Sozialpreis verliehen

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Zwei, die exemplarisch für viele ehrenamtliche Mitarbeiter stehen: Edith Wenneker (56, li.) leitet die Ausgabestelle Hummelsbüttel und Justine Martens (66) ist für die durch die Tafel unterstützten sozialen Einrichtungen zuständig. Fotos: Krause
 
Rüdiger von Brocke hält die Laudatio.

Freude bei der Norderstedter Tafel

Von Franz-Josef Krause
Langenhorn. Wer, wie die Mitarbeiter der Sozial- und Diakoniestation Langenhorn (SDL), täglich mit unterstützungsbedürftigen Menschen zu tun hat, kann seine Aufgabe nur dann erfüllen, wenn soziale Kompetenz jeden Schritt seiner Arbeit begleitet. So ‚im Thema‘, hat die ‚SDL‘ einen geschärften Blick für das Handeln anderer. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass sie jährlich einen Preis vergibt, der exemplarisch das besondere soziale Engagement Einzelner oder von Gruppen hervorhebt und mit einem Geldpreis auszeichnet. Das Geld kommt von Sponsoren. In diesem, wie auch schon im letzten Jahr, von der Bruderhilfe-Pax Versicherung.
Rüdiger von Brocke begrüßte die gut 150 Gäste beim Neujahrsempfang. „Die Vergabe unseres Sozialpreises soll nicht nur Engagement anerkennen, sondern auch die Diskussion über dessen Sinnhaftigkeit anregen“, sagte der Leiter der SDL. „Wir fanden, dass das von uns gewürdigte Engagement von hervorragender Bedeutung für unsere Gesellschaft ist, aber auch die Frage aufwirf, wie kommt es dazu? Wie würde es ohne das Engagement der Helfer aussehen?“
Die diesjährige Preisträgerin ist die Norderstedter Tafel e.V. Bei ihr arbeiten auf ehrenamtlicher Basis über 100 junge und alte Menschen. Männer, deren Anteil bei ca. 25 Prozent liegt, sind besonders mit Logistikaufgaben befasst, die Frauen mit der direkten Verteilung der Güter. Im Fall Langenhorn, der größten Ausgabestelle, werden an einem Tag bis zu 1,7 Tonnen Lebensmittel bewegt! Alle verbindet die Idee, die so fasziniert, weil sie so einfach ist. Lebensmittel werden nicht weggeworfen, sondern an Bedürftige verteilt. Mit fünf Ausgabestellen von Lebensmittel – zwei davon in Langenhorn beziehungsweise Hummelsbüttel – sowie sozialen Einrichtungen, die regelmäßig beliefert werden, kann die Tafel seit ihrer Gründung 1996 auf eine Erfolg asgeschichte zurückblicken. Eine Erfolgsgeschichte unserer Gesellschaft spiegelt das nicht wieder. Zahlen verdeutlichen das: Im Jahr 2011 erhielten in Hamburg 224.431 Empfänger Sozialleistungen zur laufenden Lebensführung, 12,5 Prozent der Bewohner Hamburgs. Besonders schlimm, dass Kinder und Jugendlichen bis 17 Jahren mit über 20 Prozent in ihrer Altersgruppe oder fast 60.000 junge Menschen von staatlichen Transferleistungen abhängig waren. Hamburgs Sozialsenator Detlef Scheele formulierte kürzlich: „Nur ein Leben ohne öffentliche Fürsorge ist würdig.“ Was er wohl meinte ist der Bürokratismus, der mit staatlichen Sozialleistungen einhergeht. Der emeritierte Pastor Dietrich Sattler, früher Vorsteher des Rauhen Hauses, hob in seiner Laudatio hervor, dass sich die Tafel-Idee in wohltuender Weise davon absetzt. Zwar seien auch hier Kriterien notwendig, um Unterstützung zu erfahren, doch so, Sattler, „Behörden müssen von Gesetzes wegen gerecht, Tafel-Mitarbeiter dürfen barmherzig sein. Freilich, wer die Norderstedter Tafel nutzen will, muss seine Bedürftigkeit nachweisen. Nach Einzelheiten wird er nicht gefragt. Tafeln erfüllen keine Ansprüche, aber sie lindern unkompliziert individuelle Not. Menschen, die die Tafeln tragen, agieren pragmatisch. Sie sehen, dass Menschen Mangel leiden und helfen ihnen. Das ehrt sie.“

Wer mehr erfahren, spenden oder mithelfen möchte: www.norderstedter-tafel.de
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