Unfallschwerpunkt entschärfen - Kreuzung Langenhorner Chaussee und Foorthkamp wird umgebaut

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Typisches Kreuzungs-Kuddelmuddel an der „Blase:“ Weil der auswärtige Pkw (li.) nicht die Verschwenkung mitmacht (gestrichelte Linie am linken Bildrand), schneidet er den Hintermann. Im schlimmsten Fall könnte es jetzt krachen. Foto: Biehl
Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Seit Jahren schleppt sich das Thema hin. Nun soll das Ärgernis endlich beseitigt werden: „Noch in diesem Jahr“, so zumindest der Plan, soll mit dem Umbau der Kreuzung Langenhorner Chaussee mit Foorthkamp und Heerwisch begonnen werden. Dort gibt es eine Beschilderung und Fahrbahnmarkierungen, die vielen Verkehrsteilnehmern unklar sind, was daher immer wieder zu Unfällen führt.
Eine Rückblende
Der Volksmund nennt es seit vielen Jahren scharfzüngig „Lehrerstau“ – morgens biegen von der Langenhorner Chaussee, aus Richtung Norden kommend, besonders viele Fahrzeuge nach links in den Foorthkamp ab – was sicher nicht nur auf die Beschäftigten der dort befindlichen Schule zurückzuführen sein dürfte. Wie auch immer: Auf der einspurigen Chaussee, die allerdings zweispurig befahren wird, staut sich der Verkehr seit Jahren vor der Kreuzung. Daher sannen die Behörden auf Abhilfe.
Die kam zirka 2006 in Gestalt der so genannten „Blase“. Dazu wurde in der Kreuzungsmitte eine ovale Fläche markiert, in der sich die Abbiegenden sowohl aus nördlicher als auch aus südlicher Richtung aufstellen müssen, bis der Gegenverkehr das Abbiegen zulässt. An den Einmündungen Foorthkamp und Heerwisch soll eine Markierung die Fahrer zu einer leichten Verschwenkung anhalten. Die gut gemeinte Idee: Autos in der gefühlten linken Fahrspur könnten so die Abbieger in der „Blase“ umfahren – allerdings nur, wenn der Nebenmann in der gefühlten rechten Spur seinen Wagen leicht nach rechts zieht.
Soweit die Theorie. Doch immer noch fahren viele Verkehrsteilnehmer stur geradeaus, sei es aus Gewohnheit, sei es, weil sie die „Blase“ zu spät erkennen.
Daran änderte auch eine dezent aufgehängte Verkehrslenkungstafel nichts: Das Schild mit dem „schwangeren Pfeil“, wie der Volksmund lästerte, ist nicht nur spät zu sehen, es war bis dato auch nicht gebräuchlich.
„Mir ist nicht bekannt, dass es das Zeichen noch andernorts gibt“, spöttelte Burkhard Rüland, Abteilungsleiter Verkehr am PK 34, gegenüber dem WochenBlatt.
Beobachten lässt sich, dass vor allem Ortsfremde mit dieser Lenkung offenbar überfordert sind. Wer wie gewohnt die Spur hält und die ungewöhnliche Fahrbahnführung erst im letzten Moment kapiert, muss dann auch noch Glück haben, dass der rechte Nebenmann die Verschwenkung mitmacht – sonst kracht es. Gerade Transporter und LKW denken meist gar nicht daran, den Schlenker auszuführen. Dem in der „Blase“ wartenden Abbieger verbleibt derweil ein wenig Nervenkitzel, ob es ihn wohl auch erwischt. Bilanz: Sieben Unfälle im Jahr 2008, acht Unfälle waren es 2009 und 2010 immerhin noch fünf. Die Zahlen für das vergangene Jahr will die Polizei erst im Mai veröffentlichen.
Nun soll alles besser werden. Dazu wird die „Blase“ quasi aufgebläht. Unter anderem soll der nördliche Teil der Chaussee vor der Kreuzung so verbreitert werden, dass sich drei Fahrzeuge nebeneinander aufhalten können. In die „Blase“ hinein führt von Norden aus künftig eine neue Linksabbieger-Spur. Ob es hilft? In dem siebenseitigen Erläuterungsbericht des für den Umbau zuständigen Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) heißt es bezeichnend: „Es werden nur möglichst geringfügige Änderungen vorgenommen, um die Baukosten zu minimieren.“ Erstaunlich, denn die Planer räumen immerhin „Gesamtwirtschaftliche Unfallkosten“ von rund 1,8 Millionen Euro ein.
In der jüngsten Sitzung des Regionalausschusses winkten die Abgeordneten den Plan des LSBG jetzt durch. Einzig Axel Kloebe (FDP) erlaubte sich die Nachfrage: „Warum wird dort eigentlich kein Kreisel gebaut?“ „Was die Unfallträchtigkeit angeht, wäre ein Kreisel sehr positiv zu bewerten“, weiß Hauptkommissar Burkhard Rüland vom PK 34. Allerdings komme es dabei auch auf die Verkehrsmengen an. Und man müsse sicherstellen, dass der Verkehr aus Nebenrichtungen, in diesem Fall also aus den Straßen Foorthkamp und Heerwisch, überhaupt eine Chance zum Einfädeln in den Kreisverkehr habe. Auch den Horner Kreisel habe man durch Beampelung seinerzeit wieder zurückbauen müssen. „Nach meiner persönlichen Beobachtung eignet sich die Foorthkamp-Kreuzung nicht für einen Kreisverkehr“, so Rüland. Das mag stimmen: Einer wissenschaftlichen Untersuchung aus der österreichischen Steiermark zufolge verträgt ein Kreisel nicht mehr als 15.000 Kfz pro Tag. Doch schon bei der Verkehrszählung im Jahr 2001 war festgestellt worden: An dieser Kreuzung sind auf der Langenhorner Chaussee täglich mehr als 30.000 Kfz unterwegs. Diese Zahl dürfte sich in den inzwischen verstrichenen elf Jahren kaum verringert haben. (bcb)
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1 Kommentar
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Mimi Müller aus Langenhorn | 13.04.2012 | 19:55  
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