Steinerne Zeitzeugen

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Sie weihten den neuen Grenzstein am Tarpenbek ein: die Heimatforscher Gerd Meincke (li.) und Joachim Grabbe (2.v.re.) sowie aus Norderstedt die Stadtpräsidentin Kathrin Oehme und der Erste Stadtrat und Baudezernent Thomas Bosse (re.). Das HP steht für Herrschaft Pinneberg, C7 für den Dänenkönig Christian VII. Der Stein mit der laufenden Nummer 23 wurde im Jahr 1802 gesetzt.
 
Joachim Grabbe schlug diesen Grenzstein nach Originalvorbild. Foto: bcb

Ein neuer Grenzstein steht am Tarpenbek

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Die Herren sind schon etwas älter. Aber sie gehen gern an die Grenzen. In diesem Fall an die historischen, nämlich an die, die einst zwischen Deutschland und dem Königreich Dänemark verliefen. Zum Beispiel entlang des Tarpenbeks, an den sich der Name der Langenhorner Straße Tarpen anlehnt. Wo die nach Norderstedt über den Bach führt, steht seit dem vergangenen Freitag für jedermann sichtbar ein Grenzstein mit kryptischen Zeichen. Ein Nachbau zwar, aber genau so hatte ihn im Jahr 1802 die damalige Verwaltungseinheit „Herrschaft Pinneberg“ (HP) in dieser Gegend aufstellen lassen. „Der Originalstein ist wahrscheinlich bei einer der vielen Tarpenbek-Regulierungen des vergangenen Jahrhunderts verloren gegangen“, sagt Erwin Möller vom Langenhorn-Archiv. Er gehört zu der fünfköpfigen Riege von Heimatforschern, die sich zur Aufgabe gemacht haben, die alten, durchnummerierten Grenzsteine wieder aufzuspüren – kein leichtes Unterfangen. 33 davon hatte die HP errichten lassen, mit Beginn am Eimsbütteler Markt und Ende in Ulzburg-Süd. Viele sind inzwischen verschwunden, versunken oder stehen mittlerweile auf Privatgrund. Nur 13 erhaltene Steine sind derzeit bekannt.
Eine Schatzsuche der besonderen Art: Die Initialzündung dazu hatte vor vielen Jahren der Hamburger Historiker und Bismarckiana-Sammler Dr. Hans-Walter Hedinger (85) gegeben. Er hatte in den 60er-Jahren sämtliche rund 350 Grenzsteine katalogisiert und in einem Buch veröffentlicht. Das Grenzsteinkataster führt inzwischen der pensionierte Vermessungsingenieur Wolf-Rüdiger Wendt. Mit GPS-Geräten können die Heimatforscher heute die erstaunlich präzise Arbeit der königlich preußischen Landvermesser nachvollziehen. So finden sie die Standorte der steinernen Zeitzeugen wieder – oder entdecken, wo einer fehlt.

Reproduktionen

Dann kommt Joachim Grabbe ins Spiel. Der 71-Jährige, der in Eimsbüttel aufwuchs, kam 2005 auf die Idee, fehlende Grenzsteine zu reproduzieren und wieder aufzustellen - die tonnenschweren Granitblöcke behaut er übrigens selbst. Der Stein an der Straße Tarpen trägt die Nummer 23. Der Norderstedter Heimatforscher Gerd Meincke fädelte die Unterstützung durch die Norderstedter Stadtverwaltung ein.

Drei weitere Steine
sind fertig

Sie ließ diesen ersten Stein auf Norderstedter Boden setzen, direkt auf die Landesgrenze. Drei weitere harren bereits beim Bauhof der Aufstellung. In Langenhorn fehlen übrigens die Steine 20, 22 und 24. Der 21-er ist für Wanderer entlang des Tarpenbeks nach einigem Suchen in Höhe Suckweg im Buschwerk zu finden. Er wurde dort im Jahr 1820 aufgestellt.
An der Enthüllungszeremonie nahmen mit Stadtpräsidentin Kathrin Oehme und dem Ersten Stadtrat Thomas Bosse auch zwei hohe offizielle Vertreter der Stadt Norderstedt teil. Die eigenen Grenzen neu kennenzulernen war für die Schleswig-Holsteiner offenbar bedeutsamer als für die Hamburger – ein offizieller Vertreter von Bezirk oder Stadtverwaltung war zu diesem „kleinen Staatsakt“ nicht erschienen. (bcb)
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