Stühlerücken nach der Wahl

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Sehen sich als „Dreamteam“ für Langenhorn: Martina Schenkewitz und Gulfam Malik Foto: fjk

Malik in Bürgerschaft gewählt. Schenkewitz übernimmt sein Bezirksmandat

Langenhorn Auch im Wahlbezirk 10 ist die SPD als klare Siegerin aus der Wahl zur Hamburger Bürgerschaft hervorgegangen. Grund zur Freude hat der bisherige Bezirksabgeordnete Gulfam Malik (57) . Mit 34.357 Stimmen auf der Wahlkreisliste – dem fünftbesten Ergebnis aller 17 erstplatzierten SPD-Bewerber – schaffte Malik souverän den Sprung in die Bürgerschaft. Nachrückerin für ihn in der Bezirksversammlung Nord ist Martina Schenkewitz (52). Das Wochenblatt sprach mit beiden Abgeordneten.

Wochenblatt: Nicht nur für Sozialdemokraten ist Helmut Schmidt ein großes Vorbild. Schmidt war keine 27 Jahre alt, als er sich, geprägt durch die Erfahrungen unter der NS-Diktatur, der SPD anschloss. Wie war das bei Ihnen und welche Gründe bewegten Sie?
Martina Schenkewitz: Als Sprecherin des Mieterbeirats der Wulffschen Siedlung habe ich erkannt, wie wichtig es ist, sich politisch zu engagieren. Ich wollte nicht nur meckern, sondern aktiv mitgestalten. Deshalb bin ich vor drei Jahren in die SPD eingetreten, die allerding schon vorher die politische Heimat meiner Familie war.
Gulfam Malik: Für mich waren die Terroranschläge am 11. September 2001 der Auslöser. Mir wurde damals klar, wie wichtig es ist, das freiheitliche Wertesystem in Deutschland zu schützen. Seit 1975 lebe und arbeite ich in Hamburg. Hier ist meine Heimat, der ich mich verpflichtet fühle.

WB: Mit dem „Langenhorner Bürgerforum“ haben Sie ein Format geschaffen, in dem seit 2009 parteiübergreifend Bürger und Politiker miteinander ins Gespräch kommen. Wird diese Gesprächsplattform weiterbestehen?
Malik: Selbstverständlich! Martina Schenkewitz und ich wollen dieses Angebot weiter gemeinsam aufrechterhalten. Auch wenn ich in der Bürgerschaft sitze, bin ich „meinem“ Stadtteil weiter verbunden.
Schenkewitz: Ich sehe in unserer Zusammenarbeit nur Vorteile! Mit Gulfam Malik im Rathaus haben wir einen Mann an der Quelle der politischen Entscheidungen in Hamburg, der weiter für unseren Stadtteil arbeiten wird. Kurz gefasst – wenn wir es nicht schon sind, wir wollen ein „Dreamteam“ für Langenhorn werden!
Malik: (lacht) Das unterschreibe ich sofort!

„Wir wollen ein „Dreamteam werden.“ Martina Schenkewitz

WB: Immer wieder strittig ist die Kompetenzverteilung zwischen Bürgerschaft und Bezirksversammlung. Noch im November luden Sie zu einem Bürgerforum „Bezirke stärken – aber wie?“ ein. Nun haben Sie sozusagen die Seite gewechselt. Welche Position werden Sie im Rathaus vertreten?
Malik: Es ist nicht sinnvoll, aus den Bezirken in Hamburg eigenständige Kommunen zu machen, wie es einige Initiativen fordern. Aber sicherlich ist es im Sinne einer bürgernahen Politik notwendig, über eine Verlagerung bestimmter Aufgaben zu diskutieren, die heute zentral von den Fachbehörden wahrgenommen werden. Ich denke an die Zuständigkeit für Wochenmärkte, den Verkehrsbereich, und die integrierte Stadtteilentwicklung. Ebenso sehe ich Vorteile darin, wenn das Immobilienmanagement städtischer Grundstücke, die Liegenschaftsverwaltung, bei den Bezirken angesiedelt wird.
Schenkewitz: Mir sagt der gesunde Menschenverstand, dass eine übermäßige Zentralisierung in einer Großstadt wie Hamburg nur bedingt funktionieren kann. „Oben“ fehlen oft die Ortskenntnisse und in gleicher Weise die Nähe zu den Bürgern in den Bezirken.

WB: Für welche Themen werden sie sich in Ihren Parlamenten besonders einsetzen?
Schenkewitz: Ganz klar für den Wohnungsbau. Hier habe ich mir bereits ein solides Wissen erarbeitet. Es müssen weiter neue Wohnungen gebaut werden. Nicht nur auf dem ersten, sondern auch auf dem zweiten Förderungsweg. Es kann nicht richtig sein, wenn junge Familien, die brutto etwas besser verdienen, von günstigen Wohnungen ausgeschlossen werden und an Ende netto weniger in der Tasche haben als Familien in geförderten Wohnungen. Mein zweiter Schwerpunkt ist der Sozialbereich. Ich arbeite bei der „Tafel“ und bei einem „Runden Tisch“ in einer Flüchtlingsunterkunft mit und kenne mich in Alten- und Pflegeheimen aus.
Malik: Obwohl ich mich in Hamburg selbst nie ausgegrenzt gefühlt habe, liegt mir die Integration sehr am Herzen. Das ist kein einseitiger Prozess. Wichtig ist, dass die Menschen offen aufeinander zugehen und das Gespräch suchen. Gleichzeitig werde ich die Interessen des Bezirks Nord im Rathaus vertreten. Deshalb ist die Rückkoppelung zu allen Bürgern meines Wahlreises weiterhin unverzichtbar!

WB: Gulfam Malik behält sein „Bürgerbüro“ in der Tangstedter Landstraße 33. Wie wird der Kontakt zu Ihnen, Frau Schenkewitz, möglich sein?
Schenkewitz: Im Augenblick prüfen wir die Optionen. Meine Telefonnummer: 5208600, und die E-Mail-Adresse lautet: posti22415@aol.com. (fjk)
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