Wieder Parkplatz-Ärger in Hamburg

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Am Halloween-Tag wurden die neuen Betonkuben in der Tangstedter Landstraße zu Grabsteinen für Parkplätze umdekoriert
 
Ladenbesitzer Karl-Heinz Steckel: „Im Zuge der Straßen-Umgestaltung sind bei mir anderthalb Arbeitsplätze verloren gegangen.“ Fotos: Krause

Händler an der Tangstedter Landstraße klagen über Umsatzrückgang

Von Franz-Josef Krause
Hamburg. „Süßes oder Saures“ – nicht nur an Halloween möchten die Ladenbesitzer in der Tangstedter Landstraße den Planern vom Bezirksamt ordentlich „Saures“ geben. Gruselig finden sie unter anderem die neue Parkplatz-Situation vor ihren Läden.
Andere Betroffene wohl auch. An Halloween hat irgendjemand einige der neu aufgestellten schwarzen Beton-Kuben kurzerhand zu Grabsteinen umdekoriert: „Hier ruht ein Parkplatz“ oder „Du wirst uns fehlen“, hieß es auf Schildern.
Worum geht es? Nicht nur, dass die ursprünglich bis Ende März 2013 projektierten Bauarbeiten in der südlichen Tangstedter Landstraße immer noch andauern. Die Händler konstatieren einen durch die Bauarbeiten bedingten Kundenschwund und befürchten, dass er dauerhaft sein wird. Denn Parkplätze sind Mangelware geworden. Manche wichen Querungen, manche Fahrradständern oder Sitzmöbeln, die Parkplätze vor dem Bahnhof entfielen komplett.
57 statt 90 Parkplätze
Im August 2011 hatte die Bezirksverwaltung die Baupläne erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Vor Baubeginn gab es 90 Parkplätze in der „TaLa“, den Bahnhofsvorplatz eingeschlossen. Nach Abschluss der Arbeiten sollten 60 Parkplätze übrigbleiben. Damals schon geäußerte Bedenken ließen die Planer nicht gelten. Das reiche völlig aus, denn „ein Großteil der Kunden in diesem Bereich kommt gar nicht mit dem Pkw“, behaupteten sie seinerzeit. Doch statt der 60 sind heute nur noch 57 „Parkstände“ da, zwei davon für Behinderte – ein Rückgang um 37 Prozent.
„Mein Umsatzrückgang liegt noch höher“, sagt Karl-Heinz Steckel, der seit 35 Jahren dort ein Fotostudio betreibt, „im Zuge dieser Entwicklung sind bei mir anderthalb Arbeitsplätze verloren gegangen.“
Ähnliche Beobachtungen macht auch Bernd Märckl, Inhaber des Edeka-Marktes am Bahnhofvorplatz. „Unser Umsatz ist deutlich rückläufig. Deshalb habe ich inzwischen ein zweites Geschäft in Lübeck. Gern hätte ich mich auf nur ein Geschäft konzentriert, aber die Situation hier ließ mir keine andere Wahl.“
Über Kundenschwund kann sich Rosi Kistner, die seit 1975 einen Frisörsalon betreibt, zwar nicht beklagen, aber sie hat gleich eine ganze Reihe von Beschwerden. Beispiel: „Die Entscheidung, in dieser Einbahnstraße in Gegenrichtung einen Radfahrstreifen einzurichten, ist nicht überdacht. Vier Unfälle mit Radlern hat es schon gegeben, und fast täglich werde ich Zeugin von Beinahe-Unfällen.“
Auch die metallenen Einfassungen der Baumscheiben seien unfallträchtig, denn sie ragen nur rund zehn Zentimeter aus dem Boden und sind vor allem im Dunklen schlecht zu sehen. Und die neuen Laternen vom Typ „City Seidenweber“ sehen zwar formschön aus – ihre Lichtausbeute ist aber eher kläglich.
Und wie beurteilen Kunden die Situation? Der Langenhorner Wolfgang Pyroth fasst seine Beobachtungen so zusammen: „Die Straße hat optisch eine Aufwertung erfahren, die aber völlig unberücksichtigt lässt, dass es sich um eine Einkaufsstraße handelt. Ich bin auf kurze Wege zwischen Auto und Geschäft angewiesen. Finde ich keinen Parkplatz, so bin ich gezwungen, einen großen Bogen zu fahren, um mein Glück erneut zu versuchen. Das ist aber unrealistisch. Einfacher ist, es in einen der beiden Supermärkte auszuweichen, die über ausreichende Parkplätze sowie Fahrstühle verfügen.“
Was sagt das Bezirksamt zu dieser Kritik? „Im öffentlichen Raum bewegen sich nicht nur die motorisierten Verkehrsteilnehmer, sondern neben mobilitätseingeschränkten Menschen auch ältere Mitbürger, Familien und Kinder, für deren Sicherheit im öffentlichen Straßenverkehrsraum ebenso Rechnung getragen werden muss“, so die offizielle Antwort. Für sie mussten barrierefreie Querungsmöglichkeiten geschaffen werden. Zudem müsse das Rillenplatten-System für Sehbehinderte zwingend von Parkenden freigehalten werden. Regionalausschuss und Bezirksversammlung hätten den Plänen zugestimmt. Zudem habe es von 2008 bis 20011 „ein umfangreiches Abstimmungs- und Beteiligungsverfahren“ gegeben, in dem alle Beteiligten gehört worden seien. (fjk)
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