Vertrag unterzeichnet

Anzeige
Freude über den Vertrag beim Mieterbeirat: Martina Schenkewitz (v.re.), Jörn Ewerlin, Mathias Wenzel, Sylvia Piskorski und Nicole Schrape mit ihren Töchtern Leonie und Kira. Foto: Biehl
 
Martina Schenkewitz und Jörn Ewerlin mit dem Plan für die Erneuerung der Wulffschen Siedlung. Foto: Biehl

Wulffsche Siedlung: Doppelt so viele Sozialwohnungen

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Der bereits im vergangenen Jahr angekündigte städtebauliche Vertrag zwischen den Eigentümern der Wulffschen Siedlung und der Baubehörde ist jetzt unter Dach und Fach.
Damit ist eine wichtige Vorbedingung für die weitere Entwicklung im Bebauungsplanverfahren „Langenhorn 73“ erfüllt. Vertreter der beiden Grundeigentümer, der Hansa-Grundstücksgesellschaft einerseits und der Stuttgarter GWG-Gruppe andererseits, haben die freiwillige Vereinbarung bereits unterschrieben. Nun liegt sie in der Baubehörde vor. Hansa-Prokurist Jörg Drefers: „Ich gehe davon aus, dass das Papier noch in dieser Woche gegengezeichnet wird.“
Der städtebauliche Vertrag regelt insbesondere die Punkte, die üblicherweise nicht Gegenstand eines B-Planes sind, in diesem Fall zum Beispiel den Kündigungsschutz für Bestandsmieter. Zu diesem Komplex hatte es in der vorausgegangenen öffentlichen Debatte vor allem von Seiten der Bürgerinitiative „Stoppt Langenhorn 73“ die größten Befürchtungen gegeben.
Die Eigentümer hatten deshalb schon einmal jedem Mieter per Brief zugesichert, dass niemand wegen eines geplanten Neubaus aus seiner Wohnung ausziehen müsse.
Durch den Vertrag mit der Stadt wird die Zusicherung offiziell und rechtsverbindlich. Konkret heißt das: „Wenn sich auch nur ein Mieter weigert auszuziehen, bleibt das Haus stehen“, so Drefers gegenüber dem WochenBlatt. Die Mieter seien dauerhaft auf der sicheren Seite. Denn auch wenn jemals Grundstücke oder Gebäude verkauft würden, gehe der Vertrag mit der Stadt auf einen neuen Besitzer über.
Überraschung
Ein weiterer Passus regelt den Anteil an Sozialwohnungen. Hier gab es eine positive Überraschung: „Bei Neubauvorhaben ist derzeit ein Anteil an öffentlich geförderten Wohnungen in Höhe von 30 Prozent üblich. Bei uns werden es 60 Prozent sein“, sagt
Drefers. Der Anteil bezieht sich auf den geplanten Bau von zusätzlichen 150 Wohnungen. Rund 90 davon werden öffentlich gefördert sein. Für zirka zehn Prozent davon hat das Wohnungsamt ein Belegungsrecht. Die anderen Sozialwohnungen sollen hauptsächlich zunächst den Bestandsmietern angeboten werden, die die Voraussetzungen erfüllen. Durch die öffentliche Förderung betrage die Nettokaltmiete pro Quadratmeter in den ersten Jahren nur zwischen 5,90 und 8 Euro monatlich, so Drefers. Die Sozialwohnungen entstehen laut Vertrag Zug um Zug: Steht die Hälfte der Neubauten, muss auch die Hälfte der geförderten Wohnungen übergeben werden. Außerdem sieht der Vertrag vor, dass bei der schrittweisen Erneuerung der Siedlung die Bedürfnisse der Mieter hinsichtlich der Wohnungsgrößen zu berücksichtigen sind. Demnach soll es nicht nur größere und familiengerechte Wohnungen geben, sondern auch ausreichend kleine bis maximal 70 Quadratmeter. Die Bewohner der Wulffschen Siedlung dürfen sogar bei deren Neugestaltung mitreden.
Drefers: „Vereinbart wurde, dass zum Ende des B-Plan-Verfahrens ein Gutachter einen Gestaltungsleitfaden für das künftige Erscheinungsbild der Siedlung erstellt. Hierzu würden wir uns auch über die Anregungen unserer Mieter freuen.“ Der ausgehandelte Vertrag hebelt Besorgnisse der Protestler aus, die immerhin mit einem Bürgerbegehren gegen Langenhorn 73 Erfolg hatten. Dessen Ergebnis war im März 2012 vom Senat evoziert worden.
Der Mieterbeirat der Siedlung freut sich über das Ergebnis, vor allem über die hohe Zahl geförderten Wohnraumes. Beiratssprecherin Martina Schenkewitz: „Auch dafür hatten wir uns stark gemacht.“ Die Beratung durch den Mieterverein zu Hamburg und seinen Anwalt Dr. Rolf Bosse habe sich dabei bewährt. (bcb)

So geht es weiter: Momentan werden die Träger öffentlicher Belange gehört. Im April soll ein neues Planungsbüro das bisherige, das dem SPD-Abgeordneten Jörg Lewin gehört, ablösen. Voraussichtlich im Herbst wird der B-Plan Langenhorn 73 öffentlich ausgelegt. Dann sind Einwendungen möglich. Das B-Plan-Verfahren könnte bis Sommer 2014 abgeschlossen sein. Dann erfolgen die Ausschreibungen und 2016 oder 2017 der erste Spatenstich. (bcb)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige