Weite Wege für Senioren

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Helmut Krumm fordert vom Bezirk kleinteilige Nahversorgung in allen Wohngebieten. Foto: sl
 
Ursula Preuhs (82) ist die Vorsitzende des Bezirks-Seniorenbeirats Hamburg-Nord. Foto: sl

Seniorenbeirat fordert eine bessere Nahversorgung

Von Sylvana Lublow

Langenhorn. In vielen Wohngebieten Hamburgs gibt es keine nah liegenden Einkaufsmöglichkeiten. Das macht es vor allem für Senioren schwierig, sich täglich mit Lebensmitteln zu versorgen. Viele von ihnen fahren nicht mehr Auto und sind auch zu Fuß eingeschränkt. Es fehlt an Angeboten der Nahversorgung.
Jetzt kamen deshalb im Bezirksamt Hamburg-Nord rund 40 Senioren zusammen, um auf einer öffentlichen Delegiertenversammlung über die Problematik der Nahversorgung im Bezirk zu diskutieren.
Öffentliche Diskussion
Initiiert wurde die Veranstaltung vom Bezirks-Seniorenbeirat Hamburg-Nord. Referenten waren Heiner Schote von der Handelskammer Hamburg, Dr. Michael Bigdon, Dezernent für Wirtschaft im Bezirksamt sowie Wolfgang Basten, Vorsitzender des Seniorenservice Langenhorn. Moderiert wurde die Sitzung von Jörn Straehler-Pohl (NDR).
Allein im Bezirk Hamburg-Nord leben derzeit 49.000 Menschen, die älter als 60 Jahre sind. In ganz Hamburg sind es sogar 332.000. „In zehn Jahren werden es noch viel mehr sein. Senioren sind komplizierte Kunden, weil sie nicht mehr so beweglich sind. „Dann muss nur ein harter Winter kommen und die Probleme sind noch größer. Darauf muss sich die Stadt einstellen“, fordert Helmut Riedel vom Seniorenbeirat: „Leider ist auch die nachbarschaftliche Hilfe kaum noch vorhanden und Tante-Emma-Läden sind nahezu verschwunden.“ Missstände bei der Nahversorgung gebe es vor allem in den Stadtteilen Langenhorn, Fuhlsbüttel und Barmbek. „Im Wohngebiet Neuberger Weg/ Theodor-Fahr-Straße, mitten in Langenhorn, gibt es keine fußläufige Einkaufsmöglichkeit. Gerade dort leben viele ältere Menschen“, weiß Helmut Krumm vom Seniorenbeirat.
Es gilt also, Lösungen zu finden. Heiner Schote von der Handelskammer referierte über die demographischen Herausforderungen aus Sicht der Wirtschaft. „Es gibt immer mehr Investitionsangebote von Lebensmittel – und Drogerie-Ketten, die neue Standorte in Hamburg entwickeln wollen“, erklärte er. Das sei aus deren Sicht auch nachvollziehbar. „Hier ist die Stadtentwicklung gefordert. Die Bezirksämter kümmern zwar um das Problem der Nahversorgung, aber noch nicht genug.“ Die Stadtteilzentren würden zwar gestärkt, aber vor allem die Einzelhändler gingen nun mal dorthin, wo die Kaufkraft stark ist.
Dr. Michael Bigdon vom Bezirksamt referierte über die Zukunft der Nahversorgung in der Stadtentwicklung. „Wir befinden uns in einem Prozess und fangen dabei nicht bei Null an.“ Mit etlichen Folien erklärte er das Zentren-Konzept der Stadt, das die Problematik der Senioren jedoch nicht wirklich anfasste. Bei der anschließenden Diskussion notierte sich der Wirtschafts-Dezernent jedoch fleißig die Beschwerden der Senioren. Neben den fehlenden Einkaufsmöglichkeiten in vielen Wohngegenden monierten die Teilnehmer auch nicht gestreute öffentliche Wege im Winter, unebene Fußwege, zu hohe Bordsteinkanten.
Außerdem brachten einige Senioren das Problem der Gewerbe-Mieterhöhungen zur Sprache, die daran schuld seien, dass viele Einzelhändler ihre Geschäfte schließen müssen. „Auf die Mieten können wir als Stadt keinen Einfluss nehmen. Wir können nur mit den Grundeigentümern reden und das tun wir auch immer wieder“, reagierte Bigdon.
Nach einer lebhaften Diskussion fand Helmut Riedel vom Seniorenbeirat die richtigen Schlussworte: „Es ist schade, dass das Problem der Nahversorgung nur wirtschaftlich und nicht menschlich betrachtet wird. Wir wollen in Würde altern und dafür müssen wir ohne Probleme einkaufen gehen können.“ (sl)
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