Vier Stunden Angst

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Schahran Moheb zeigt auf die Stelle, an der er die Granate fand: abgelegt in einem blauen Müllsack unter seiner Treppe. Foto: Biehl

Wer entsorgte scharfe Weltkriegs-Granate am Oehleckerring?

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Vergangenen Mittwoch, kurz vor Mitternacht: Ein lauter Knall schreckt die Anwohner zwischen Oehleckerring und Foorthkamp aus dem Schlaf. Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnt: Unmittelbar in ihrer Nachbarschaft ist eine Granate explodiert. Dem Kampfmittelräumdienst der Hamburger Feuerwehr ist es gelungen, das Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg kontrolliert zu sprengen. Niemand wird verletzt, nichts wird beschädigt. Zum Glück. Denn zuvor lag der scharfe Sprengkörper eine unbekannte Zeit lang an einer für jedermann frei zugänglichen Stelle.

Größter Rettungseinsatz im Quartier


Als er schließlich gefunden wurde, löste das den bisher größten Rettungseinsatz in dem Quartier aus. „Eigentlich wollte ich nur etwas Unkraut zupfen“, erinnert sich Schahran Moheb. Der Automechaniker betreibt seit anderthalb Jahren eine Werkstatt am Oehleckerring. Am Mittwoch gegen 18 Uhr hatte er sich den Wildwuchs unter der Treppe, die zu seinen Geschäftsräumen führt, genauer besehen wollen. Dabei war ihm der blaue Müllsack aufgefallen, den ein Unbekannter dort deponiert hatte. Moheb sah hinein: „Zuerst dachte ich, es sei der Anlasser eines Autos“, berichtete er.

Langenhorn. Doch die zylindrische Form mit dem kegelförmig zulaufenden Ende machte ihn stutzig: „Da habe ich lieber die Polizei gerufen.“
Eine weise Entscheidung. Denn die Beamten des PK 34 erkennen sofort die Brisanz des Fundes. Wenig später treffen ein kompletter Zug der Landesbereitschaftspolizei und 25 Einsatzkräfte der Feuerwehr ein, darunter auch die Experten vom Kampfmittel-Räumdienst unter ihrem Leiter Peter Bodes.

Panzergranate


„Es handelt sich um eine 8.8 Panzergranate mit Bodenaufschlagzünder und vorgespannter Zündnadel“, analysiert der Fachmann. Das Fundgebiet wird in einem Radius von 100 Metern, der Luftraum über dem Sprengkörper bis zu einer Höhe von 1000 Metern gesperrt. Zum Glück ist das Gewerbegebiet am Oehleckerring abends so gut wie menschenleer. Nur insgesamt 26 Anwohner sowie Gäste des kleinen Hotels an der Ecke Max-Nonne-Straße und Bewohner des angrenzenden Kleingartengeländes müssen ihre Häuser verlassen. Sie finden bei dem leichten Nieselregen Unterschlupf in einem extra bereit gestellten Feuerwehr-Bus.
Weil das gut 40 Zentimeter lange Projektil der Granate völlig verrostet ist, kann es nicht abtransportiert werden – es könnte unterwegs hochgehen. Die Beamten setzen ein kleines ferngesteuertes Kettenfahrzeug mit Greifarm ein. Der Roboter befördert das Fundstück in das angrenzende Wäldchen. Um 23.51 Uhr wird die Granate dort kontrolliert gesprengt.
Fragt sich, wie der Sprengkörper im Müllsack unter die Treppe der Autowerkstatt gelangte. „Jetzt ermittelt das Landeskriminalamt“, sagt Polizeisprecherin Sandra Levgrün.

Verstoß gegen Kriegswaffenkontrollgesetz


Juristisch handele es sich um einen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Doch die Ermittlungen dürften sich schwierig gestalten: „Theoretisch kann jeder die Granate dort abgelegt haben“, sagt Levgrün. Möglich ist: Ein Grundbesitzer könnte das explosive Altmetall auf seinem Boden gefunden und dort entsorgt haben. Denn seit einigen Jahren müssen Eigentümer die Kosten für die Kampfmittelräumung aus eigener Tasche zahlen. (bcb)
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