind die Rückhalteteiche des geschlossenen Bewässerungssystems ausgelegt. Wenn dennoch zu viel Wasser da ist, fahren wir das natürlich nur tagsüber ab, Montag bis Freitags von 7.00 bis 17.00 Uhr. Es wird keinen Anlieferverkehr oder Baulärm nachts oder an Wochenenden geben.

WB: Wo genau wird die vorhandene Vegetation wie lange beseitigt und welchen Radius umfasst das? Was tun Sie für die geschützten Tierarten?
Eggers: Betroffen sind die nördliche Böschung und der Bereich um die Schmidtsche Koppel. Die Fläche ist über einen Zeitraum von sieben bis elf Jahren in Bearbeitung. Anschließend wird auf der Fläche umfangreich wieder angepflanzt. Bereits vor Beginn der Maßnahmen gibt es Ersatzbepflanzungen im Bereich der Glashütter Landstraße. Insgesamt sind die Ausgleichsflächen mit Wiederbepflanzung größer als die Bearbeitungsfläche. Ausgleichsmaßnahmen planen wir auch im Bereich des Naturschutzgebietes der Hummelsbüttler Feldmark. Für die geschützten Tierarten wie beispielsweise Fledermäuse werden eigens Fledermauskästen angebracht. Die betroffenen Tiere haben dann ausreichend Zeit, in den Lebensraum um die Erweiterungsfläche auszuweichen. Die Tiere im Erweiterungsbereich werden selbstverständlich nicht beseitigt, nur ihr Lebensraum verlagert sich in die umliegende Landschaft.

WB: Wie gewährleisten Sie, dass das Naherholungsgebiet bestehen bleibt, Begleitschäden an der Altdeponie oder Umweltschäden durch unsachgemäße oder illegale Nutzung der Neudeponie ausgeschlossen sind?
Eggers: Der Berg und die bis jetzt begehbaren Bereiche bleiben ja wie sie sind. Das ist übrigens alles von uns im Rahmen der Renaturierungsauflagen, die wir bereits seit Anfang der Neunziger Jahre erfüllen, so angepflanzt und angelegt worden. Der geplante Erweiterungsbereich liegt außerhalb der Fläche, die zur Freizeitnutzung wie Drachenfliegen und Spazierengehen bereit stehen. Der Boden im Bereich der Erweiterungsfläche erhält Dichtungssysteme nach oben und unten. Hierdurch wird es keinen Kontakt des Bodens oder von Niederschlagswasser in die Umgebung geben. Dies ist mit den damaligen Planungen von 1986 nicht vergleichbar. Dies gilt sowohl für die beantragten Inhaltsstoffe, als auch für den technischen Standard. Und natürlich wollen wir keinen Müll dort einlagern, sondern Boden. Das Gelände für die Deponieerweiterung wird selbstverständlich gesichert. Sollte dennoch jemand unberechtigt Abfall dort entsorgen, werden wir diesen einer ordnungsgemäßen Entsorgung zuführen. (dmh)
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