Streit um Gammeldächer

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Vergammelte und verschimmelte Holzbalken fanden Zimmerleute vor, als sie im vergangenen Jahr die Dächer öffneten Foto: Bittner

Eigentümer klagen gegen Bauträger der „heidberg.villages“

Von Claudia Blume
Langenhorn
Eine schmucke kleine Siedlung entstand Anfang der 2000er Jahre hinter dem Klinikum Nord. Als Vorzeigeobjekt für modernen Wohnungsbau galten die elf Reihen- und Mehrfamilienhäuser der „heidberg.villages“ – auch wegen ihrer innovativen Gründächer. Doch die gammeln den Hauseigentümern nach nur zwölf Jahren über dem Kopf weg. Die Holzverschalung hat sich vielfach aufgelöst, die Klimafolie hängt zwischen den Sparren durch. Wolfgang Bittner, Sprecher der Eigentümergemeinschaft, klagt: „Erhebliche Mängel in Konstruktion und Ausführung haben Durchfeuchtung und Pilzbefall zur Folge, das belegt ein von uns in Auftrag gegebenes Gutachten. Die Dächer hätten so nie gebaut werden dürfen.“ Die Anschuldigungen weist der damalige Bauträger, der Bauverein Junges Wohnen, zurück. „Die sogenannten Warmdächer wurden fachgerecht ausgeführt“, betont Sprecherin Dominique Mann. Man bedauere die Schäden. Sie seien jedoch kein Grund für die Eigentümergemeinschaft, die Sanierung der Dächer eigenständig in die Hand zu nehmen. Im vergangenen Jahr haben die Hausbesitzer die ersten fünf Dächer auf eigene Kosten saniert, die übrigen folgen in diesem Jahr. „Es bestand Einsturzgefahr“, sagt Bittner. Eine Klage über zwei Millionen Euro wurde Ende Februar beim Landgericht Hamburg eingereicht. Junges Wohnen verweigert die Haftung. Begründung: Es handele sich nicht um Instandsetzung, sondern um eine Neu-Herstellung als „Kaltdach“. Die Eigenheimer sind empört über die Boykott-Haltung. „Konstruktionszeichnungen und Prüfbescheinigungen werden uns vorenthalten, statt dessen wird jedem von uns ein zinsloses Darlehen angeboten, gekoppelt an eine Verzichtserklärung für weitere Ansprüche“, ärgert sich Bittner, „doch unser Anwalt sieht gute Chancen, den Prozess zu gewinnen. Außerdem haben wir noch ein Ass im Ärmel, denn nach Abschluss der Bauarbeiten wurde versäumt, das Gemeinschaftseigentum abzunehmen – und dazu zählen auch Dächer.“
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 10.03.2015 | 15:12  
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