Stolperstein mit Hindernis

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Waren vergeblich zur Verlegung des Stolpersteins für das NS-Opfer Adele Rühl gekommen: Carsten Pusch (Enkel, v.li.) und Ehefrau Brigitte, Esther Voß (Urenkelin) und Matthias Pusch (Enkel), Gunter Demnig. Foto: Biehl

Offizielle Einweihung am Sonntag

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Üblicherweise liegen Stolpersteine eingebettet im Fußweg. Der für die Langenhornerin Adele Rühl liegt zurzeit noch im Kofferraum eines Mercedes. Am vergangenen Mittwoch hätte der Kölner Bildhauer Gunter Demnig den von ihm geschaffenen Gedenkstein für das NS-Opfer gerne vor dem Haus Wattkorn 15 verlegt. Doch dort verläuft ein Sandweg – und der war zu jenem Termin noch tiefgründig gefroren. Demnigs Unterstützerin Margot Löhr aus Fuhlsbüttel nahm den Stein vorerst in Obhut. Noch in dieser Woche will der Hamburger Arbeitskreis Stolpersteine für die fachgerechte Verlegung sorgen, ohne Demnig, der mittlerweile schon wieder unterwegs durch Deutschland und die Niederlande ist. Denn am kommenden Sonntag soll er mit einer Feierstunde offiziell eingeweiht werden – zu der kleinen Zeremonie ist übrigens jeder Interessierte willkommen. Adele Rühl, Jahrgang 1878, lebte mit Mann und zwei Kindern in Langenhorn. Sie war jüdischer Abstammung, aber schon vor der Hochzeit zum Christentum konvertiert und gehörte der Baptistengemeinde an. Doch auch die christliche Taufe schützte Juden nicht vor dem Rassenwahn der Nazis. 1942 wurde die Seniorin im KZ Fuhlsbüttel eingekerkert, 1943 nach Auschwitz deportiert.
Am 4. März jährt sich ihre Ermordung zum 70. Mal. Einen Tag zuvor wird ihr Stolperstein eingeweiht. Ebenfalls am vergangenen Mittwoch wurde auch in der Fritz-Schumacher-Allee 33 ein Stein verlegt, für den Langenhorner Kommunisten Artur Koß, Jahrgang 1904. Der Modelltischler wurde im November 1933 verhaftet und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Wie viele seiner Leidensgenossen kam er allerdings nach Verbüßung der Strafe nicht frei. Er wurde 1944 in das für seine grausamen Kriegsverbrechen berüchtigte „Bewährungsbataillon“ Dirlewanger gezwungen. Die politischen Häftlinge, deren Rückkehr nicht vorgesehen war, wurden für Himmelfahrtskommandos und gegen Partisanen eingesetzt. Arthur Koß kam mit nur 40 Jahren im Dezember 1944 im slowakisch-ungarischen Grenzgebiet um. Die genauen Umstände sind unklar. Der Termin zur Einweihung seines Stolpersteines steht noch nicht fest. (bcb)

Stolperstein-Einweihung für Adele Rühl, Sonntag,
3. März, 15 Uhr, Wattkorn 15.
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