Eisern zusammengehalten

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Ursula und Kurt Lange aus Fuhlsbüttel sind nicht nur seit 65 Jahren ein Ehepaar, sondern sie wohnen auch seit 61 Jahren in der selben Wohnung Foto: Krause
 
Das Hochzeitsfoto von 1948 Foto: privat

Ursula und Kurt Lange gehen seit 65 Jahren gemeinsam durchs Leben

Von Franz-Josef Krause
Fuhlsbüttel. Hamburg lag in Schutt und Asche. Die britische Besatzungsmacht regelte das Leben in der Stadt. Zu essen gab es wenig – Verbote dafür reichlich. Auch das Tanzen war verboten. Immerhin, die U-Bahn fuhr – fuhr bis Großhansdorf. Dort, außerhalb der Mauern der Stadt, nahm man das Verbot nicht so streng. Das sprach sich herum. Auch bei der 21-jährigen Ursula und dem 24-jährigen Kurt, beide echte Barmbeker ‚Gewächse‘. Beim Tanztee konnte man für eine Weile die akuten Probleme vergessen – die kriegsbedingt abgebrochene Lehre, die Sorge um die Familie, deren Ernährer gefallen war. Tanzen, das brachte für viele Menschen Freude und Licht in die sonst eher harte Nachkriegszeit.

Feier mit Freunden

Die Stenokontoristin und der Maschinenschlosser, deren Liebe beim Tanzen am Stadtrand begonnen hatte, nahmen das Leben beherzt in die Hand. Gestern jährte sich ihr Hochzeitstag zum 65. Mal. Die Eiserne Hochzeit werden Langes am kommenden Sonnabend im Airport-Hotel mit rund 20 Gästen feiern. Wie bleibt man so viele Jahre glücklich zusammen? „Gegenseitige Achtung und viele gemeinsame Interessen“, sagt Ursula Lange. „Wir haben uns beim Tanzen kennengelernt und haben diesen schönen Sport jahrzehntelang getrieben.“
Ein Blick zurück. Am 7. Mai 1948 erklingen die Hochzeitsglocken. Vier Jahre später bezieht das junge Paar seine erste gemeinsame Wohnung. Ganz wichtig dabei – sie sind Hauptmieter, denn das andere Paar und die junge Frau, die noch in der Wohnung leben, wohnen dort zur Untermiete. „Das war Luxus pur“, sagt Ursula Lange.
Stattliche 82 Quadratmeter, verteilt auf zweieinhalb Zimmer, großzügige Küche, Bad und zwei Loggien. Viel ist seit diesem Wohnungsbezug geschehen. Der erste Sohn wird geboren, 16 Jahre später kommt überraschend der zweite Junge zur Welt. Mutter Ursula betreut den Nachwuchs, Vater Kurt absolviert die Meisterprüfung und macht Karriere. Später, als die Jungen begannen flügge zu werden, kann Ursula Lange in einer Augenarztpraxis wieder tageweise arbeiten. Die Wochenenden verbringt die Familie an der Elbe. In Drage und später in Tespe steht über Jahrzehnte das Mobilheim. Aber auch im Wallis gibt es eine Anlaufstelle – bis in seine 80ger Jahre fährt Kurt Lange mit Begeisterung Ski. Die weite Welt lernen beide auf Kreuzfahrten und auch bei mehreren Afrika-Reisen kennen. Bleibenden Eindruck hinterlassen acht Wochen Kalifornien. Bewegung war beiden immer wichtig. Im Sportverein und mit den Fahrrädern, die heute zeitgemäß über Elektroantrieb verfügen.

Noch immer Wünsche

Über die Treue zueinander hinaus gibt es zwei Konstanten bei den Langes: noch heute leben sie in der 1952 bezogenen Wohnung und sie haben – als Schrecken aller Banken – noch nie Schulden gemacht. „Natürlich haben wir auch immer Wünsche gehabt“, sagt Kurt Lange, „aber dafür haben wir gespart um sie uns zu erfüllen. Auf ‚Pump‘ Anschaffungen zu machen oder gar eine Reise, das ist uns nie in den Sinn gekommen!“
Auch wenn Kurt in diesem Jahr 90 Jahre alt wird – Pläne für die Zukunft hat das rüstige Paar noch. „Es gibt ja jetzt etliche Kreuzfahrten direkt ab Hamburg“, sagt der Jubilar, „ich muss da noch etwas im Internet recherchieren!“
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