Die Nacht, in der die Deiche brachen

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Senatorin Jutta Blankau und Stiftungsvorstandsvorsitzender Hans-Peter Strenge bei der Enthüllung der neuen Tafeln. Ganz bewusst verwendeten Lissow und Beppler Basaltlava aus der Eifel, die traditionell im Hafen verbaut wurde. Fotos: fjk

Zwei neue Steine erinnern an die Opfer der Flut

Ohlsdorf. Umweltsenatorin Jutta Blankau und Hans-Peter Strenge, Vorstandsvorsitzender der Flutopfer-Stiftung, haben am vergangenen Donnerstag zwei neue Gedenksteine für die Opfer der Hamburger Sturmflut von 1962 auf dem Friedhof Ohlsdorf enthüllt. In Ohlsdorf wurden im Jahr der Flut 97 Flutopfer auf einem Gräberfeld bestattet, das bis heute fortbesteht. Seit heute ergänzen die neuen Gedenksteine mit den Namen der 221 Toten, die auf ihren Heimatfriedhöfen beigesetzt wurden, diesen Erinnerungsort.
In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 starben bei der Sturmflut in Hamburg über 300 Menschen, 20.000 wurden obdachlos. Als die ersten Deiche gebrochen waren, lösten die Behörden Alarm aus. Schwer traf die Flut tiefer gelegene Stadtteile. Besonders Bewohner in flachen Nachkriegsbehelfsheimen ertranken in den eisigen Fluten. Ein Sechstel der Stadtfläche Hamburgs war überschwemmt. In der Folge wurden die Deiche erheblich erhöht. Auf dem Friedhof Ohlsdorf wurde ein Platz für die Opfer der Flut zur Verfügung gestellt, deren Identifizierung nicht möglich war, die keine Angehörigen hatten, oder deren Angehörige eine gemeinschaftliche Beisetzung wünschten. Als Provisorium wurde ein hölzernes Hochkreuz errichtet. Jedes der 96 Einzelgräber erhielt ein beschriftetes Holzkreuz. Ein Jahr später stellten Hinterbliebene Anträge auf Aus- und Umbettung. Der Künstler Egon Lissow (1926-1990) erhielt den Auftrag zur Neugestaltung der Grabanlage. Im November 1972 wurde sie der Öffentlichkeit übergeben. Vierzig Jahre später nun war es Jutta Blankau, die als Siebenjährige die Flut in Altenwerder miterlebt hat vorbehalten, zwei Gedenksteine zu enthüllen, auf denen die Namen der Flutopfer verzeichnet sind, die nicht auf Ohlsdorf ihre letzte Ruhe gefunden haben. Es waren Enkel von Flutopfern, von denen die Anregung ausging.
Die ‚Flutopfer-Stiftung von 1962‘ griff den Gedanken auf. Der renommierte Steinmetz und Bildhauer Henning Hammond-Norden, ein Neffe Egon Lissows, lieferte den Entwurf, der in der Werkstatt von Bert Ulrich Beppler umgesetzt wurde. Jutta Blankau und ihre Familie wurden damals im Boot von Soldaten des in Harburg und Stade stationierten 3. Pionierbataillons gerettet. Die Pioniere Gerhard Gowitzke, Klaus Hinz und Wilhelm Hermanns kamen bei den Rettungsarbeiten in jener Nacht ums Leben. Heute fällt es in das Ressort von Jutta Blankau dafür Sorge zu tragen, dass sich eine ähnliche Katastrophe nicht wiederholt. Das zu tun, versprach die Senatorin bei einer schlichten Gedenkfeier vor etlichen Verwandten und Freunden der Opfer mit bewegten Worten. (fjk)
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