Verein will Freibad retten

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Das Ohlsdorfer Hallenbad (Foto) und das Freibadgelände sollen umgestaltet werden Foto: Barth
 

Ohlsdorf: Aktive sehen Ergebnis des Bürgerentscheides von 2009 in Gefahr

Von Bert C. Biehl
Ohlsdorf
Der Name klingt etwas sperrig. Der Zweck ist umso klarer: In Ohlsdorf hat sich jetzt ein Verein gegründet, der das Freibad in dem Stadtteil erhalten will. „Rettet das Freibaden und Sportschwimmen in Ohlsdorf“ lautet der Name des Vereins.
Er ist Nachfolger der Bürgerinitiative (BI), die 2009 verhindert hatte, dass das Freibad-Gelände für den Bau von Eigentumswohnungen verkauft wird. Gegen diese Absicht des damals schwarz-grünen Senats und des Bad-Betreibers „Bäderland“ hatten bei einem Bürgerentscheid 84,5 Prozent der Abstimmenden votiert.
Doch so ganz vom Tisch waren die Senatspläne nie. Mittlerweile wirbt Bäderland wieder massiv dafür. „Damit würde der Bürgerentscheid ignoriert“, kritisieren Harald Meyer sowie Hartwig Zillmer und Jens Möller. Sie waren seinerzeit Mitbegründer der BI. Am vergangenen Mittwochabend wurden sie von der Gründungsversammlung einstimmig in den Vorstand des neuen Vereins gewählt.

Umfang erhalten


„Ziel des Vereins ist es, das Freibaden und Sportschwimmen in Ohlsdorf mindestens innerhalb des bestehenden Umfanges zu erhalten und mit neuen Ideen zu gestalten“, heißt es in der von den zehn anwesenden Gründungsmitgliedern verabschiedeten Satzung.
Dahinter steckt, dass auf der rund 8.800 Quadratmeter großen Freibadfläche zwei 50-Meter-Becken liegen, die bei einer Bebauung wegfielen. Gegen eine
Umgestaltung des Ohlsdorf-Bades hätten weder die BI noch der neue Verein etwas einzuwenden, sofern es weiterhin ein Außenbad mit Liegewiese gibt. Denn Frei- und Hallenbad sind sanierungsbedürftig. Bäderland will allerdings mit dem Verkauf des Außengeländes zur Finanzierung der angeblich erforderlichen 19 Millionen Euro für einen Neubau des Hallenbades beitragen (das Wochenblatt berichtete).
Eine Zeitlang versuchten der Bezirk Nord, Bäderland und die BI am Runden Tisch einen Kompromiss zu erzielen. Das letzte Gespräch, so Möller, habe im Januar 2014 stattgefunden – ohne Ergebnis.
Seither macht die BI ihren Protest gegen die Baupläne wieder öffentlich. Ein möglicher Konsens wird allerdings durch ein Gerichtsverfahren belastet, dem sich der damalige BI-Sprecher und heutige Vereinsvorsitzende Harald Meyer stellen musste. Meyer hatte im vergangenen Frühjahr auf einem BI-Flugblatt eine von Bäderland in Auftrag gegebene und öffentlich verbreitete Planskizze verwendet. Daraufhin schalteten die Architekten als Urheber einen Anwalt ein. Vor dem Landgericht musste Meyer sich auf einen teuren Vergleich einlassen. Pikant: Ausgerechnet eine führende Mitarbeiterin von Bäderland hatte die Architekten auf das BI-Flugblatt aufmerksam gemacht. Das beweisen Dokumente, die dem Wochenblatt vorliegen. Rachid Messaoudi, Bezirksabgeordneter der Linkspartei, wertet das Gerichtsverfahren gegen den Kritiker der Freibad-Bebauung als „Einschüchterungsversuch“.
Mit der Vereinsgründung sehen sich die Aktiven nun organisatorisch, finanziell und juristisch besser gewappnet. „Wir werden die Fraktionen anschreiben und eine Online-Petition anschieben“, skizziert Vize-Vorsitzender Möller die ersten Schritte.
Die Zukunft des Ohlsdorf-Bades dürfte so kurz vor der Bürgerschaftswahl ein eher unbequemes Thema für die Parteien sein – zumal nur die Linkspartei sich eindeutig positioniert hat. Messaoudi: „Wir waren und sind gegen den Verkauf und die Bebauung des Freibades.“

Zugunsten des neu gegründeten Vereins lädt die Willi-Bredel-Geschichtswerkstatt zu zwei Veranstaltungen ein. Ort: Grüner Saal, Im Grünen Grunde 1, S+U1 Ohlsdorf.
Der Eintritt (Spende) kommt dem Verein zugute.

Mi. 21.1., 19.30 Uhr „Buntes Treiben im Freibad Ohlsdorf. Erinnerungen an die 70er-
und 80er-Jahre“. Mit Dieter Faltynek, dem ehemaligen Badleiter, und dessen
Tochter Christine.
Do. 22.1. 19.30 Uhr, Benefiz-Filmabend „Wem gehört die Stadt?“ Mit dem Filmemacher Uli Gehner

Bäderland: Noch alles offen
Die Zukunft des 1964 eröffneten Freibades und der 1972 gebauten Schwimmhalle ist weiter unklar. Beide Anlagen sind sanierungsbedürftig. Im Gespräch war noch Ende 2013 ein Hallenbad-Neubau mit „Cabrio-Dach“ und einer riesigen Schiebetür, die im Sommer geöffnet werden können – quasi Hallen- und Freibad in einem. Mit dieser Bauvariante wirbt Bäderland auch weiterhin auf seiner Homepage und in einem im Ohlsdorf-Bad ausgelegten Flyer.
Allerdings hatte Bäderland bereits im April 2014 gegenüber Politik und Verwaltung einräumen müssen, dass die Cabrio-Variante fallengelassen wurde – zu teuer.
Auch eine mögliche Tiefgarage wird es demnach nicht geben. Dazu Bäderland-Sprecher Michael Dietel auf Wochenblatt-Nachfrage: „Wir sind nach wie vor
in Gesprächen mit der Stadt und dem Senat. In diesem Rahmen werden natürlich auch immer wieder Alternativen ins Auge gefasst, die wir uns zu prüfen verpflichtet sehen.“ Bisher sei aber noch keine Entscheidung „zugunsten irgendeiner bisher besprochenen“ Gestaltungs-Option gefallen. (bcb)
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